Christina Schwanitz mit dem goldenen Impuls?

Zwei Wissenschaftler und Trainer Sven Lang paukten mit Christina Schwanitz Hüftschwung, Anlaufschritte, Drehungen und eben alles, was so zum Kugelstoßen gehört. Wenige Tage vor den Europameisterschaften sprach Christina gern mit uns und sah es als gutes Omen an, im Trainingscamp Kienbaum, mitten im märkischen Kiefernwald, Besuch von der ISK zu bekommen. „Es war für mich 2015 in Baden-Baden ein ganz großes Erlebnis“, erinnert sich Christina mit einem gewinnenden Lächeln. Die gebürtige Dresdnerin war damals als Weltmeisterin mit einem 20,77 m-Wurf von den deutschen Sportjournalisten zur „Sportlerin des Jahres“ gekürt worden. Sie setzte damit die große Tradition deutscher Athletinnen wie Olympiasiegerin (1996) Astrid Kumbernuss oder der Olympia-Zweiten (2004) Nadine Kleinert fort. Im Februar 2017 bei den Hallenmeisterschaften katapultierte sie die Eisenkugel noch einmal auf die Umlaufbahn zum Meistertitel. „Danach genoss ich das normale Leben ohne Sport“, blickt sie zurück. Der Grund für den Break: „Ich war schwanger und wollte bewusst keinen Sport treiben“, sagt die Powerfrau vom LV 90 Erzgebirge. Im Juli 2017 erblickten Zwillinge, ein Mädchen und ein Junge, das Licht der Welt.

Die Namen? „Wird nicht verraten, schreibt einfach, es sind meine Krümel“, versucht die Topathletin ein Geheimnis zu hüten. Am 2. Januar dieses Jahres wagte Christina dann den Neuanfang: „Ich wollte beweisen, dass man als Mutter Leistungssport betreiben kann. Natürlich knackten die Gelenke. Ich benötigte Zeit, bis alles so wie früher war. Es gab harte Momente, aber da muss man durch.“ Vor Schwanitz setzten zum Beispiel auch die Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss, die Kanutin Birgit Fischer oder die Ruderin Katrin Boron als Mütter ihre Sportkarrieren erfolgreich fort. „Aber mit Zwillingen bin ich die Erste“, sieht die Heldin des Rings ihre Ausnahmerolle. Nur wurmt es Christina, wenn sie beim Wettkampf als Zwillingsmama angekündigt wird. „Ich trete doch wegen meiner Leistungen an und nicht wegen der Zwillinge.“ Recht hat sie.

Übrigens ohne die Unterstützung von Ehemann Tomas würden sich in Christinas Händen zu Hause in Chemnitz statt Eisenkugeln bestenfalls noch sächsische Kartoffelklöße drehen. „Wenn die Kinder weinen, steht Tomas nachts auf und lässt mich schlafen“, verrät die Ex-Weltmeisterin. Auch das Leben der Familie Schwanitz sorgt für Extreme. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Nach dem Frühstück kutschiert die stolze Mutti zur Krippe. „Danach habe ich zwei bis drei Stunden Zeit für mein Training“, schildert Christina, die im Juli in Nürnberg mit der Weltklasseweite von 20,06 m einen weiteren deutschen Meistertitel in ihre sportliche Bilanz eintragen ließ. Mit dem Trainingslager ist es für die jungen Mütter nicht ganz einfach. „Wenn Männer Väter werden, macht ein Trainingslager kein Problem. Bei uns Müttern sieht das schon anders aus. Die Kinder müssen gestillt werden.“ Also reiste die Familie Schwanitz im Frühjahr mit Mutter, Vater sowie Krümel &Krümel nach Südtirol ins Trainingslager.

Selbst Trainer Sven Lang staunt: „Christina hat alles gut im Griff.“ Beileibe nicht nur im Kugelstoßring. Zwei Wochen vor den Meisterschaften brachte die Sportsoldatin auch die letzte Prüfung auf die Reihe. Und nur kurz fuhr der Schreck in Glieder, als Christina auf dem Weg zum ZDF-Sportstudio in einen Unfall verwickelt wurde. „Zum Glück konnte ich nach kurzer Behandlung gleich wieder trainieren“. Ein Indiz mehr, dass die 32-Jährige im Berliner Olympiastadion im Kugelstoßring dem Eisen einen goldenen Impuls zu geben vermag.

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