EM-Heroes von Glasgow

Einige hitzegeplagte Mitteleuropäer sind jetzt Schottland-Fans. Das liegt an den Temperaturen (17 Grad am Nachmittag) und reichlich Regen – vor allem aber an den European Championships. Die ersten „Sommerspiele des Kontinents“ mit Titelkämpfen in sieben Sportarten sind ein Renner. Die Summierung hochkarätiger Entscheidungen erweist sich als Highlight. Die nach Glasgow gereisten Aktiven sprechen von „olympia-ähnlichen“ Verhältnissen. Vieles perfekt inszeniert – allein die Präsentation der Schwimm-Wettbewerbe gleicht, dank Lichteffekten und Indoor-Feuerwerk einem Becken-Event der Extraklasse.

Und die Medien steht Gewehr bei uns. Stundenlang übertragen ARD und ZDF aus Schottland, plötzlich wird ausführlich über Disziplinen berichtet, die es sonst nicht einmal bei Weltmeisterschaften ins Programm schaffen. Der Nicht-Fußball-Part erhält eine nie gekannte Plattform. Und die Quoten „sind prima“, liegen über den Erwartungen, wie ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann ausführte. Auch die deutschen Sportler nutzten die unerwartete Showbühne für ihre Demonstration. In erster Linie die Bahnfüchse gaben ihren Hightech-Maschinen die Sporen. In der täglich ausverkauften Arena erlebte der Bahnradsport, national schon fast beerdigt, eine Renaissance. Gold für Stefan Bötticher (Keirin), Lisa Brennauer (3000-m-Verfolgung) und Domenic Weinstein (4000-m-Verfolgung). Sie dürfen sich schon sicher fühlen, zum Jahresende eine Einladung zur Gala „Sportler des Jahres“ (am 16. Dezember) zu erhalten. Inklusive einer Hoffnung auf Top-Ten-Platzierungen beim 71. Votum der Sportjournalisten.

Zudem hagelte es Silber- und Bronzemedaillen. Das Sir-Chris-Hoy-Velodrome: Boom-Town für die Tempobolzer des BDR. Bundestrainer Detlef Uibel, für die Sprint-Abteilung zuständig, blickt jetzt schon optimistisch Richtung Tokio 2020.

Bemerkenswert die Neugeburt einer Problem-Sportart. Am eigenen Schopf aus dem Wasser gezogen, ist man geneigt, über die Schwimmer zu philosophieren. Der Sieg in der 200-m-Freistil-Mixed-Staffel war der emotionale Höhepunkt. Youngster Florian Wellbrock (20) sicherte sich auf der längsten Distanz (1500 m) EM-Gold – mit der viertschnellsten Zeit auf der Welt. Und nun kennen die TV-Zuschauer auch das Tattoo des Bremers. „Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig.“

Die Ruderer, in Verkennung der Bedeutung der European Championships mit einer zweiten Garnitur auf die britische Insel gereist (der Fokus liegt auf der WM nächsten Monat in Bulgarien), zahlten Lehrgeld. Konnten sich aber einmal mehr auf den Achter verlassen. Es wirkte fast easy, wie Team D sich im Finale den Titel sicherte. Doch Richard Schmidt, Dauerbrenner im DRV-Flaggschiff, sprach von brutal harten Herausforderungen, weil die Konkurrenz die Taktik des Weltmeisters mit schnellen Starts konterkarieren will. Nützte nichts. Coach Benders Recken fahren in einer anderen Liga. Erfolgreich wie die European Championships, in dieser Woche durch die Leichtathletik-EM in Berlin quasi „geadelt“. Eine Premiere der gelungenen Art. Bitte weitermachen

Bild: picture alliance

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