Ein Ritt in die Unsterb­lich­keit

Zum Tode von Hans-Günter Winkler. Ein einziger Ritt, wenige,  aber dennoch qualvoll lange Minuten während, trug sie zwischen Oxer, dreifacher Kombination und Wassergraben in die Unsterblichkeit des Vierecks: Ein Ritt, der 62 Jahre zurückliegt und doch wie für die Ewigkeit geschaffen scheint: Bei den Olympischen Reiterspielen des Jahres 1956 in Stockholm, wohin die Wettbewerbe damals wegen der australischen Seuchenbestimmungen ausgelagert worden waren,  schlug die Stunde eines der größten Paare der deutschen Sportgeschichte.
Auch wenn es Mensch und Tier waren: Halla, die Wunderstute,  die ihren verletzten Reiter im Sattel mit dem feinen Gespür der aufmerksamen, (mit)leidenden  Kreatur fast im Alleingang zu einem Nullfehler-Ritt und damit zum olympischen Gold trug, ging wie der Mann im Sattel, von höllischen Schmerzen eines Muskelrisses gepeinigt, in den Olymp der Sportgeschichte ein.  Halla und Hans-Günter-Winkler,  nur „HGW“ genannt,  verschmolzen danach gemeinsam in den Annalen der olympischen Geschichte. Wie Kilius  / Bäumler,  wie Baran / Falk.
Halla, eine Wunderstute wie einst Kara Ben Nemsis „Rih“ oder Winnetous „Iltschi“ ,  steht inzwischen, in Bronze gegossen, vor der Zentrale der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf: Der Mann, den sie an einem der bemerkenswertesten Tage der frühen Bundesrepublik Deutschland nach dem fürchterlichen Krieg ins gemeinsame Walhalla trug, verstarb am Montag im Alter von 91 Jahren:  Hans-Günter Winkler war nicht nur der beste deutsche Springreiter aller Zeiten. Er war  Welt- und Europameister, fünfmaliger Olympiasieger. Er war aber auch, ähnlich wie die Fußball-Weltmeister von 1954, ein Teil des Stolzes und des Selbstbewusstseins der Menschen einer aufblühenden Republik, die auf den Trümmern eines Reiches wuchs, das nur zwölf Jahr währte und dennoch deren Tausend halten sollte.
„HGW“ ist auch ein Teil der Geschichte der deutschen „Sportler des Jahres“. 1955 und 1956 wurde ihm diese Ehre zuteil. Und wenn es jemals eine Auszeichnung neben Sportlern, Sportlerinnen und Mannschaften des Jahres für den „Gefährten des Jahres“ gegeben hätte: Kein anderer als Halla hätte diese Trophäe verdient gehabt.

Bild: Picture Alliance

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