Seefeld und Bergisel strahlen in Schwarz, Rot und vor allem Gold

Keine Sportart steckt so voller Rätsel für diejenigen, die sie auch höchstem Niveau ausüben, wie diese. Und keine nervt am Ende auch mehr. Weil Du nicht mehr weiter weißt. Nicht ergründen kannst, was Du vorher falsch und was Du richtig gemacht hast. Das Skispringen ist ein ewiges, unergründliches Mysterium. Für alle Beteiligten. Mal bist Du der König der Lüfte auf goldenen Schwingen, mal hüpfst Du verzweifelt nur noch hinterher.
Marcus Eisenbichler und Eric Frenzel wissen ein Lied davon zu singen. Eisenbichler, noch ohne einen einzigen Weltcup-Sieg, im vergangenen Jahr beim olympischen Team-Silber der Kollegen in Pyeongchang nur Ersatzmann. Und jetzt, bei der nordischen Ski-WM in Innsbruck und in Seefeld katapultiert sich der 27-Jährige aus dem Chiemgau-Ort Siegsdorf wie „Kai aus der Kiste“ zum WM-Titel vor seinem „Spez’l“ und Zimmerkameraden Karl Geiger.
Und gewinnt obendrein mit Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe auch noch sein zweites Gold mit der Mannschaft. „Einfach nur geil“ sei das gewesen, gibt er nachher zu Protokoll. Völlig sicher sei er sich vor dem letzten Sprung gewesen, „dass ich den nur noch g’scheit rausdrucka muss“. Der Sieg mit dem Team, und das wirft ein bezeichnendes Licht auf Werner Schusters „German Air Force“, sei ihm der wichtigste gewesen. Und mit diebischer Vorfreude hängt er hintendran, dass die Truppe es nach all den offiziellen Siegerehrungen „richtig kracha loasse“ könne.
Und Kombinierer Frenzel, der eher ruhigere Erzgebirgler, dreifacher Familienvater, konnte angesichts seiner persönlichen Bilanz der erst wenige Tage alten WM auch nur noch ungläubig, aber doch voller Stolz den Kopf schütteln: Zwei Wettbewerbe, zweimal Gold: Weltmeister im Einzel und auch noch – völlig unerwartet – mit Fabian Rießle im Teamsprint. Acht Sekunden retteten die beiden am Ende völlig ausgepumpt vor den Norwegern und Österreichern ins Ziel. „Wir waren in diesem Winter so weit weg von der Konkurrenz, es sah echt düster aus“, machte sich Trainer Hermann Weinbuch zum Sprecher seiner „Jungs“. Und Doppel-Weltmeister Frenzel, jetzt erfolgreichster Kombinierer der WM-Geschichte, ergänzte: „Aber wir haben immer an uns geglaubt.“
Es ist wohl jener unerschütterliche Teamspirit, der die deutschen „Nordischen“ immer dann zu ungeahnten Höhenflügen und Loipenjagden hinreißt, wenn es drauf ankommt. Frei nach dem Motto: „Einer kommt durch.“ Egal, wer. Und manchmal kommen sie eben auch zusammen alle durch. Wenn es denn sein muss bis zum Dezember: Wiederholung geplant in Baden-Baden beim Sportler des Jahres. Denn auch dort kann man es zwischen Gala und Sportivmeile „g’scheit kracha loasse“.

Bild: picture alliance

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