Über eine Million „Handballer“

Und? Kann man nach der Handball-Europameisterschaft nun einfach zum normalen Sportalltag in Deutschland übergehen? Eher nicht, den die MEN‘S EHF EURO 2024 hat in vielen Punkten Zeichen gesetzt. Zum Beispiel, dass Großereignisse hierzulande sehr wohl Anklang finden. 95 Prozent aller Tickets wurden verkauft, über eine Million Menschen staunten, was die Wurfkünstler in Köln, Hamburg, München, Mannheim und Berlin zuwege brauchten. Die Kasse stimmte, die giga Stimmung in der Lanxess-Arena am Rhein kann nur beschreiben, wer sie erlebt hat. Nicht nur laut, sondern emotional auf höchstem Niveau. Das erzeugte Gänsehaut. Wenn die Tribüne ein komplettes Match im Stehen mitfiebert, selten so erlebt.
Fans aus allen beteiligten Ländern fühlten sich in Deutschland wohl – das zeigten nicht nur die Anhänger von den Färöer-Insel oder aus Island. Und wie erhofft sprang der Funke der DHB-Auswahl auf dem Heim-Publikum über. Die Menschen feierten mit Wolff & Co., litten mit, bibberten und gerieten - auch dank gekonnter Präsentation der Moderatoren und Sprecher, geradezu in Ekstase.
Leider fehlten der jungen Gislason-Truppe zum großen Coup ein paar Prozente. Oder vielleicht einige gestählte Routiniers statt (zu)viel jugendlichem Drang. Der Halbfinal-Einzug, ob schmeichelhaft oder nicht, krönte die sportliche Bilanz. Auch weil die Jungs um Kapitän Johannes Golla und Spielmacher Juri Knorr so sympathisch rüberkamen. In Interviews, ihrem Auftreten abseits und auf der Spielfläche. Viele Fans schwärmten von den „Siegern der Herzen“. Die keine Ausreden nutzten und immer nach vorne blickten.
Was den Basketballern mit den Titel-Gewinn in Fernost gelang, konnten die Handballer zwar nicht realisieren. Aber die Uhr tickt für diese Formation mit Zukunft: zum Beispiel im Hinblick auf die Heim-WM 2027. Dann wird sie bald auch wieder für die Auszeichnung zur „Mannschaft des Jahres“ auf dem 7-Meter-Punkt stehen. Wie 1978 und 2007.
Logisch, dass die Zahl der Daumendrücker für eine erfolgreiche Paris-Qualifikation jetzt größer denn je ist. Sind wir nicht alle ein bisschen „Handballer“ geworden?

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