50 Jahre „Schumi“:

Auf dem Sprungseil von Triumph und Tragik.
Die Liste seiner unvergleichlichen und von niemandem erreichten Erfolge ist genauso groß wie die seiner persönlichen Tragik: Sieben Mal Formel-1-Weltmeister, eine Zahl, die niemand je vor ihm erreicht hatte. Ein Mann, der das italienische „Denkmal“ Ferrari aus dem Schatten Jahrzehntelanger Tristesse heraus führte und im Herbst seiner Karriere noch einmal bei DEM deutschen Rennstall landete, wo als Junior-Fahrer für ihn alles begann: bei Mercedes-Benz. Ein Mann, den nicht nur Millionen Fans auf der ganzen Welt verehrten, sondern dem auch die deutschen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten ihren Respekt zollten: Zweimal, 1995 und 2004, wurde er zum „Sportler des Jahres“ gekürt.
Doch seit jenem schwarzen Tag, seinem Ski-Unfall am 29. Dezember des Jahres 2013, ist für Michael Schumacher nichts mehr, wie es einmal war: der Mann aus dem rheinischen Kerpen, der schon lange am Genfer See ein neues Zuhause mit seiner Familie gefunden hat, erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, wird seit Jahren nach monatelangen Krankenhausaufenthalten nun in seinem Anwesen therapiert und gepflegt. Die Familie schirmt ihn gegen die Öffentlichkeit ab, Communiqués über seinen gesundheitlichen Zustand gibt es nicht.
Heute sollte eigentlich ein Festtag für ihn, seine Familie, seine Freunde, seine Fans werden: Doch der 50. Geburtstag von Michael Schumacher, dem seine Verehrer und Bewunderer mit dem persönlichen Adelstitel „Schumi“ ein verbales Denkmal der Einmaligkeit setzten, ist ein Tag bitterer Traurigkeit. Einer, an dem das großartige fahrerische Talent, die unvergleichliche Fähigkeit zur technischen Analyse, die unerschütterliche Loyalität zum Team, die gnadenlose Härte sich selbst gegenüber, aber auch rüde, zweifelhafte Methoden seinen Konkurrenten gegenüber ein auf ewig ungelöstes Rätsel bleiben
Der Blick zurück an diesem 3. Januar 2019 ist eine wehmütige Melange aus verklärter Formel-1-Romantik der 1990er und der „Nuller“ Jahre des neuen Jahrhunderts sowie der Ohnmacht gegenüber einer winzigen Sekunde fataler Verkettung der Geschehnisse: Michael Schumacher, der immer und immer wieder sein Leben auf den Rennstrecken dieser Welt bei aberwitzigen Situationen aufs Spiel setzte, und dieses Dasein auf des Messers Schneide doch zu beherrschen schien wie kein Zweiter, wurde Opfer eines „harmlosen“ Unfalls. Eines dummen Hinfallers wie ihn in jedem Skiwinter Hunderte von Touristen erlitten und erleiden.
Der 29. Dezember 2013 und der 3. Januar 2019 sind die Eckdaten des Lebens einer Person, die wie nur wenige ein Dasein auf dem Drahtseil zwischen Triumph und Tragik verbringen.

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