Polizistin mit 140 km/h durch die Eisröhre

Das Leben von Skeletonpilotin Jacqueline Lölling, die sich kopfüber mit bis zu 140 km/h in die Eisröhren stürzt, verläuft unverändert im Turbo-Tempo. Ende 2017 im Rahmen der Gala „Sportler des Jahres“ zur besten „Newcomerin“ gewählt, holte sie in PyeongChang olympisches Silber. Und nun beendete sie im Rahmen einer Feierstunde in der Bundespolizeischule Bad Endorf ihre Ausbildung.  Die 23-Jährige ist jetzt Polizeimeisterin, damit kann sie sich noch konsequenter ihrem rasanten Sport widmen. Es geht mit Ultra-Speed weiter.

2012 hatte „Jacka“, wie sie alle nennen, bei den Youth Games Gold gewonnen, 2017 die Titelehren als jüngste Weltmeisterin – und dann die gelungene Olympia-Premiere am Ende eines nervenaufreibenden Wettbewerbs. Zuvor hatte ein Teil der Prämie für die Auszeichnung zur „Newcomerin des Jahres“ (8000 Euro) ihrem Heimatverein RSG Hochsauerland die Existenz bewahrt. Die Worte ihres völlig überraschten Präsidenten klingen noch in ihren Ohren: „Damit hast Du den gesamten Verein und unsere Nachwuchsförderung gerettet.“ Im Hochsauerland bleibt Skeleton damit weiterhin im Fokus.

Sechs Monate aber beschäftigten nun lernintensive Inhalte die Sportlerin. Das duale Ausbildungssystem der Bundespolizei ist einzigartig – aber ebenso kompromisslos wie hart. So verlief fast jeder Wochentag: „Um sieben Uhr antreten. Danach Unterricht in den Fächern Einsatzrecht, Gesetze, Kriminaldienst, Verfassungsrecht, politische Bildung. Bis 15.30 Uhr, eine halbe Stunde später dann Trainingsbeginn.“ Jacqueline Lölling steht gerne als Guide für eine Inspektion der Räumlichkeiten zu Verfügung. Und Bad Endorf bietet quasi alles: die Athleten (zu Jackas Klasse gehörten noch zwei Rodler, eine Langläuferin und eine alpine Skiläuferin, ein Kombinierer und ein Skispringer) nutzen den Kraftraum mit all seinen „Marter“-Geräten, Tartan-Laufbahn, Ballsport-Anlage usw. „Die Bedingungen hier sind top, aber nach dem Sport ist abends noch Lernen angesagt.“

Hinter Lölling liegen vier Ausbildungsjahre, die sie mit Noten von 2 und besser abschloss. Auch die Uniform steht ihr blendend. Es sei immer ihr Wunsch gewesen, einmal in diesem Bereich tätig zu sein. Jetzt ist es vollbracht, obgleich für die Absolventen die Tatsache „Wir sind jetzt Polizisten“ noch etwas unwirklich klingt.

Das wird sich ändern. Nach der aktiven Laufbahn in den Eisrinnen dieser Welt steht der berufliche Weg offen. Dafür hat sich die Sportklasse nahe des Chiemsees intensiv vorbereitet. Auf dem Gelände findet sich zum Beispiel die Nachbildung eines Bahnhofes mit graffiti-verschmierten Automaten, um unerlaubte Gegebenheiten hautnah zu simulieren und zu trainieren. Einsätze mit Streifenwagen oder im Polizei-Helikopter gehören natürlich ebenso zum Programm wie komplexe Theorie.

Nach dem Coup in Südkorea blieben nur ganz wenige Tage, die Glücksmomente zu genießen. Aber der Empfang zuhause blieb für immer haften. Für die Karnevals-Begeisterte, die die tollen Tage sonst immer an irgendeinem fernen Wintersportsort verbringt, wurde ihrem Heimatort Brachbach ein kompletter Karnevals-Umzug mit zig Wagen und 750 Personen organisiert. Dann folgte der Empfang vor 2000 Jacka-Fans in einem Festzelt. Noch heute muss sie mit den Tränen kämpfen. „Dass die ganze Heimat so mitfieberte, einfach unbeschreiblich“ macht sie fast sprachlos – und zeigt gerne das Video auf ihrem Handy.

Dann leitet die Newcomerin von 2017 zu den Zielen des Winters 2018/19 über: mit den Weltmeisterschaften in Whistler, Austragungsstätte der olympischen Vancouver-Entscheidungen von 2010 – auf der „anspruchsvollsten Bahn“ der Welt. „Vor dem ersten Start hatte ich damals auch gezittert.“ Nun heißt die Vision WM-Medaille. Dafür beginnt ein anspruchsvolles Training, „sechs Tage die Woche, denn im Sommer wird teilweise härter als im Winter gearbeitet.“ Bilder von künftigen Podiumsplätzen will sie dann umgehend nach Bad Endorf mailen, zur Erweiterung der „Foto-Hall of Fame“ von siegreichen Bundespolizei-Sportlern. Eine Einrichtung, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe.  

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