Qual und Wahl im Hula-Paradies

Lange sprengt alle Dimensionen. So ein Heiratsantrag ist keine Sache, die man sich einfach macht. Da gilt es vorab reiflich  zu überlegen, ob ja oder ob nein. Denn das kann, oder sollte eigentlich, eine Sache fürs restliche Leben sein. Patrick Lange hatte dazu am Sonntag im Triathlon-Mekka auf der Hawaii-Insel Kona genügend Zeit: Sieben Stunden, 52 Minuten und 39 Sekunden, um es genau zu sagen: So lange (oder besser so wenig) brauchte der Ironman-Sieger des Vorjahres, um beim schwersten und spektakulärsten Wettbewerb, den diese Ausdauer-Sportart kennt, seinen Vorjahres-Sieg zu wiederholen.
3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen lockeren Marathon obendrauf als Abschluss. Die Eisenmänner aus Deutschland sind scheinbar die Ausdauerndsten und Leidensfähigsten unter den Nimmermüden. Nach Jan Frodeno und Sebastian Kienle in den Vorjahren nun also zum zweiten Mal der Mann aus dem hessischen Bad Wildungen. Der 32-jährige Lange erwies sich im Hula-Hula-Paradies als ein Athlet für die Geschichtsbücher. Weniger als acht Stunden, also den normalen Arbeitstag eines deutschen Büro-Angestellten, hatte zuvor noch keiner der Eisenmänner für die Qual der Qualen gebraucht.
Wie schon in der 2017er Auflage fiel die Entscheidung in der letzten Disziplin, dem Marathon. Lange, bekannt als guter Läufer, machte seinen Rückstand auf den führenden Australier Cameron Wurf von 6,46 Minuten, den  er auf die 42,195 Kilometer lange Strecke mitgenommen hatte, in beeindruckender Manier wett. Bei Kilometer 25 übernahm er erstmals die Führung, die er schließlich bis ins Ziel auch nicht mehr abgab. Dem zum Schluss wie entfesselt davon stürmenden Vorjahressieger vermochte keiner der Konkurrenten mehr zu folgen.
Wer in Kona ganz oben steht, der wird in Baden-Baden ebenfalls gute Chancen haben, von den deutschen Sportjournalist(inn)en nicht vergessen zu werden. Schon im vergangenen Jahr kam Lange hinter dem nordischen Kombinierer Johannes Rydzek als Zweitplatzierter des Wahl-Procederes zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ über die Ziellinie des Kurhauses. Und in diesem Jahr, am dritten Advent genauer gesagt, werden wir dann wohl auch erfahren, wie die Sache mit dem Heiratsantrag eigentlich ausgegangen ist, die er seiner Lebensgefährtin Jule nach getaner, knapp achtstündiger „Schicht“ gemacht hat. Wer die Qual hat, der hat eben auch die Wahl zur Gattin. Mitten im Hula-Hula-Paradies.

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