Felix „Der Glückliche“ macht Halt

Irgendwie müssen Mama Rosi und Papa Christian vor bald 35 Jahren bei der Wahl des Vornamens für ihren damals noch ungeboren Ältesten eine Vorahnung gehabt haben: Felix, zu Deutsch „Der Glückliche“, nannten sie den Buben, der – Stammhalter der Neureuthers von der Winklmoosalm (bei Reit im Winkl) nicht nur das Talent der Eltern auf den alpinen Brettern erbte, sondern auch einen gewaltigen Rucksack in Form des Nachnamens mit auf seine ersten dreieinhalb Lebens-Jahrzehnte bekam.

Wie das so ist bei Töchtern und Söhnen erfolgreicher Eltern. Ob sie nun Schumacher, Beckenbauer oder Neureuther heißen: Der Vergleich mit den Meriten der Vorgänger-Generation, möge er auch noch so sehr hinken, läuft den Erben oft als unverschuldetes Menetekel voraus. Der Name kann oft mehr Ballast als Besitz bedeuten. Doch es geht auch anders rum. Als der Ski-Rennfahrer Felix Neureuther am Sonntag in Andorra zum letzten Mal hinter der Ziellinie eines steilen Slalom-Hangs abschwang, seine Konkurrenten und Kollegen Champagner spritzend auf ihn zu rannten, da wurde bei einem Blick in dessen von Emotionen übermannten Gesichtszüge deutlich: wie anders hätte man diesen Mann vor dreieinhalb Jahrzehnten nennen können, als „den Glücklichen“. Felix halt.

Und doch wird diesen Felix Neureuther, der sich am Sonntag mit den Worten „Bis bald. Ich werd‘ sicher weiter was mit Ski fahren machen“ verabschiedete, ein ewiges Mysterium umgeben: Wie schafft es einer, der zwar in Kitzbühel siegte, Medaillen gewann, aber nie Weltmeister oder Olympiasieger wurde, zu einem der bekanntesten und beliebtesten Vertreter seines Sports zu werden? In 16 Jahren Karriere. Nein, Neureuther war nicht nur das „Gesicht seines“ Sports, des alpinen Ski-Rennfahrens. Kaum einer, der sich auch nur ein bisschen mit dem Sport beschäftigt, der mit seinem Namen nichts anfangen könnte. Warum? Weil er weit mehr war als nur einer, der im Grenzbereich nach Perfektion suchte: Mensch, Sympathie-Träger, offen im Umgang, ob nach Sieg oder Niederlage. Kein „Grantler“ oder „G’spinnerter“, wie man in seiner oberbayerischen Heimat zu sagen pflegt.

Felix war einer mit dem man litt, wenn er mal wieder verletzt war und mit dem man sich überschwänglich freute. Mit dem Gefühle teilen konnte und wollte. So wie vor mittlerweile neun Jahren als er in „Kitz“ – von Papa Christian, der dort 31 Jahre zuvor gewonnen hatte, umarmt - den Sieg am legendären Ganslern-Hang feierte. Ein Rennen, ein Ergebnis, ein Tag, an dem er symbolisch auch den schweren Rucksack mit dem scheinbar erdrückenden Namen Neureuther endlich in den Schnee warf.

Neben einem Titel zwischen den Slalomstangen blieb ihm auch der große Triumph auf der Bühne beim „Sportler des Jahres“ versagt. Was nur bedingt etwas über seine Karriere, aber rein gar nichts über den Typen, den manchmal rotzfrechen und lustigen, erfrischenden, dann wieder impulsiven und nachdenklichen, aber immer gradaus seinen Standpunkt und seine Meinung vertretenden Sohn von Rosi Mittermaier (1976 zur „Sportlerin des Jahres“ gewählt) und Christian Neureuther aussagt. Aber auch da ist ja das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Dezember kommt ja erst.

In diesem Jahr. Für rund 700 Gäste. Und vielleicht auch für Felix. Den Glücklichen.

Bild: picture alliance

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