Start in die Handball-WM: Ein Wintermärchen ohne Schnauzbart?

Neues Wintermärchen wie 2007 oder doch ein (virtueller) Schlag in die Magengrube wie ein Jahr zuvor bei der Europameisterschaft in Kroatien? Wenn Deutschlands Handballer am Donnerstag gegen Korea in die mit viel Medien-Tamtam angekündigte Weltmeisterschaft der Superlative mit 24 Mannschaften in vier Gruppen im eigenen Land und in Dänemark starten, ist die Anspannung mindestens genauso groß wie die Erwartungshaltung. Der Druck auf den jungen, kürzlich erst 40 Jahre alt gewordenen Bundestrainer Christian Prokop, könnte größer nicht sein. Halbfinale in einem Turnier mit einer ganzen Handvoll Titelkandidaten ist fast schon Pflicht. Das Bild der ausgelassenen „DHB-Feierbiester“ mit Pappkrone und Heiner-Brand-Schnauzbärten von 2007 kann Ansporn wie Belastung gleichermaßen sein.
„Gigantisch“ sei das Gefühl vor einer Heimkulisse in das Turnier der Weltbesten zu gehen, freut sich Prokop, der 2018 bei seiner internationalen Premiere und der krachenden EM-Bauchlandung noch sehr in der Kritik gestanden hatte. Mittlerweile herrsche ein „neues Teamgefühl“. Da hat sogar die überraschende Streichung von Europameister Tobias Reichmann für den finalen 16er Kader zu keinen Misstönen geführt. Nach außen zumindest.
Gigantisch ist aber auch die Aufgabenstellung, in den Kampf um den Titel mit eingreifen zu können. Die mehr als zweiwöchige intensive Suche des Nachfolgers von Titelverteidiger und Rekord-Weltmeister Frankreich (sechs Mal Champion) soll und muss auch ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Erst im Oktober hatten sich die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF die Rechte an der Live-Berichterstattung aller deutschen Spiele sichern können. Bis zum Finale am 27. Januar im dänischen Herning wird ein neuer WM-Rekord von 800.000 Fans (bisher 750.000 bei der WM 2007) angepeilt.
Für Prokop und den deutschen Handball geht es folglich darum, wer in den nächsten Jahren die Nummer zwei hinter „König Fußball“ im Ranking des Zuschauer-Interesses und damit des sportlichen Millionen-Spiels wird. Denn neben der WM 2019 enthält die Vereinbarung von ARD und ZDF auch die Rechte an den Weltmeisterschaften 2021, 2023 und 2025. Darüber hinaus werden die Europameisterschaften 2020, 2022 und die in Deutschland stattfindende EM 2024 öffentlich-rechtlich übertragen.
Genauso wie auch die Ehrung von Deutschlands Sportlern des Jahres im Dezember in Baden-Baden im ZDF. Dort können Deutschlands Ballwerfer um Ausnahme-Torwart Andreas Wolff zeigen, dass sie nicht nur eine wer weltbesten Defensiven haben, sondern dass auch ihre „Offensive“ an den diversen Ständen und in der Sportiv-Meile nach dem offiziellen Ende der Sendung wahrlich weltmeisterlich ist.

Bild: picture alliance

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