Hans Fassnacht - vor 50 Jahren Sportler des Jahres

Im Wasser fühlte sich Hans Fassnacht einst am wohlsten. Das war Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre, als er einer der weltbesten Schwimmer war. Der in Bad Rappenau-Wollenberg geborene und in Mannheim aufgewachsene Badener verbesserte die Weltrekorde über 400 Meter Freistil (4:04,0 Minuten) und 200 Meter Schmetterling (2:03,3), schwamm 22 Europarekorde, sicherte sich 1970 in Barcelona drei EM-Titel und gewann bei den Olympischen Spielen in München mit der 4x200 Meter-Freistil-Staffel die Silbermedaille. Dreimal hintereinander (1969, 1970, 1971) wurde Fassnacht von den deutschen Sportjournalisten zum Sportler des Jahres gewählt, was er in erster Linie seinen Leistungen zu verdanken hatte. Sicherlich spielte bei der Wahl aber auch die Tatsache eine Rolle, dass Fassnacht des Erfolgs wegen einen für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Weg ging. Er war gerade 18 Jahre alt geworden, als er in die USA übersiedelte, um beim legendären Star-Trainer Don Gambril in Long Beach in die Lehre zu gehen. Fassnacht gab alles für seinen Sport.
Das ist mittlerweile fünf Jahrzehnte her. Nicht alle Wünsche gingen in Erfüllung. Das ersehnte Gold in München musste er Mark Spitz überlassen. Dafür hat Fassnacht sein privates Glück in Kalifornien gefunden. Die junge Amerikanerin Carol, die den gut gebauten, ansehnlichen „german Olympic athlete“ anhimmelte, hat er geheiratet, mit ihr eine Familie gegründet und sich in Huntington Beach vor den Toren von Los Angeles niedergelassen. Unweit des Pazifiks lässt es sich unter den Palmen im heimischen Garten aushalten. Den hauseigenen Swimming Pool hat Fassnacht selbst konstruiert. Rekorde und Bestleistungen im Becken sind aber längst kein Thema mehr. „Das ist Vergangenheit“, sagt Fassnacht, der sein Rentner-Dasein genießt. „Ich schwimme kaum noch“, verrät er. Dass Fassnacht auch mit 68 Jahren gut in Schuss ist, verdankt er weniger der intensiven sportlichen Betätigung als seinen Genen. „Laufen, joggen – nein, das ist nicht mein Ding. Das beschränkt sich darauf, die Treppe im Haus rauf und runter zu gehen.“ Wenn Sport, dann Segeln. Zwölf Meter lang ist das Boot, das er in Begleitung von Ehefrau Carol, die in ihrer Jugend zur nationalen US-Segelelite gehörte, regelmäßig bei der Insel Catalina vor LA durch die Weiten des Ozeans steuert.  Dann ist Hans Fassnacht in seinem Element - zwar nicht im, dafür aber auf dem Wasser.

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