Handball-EM in Deutschland: Wird Alfred der neue Heiner?

Ausverkaufte überdachte Arenen mit weit mehr als 10.000 Zuschauern. Partystimmung auf den Rängen. Und dramatische, packende Spiele, die oft erst in den letzten Sekunden, in der Verlängerung oder im 7-m-Schießen entschieden werden. Ja, die großen Handballturniere auf deutschem Boden hatten immer ihr besonderes Flair. Vor allem dann, wenn wie 2007 beim WM-Gewinn der Heiner-Brand-Eleven die Gastgeber bis ganz zum Schluss vorn „bei der Musik“ sind. Genau darauf hofft der Ausrichter, der Deutsche Handballbund, auch bei der am 10. Januar in Düsseldorf beginnenden Europameisterschaft. Zweieinhalb Wochen lang kämpfen 24 Teams in 64 Partien unter den Hallendächern von Berlin, Mannheim, Hamburg, München und Köln um den Titel, der zum ersten Mal in seiner Geschichte in Deutschland vergeben wird.

Die Vertretung des DHB bereitete sich in der Abgeschiedenheit von Brunsbüttel und zwei abschließenden – siegreichen - Testspielen gegen Portugal vor. Mit den verletzungsbedingten Ausfällen von Rückraumspieler Marian Michalczik und Routinier und Rechtsaußen Patrick Groetzki gab es allerdings die ersten Dämpfer. Zuversicht herrscht dennoch. Die Gastgeber bestreiten am Mittwoch in der bereits ausverkauften, 50.000 Besucher fassenden Merkur-Spiel-Arena, dem überdachten Fußballstadion des Zweitligisten Fortuna, das Eröffnungs-Match. Ein riesiges Ballyhoo, weil dabei ein neuer Zuschauer-Weltrekord im Handball erreicht wird. Neben Nordmazedonien hat das Team von Bundestrainer Alfred Gislason mit dem dreimaligen Europameister und Vize-Weltmeister Frankreich in Gruppe A einen dicken Brocken erwischt, gegen den es am letzten Spieltag (16. Januar in Berlin) womöglich um den Gruppensieg geht. Die ersten beiden Teams erreichen die Hauptrunde.

Gleich vier „U-21“-Weltmeister (Justus Fischer, Renars Uscins, Nils Lichtlein und Torwart David Späth) und einen Debütanten (Martin Hanne aus Hannover-Burgdorf), hat der Isländer für die Vertretung rund um Kreisläufer und Mannschaftskapitän Johannes Golla (Flensburg) nominiert. „Mit dem begeisterungsfähigen deutschen Publikum im Rücken“ sei vieles möglich, sagt das ehemalige Kieler „Trainerdenkmal“ Gislason. „Wir haben eine richtig starke Mannschaft mit hoher Qualität und viel Selbstvertrauen.“ Sollte es wie 2016 einen Triumphzug der DHB-Auswahl, dann auch noch wie damals mit dem Titelgewinn, geben, dann nähme der Zug eines frühen Handballmärchens in diesem Jahr wohl so richtig Fahrt auf. Im Moment aber nennt Gislason „das Halbfinale“ als realistisches Ziel.

Mit Titelverteidiger Schweden, den Dänen, Franzosen und Spaniern gehört das „Quartett der üblichen Verdächtigen“ auch bei der EURO EHF 2024 wieder zum Favoritenkreis. Gislasons Truppe, deren Spiele abwechselnd in ARD und ZDF live übertragen werden, spielt bei der ersten Handball-EM in Deutschland nicht nur um eine möglichst gute Platzierung und die Gunst der deutschen Handball-Fans, sondern auch um einen Tisch im Kurhaus von Baden-Baden bei der nächsten Gala „Sportler des Jahres“ am 15. Dezember 2024. Willkommen sind die deutschen Handballer dort seit vielen Jahren.

Bild: picture alliance

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