EC: Der Plan ist aufgegangen

Als auf Frank Kowalski im Olympiastadion der x-te Gratulant zusteuerte, verneigte sich der „Macher“ der Leichtathletik-EM. Alle hätten am richtigen Strang gezogen und vor allem die Aktiven mit ihren Leistungen den Erfolg ermöglicht, so der große Drahtzieher ganz bescheiden. Die „Berliner Morgenpost“ fasst in ihrem Leitartikel zusammen: „Der Plan ist aufgegangen.“ Schön für die Hauptstadt, schon immer mit BER und jüngst mit Zick-Zack-Radwegen und Wohnraum-Problemen nicht gerade für zielgenaues Werken bekannt. Die Fans feierten belgische Staffelläufer, norwegische Brüder als wären die an der Spree zuhause. Und wenn die DLV-Stars ihre Spikes auf Hochtouren brachten, schien die Arena zu vibrieren. Exemplarisch der Samstag, als 60 500 Zuschauer für eine „sensationelle Atmosphäre“ sorgten, wie sich Robert Bartko, im Jahr 2000 Doppel-Olympiasieger mit dem Bahnrad, als nahezu geplätteter Gast ausdrückte.
Was Berlin auf die Beine stellte, könnte beispielhaft sein. Für Veranstalter von sportlichen Großereignissen in Deutschland, die sich an fußball-lose Herausforderungen wagen. Es lief: der Anklang der Fans, der überspringende Funke auf die einheimischen Athleten, die Außenwirkung. Auch ein Sommermärchen. Und das ja nicht nur in Berlin. Glasgow mit sechs weiteren Sportarten (Rudern, Schwimmen, Turnen, Triathlon, Radsport, Golf) erlebte Parallelen. Die Menschen am Clyde waren stolz, europäische Eliten beherbergen zu dürfen. Die Sportler, von Wasserspringern bis Madison-Bikern und Freiwasser-Schwimmern konnten das Interesse an ihrem Tun kaum begreifen. Minutenlange Interviews bei ARD und ZDF mit Bundestrainern, die sonst höchstens nach der Regionalliga-Berichterstattung zu Wort kommen.
Man darf sich ziemlich sicher sein, dass die II EC 2022 stattfinden werden, vielleicht mit mehr internationalen Verbänden, die diesmal noch im Abseits standen, aber die mediale Wirkung kein weiteres Mal verpassen wollen. Und offenbar liegen bereits Interessen-Bekundungen von Städten vor, die das auf Nachhaltigkeit und Etat-Begrenzungen fokussierte Konzept bejahen. Die European Championships: eine Gala, die auch andere stemmen können.
Für die deutschen EC-Teilnehmer waren die Kontinental-Titelkämpfe mehrheitlich ein „Burner“. 13 Siege. Aus Glasgow reiste zum Beispiel Wasserspringerin Tina Punzel mit einem kompletten Medaillensatz ab. In Berlin feierten die Fans, ob im Stadion oder am Breitscheidplatz, sechs Goldkinder. Am vorletzten Tag kamen die Zuschauer aus dem Jubeln gar nicht mehr raus. Hochspringer Mateusz Przybylko (26) und Weitspringern Malaika Mihambo (24) schrieben sich in die Geschichtsbücher ein, fast im Minutentakt. Und glänzten hinterher, ob in der Mixed Zone, im Deutschen Haus oder bei der Medaillenzeremonie, durch Sympathie und druckreife O-Töne. Aktive, die sich die deutschen Journalisten für die Sportler-Wahl merken sollten. Ganz frisch im Gedächtnis: der Endspurt von Gesa Felicitas Krause (2017 Gewinnerin des Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport) über 3000 m Hindernis kurz vor der Abschlussfeier. Das Happy End einer so problematischen Saison. „Danke Berlin“, so der meistzitierte Satz der erfolgreichen DLV-Athleten. Die olympische Kern-Sportart offenbarte auf der blauen Tartanbahn wieder einmal ihr schönstes Gesicht. Gewann neue Freunde und Bewunderer – das wird man auch bei der Gala „Sportler des Jahres“ Mitte Dezember in Baden-Baden nochmals erleben.

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