Abschied vom Weißen Blitz: In Memoriam Heinz Fütterer

  • Publiziert in Sdj News

Er gehörte jener Generation an, die nach den Wirren und den Schrecken des zweiten Weltkrieges die neue, junge Bundesrepublik Deutschland in eine friedliche Weltgemeinschaft des Aufbruchs und der Hoffnung führte. Er tat das mit seinen sportlichen Leistungen, aber auch mit seiner offenen, freundlichen und sympathischen Art. Sein Name, seine Erfolge wurden zeitgleich genannt mit den Helden von 1954, die „das Wunder von Bern“ vollbracht hatten. Im gleichen Jahr stellte er im japanischen Osaka mit handgestoppten 10,2 Sekunden den 100-m-Weltekord der US-Sprinterlegende Jesse Owens ein. Ein Lauf für die Geschichtsbücher, der ihm den Namen „Der weiße Blitz“ einbrachte.
Aber er war auch viel mehr als nur die personifizierte Anhäufung seiner Medaillen und Meriten. Obwohl die für sich, für sein Talent, seine Unbeirrbarkeit in den Spikes auf der damals noch roten Aschenbahn sprachen. Dreimal Europameister zwischen 1954 und 1958, Olympia-Bronze 1956 mit der deutschen 4X100-m-Staffel in Melbourne. Gemeinsam mit den Sprint-Ikonen jener Zeit, Manfred Germar, Manfred Steinbach und Hürden-As Martin Lauer, lief er 1956 in Köln in 39,5 Sekunden Weltrekord über 4X100 Meter.
Der gelernte Fischer aus dem badischen Illingen, ein bodenständiger Mann, wurde 1954, noch vor dem Kapitän der Weltmeistermannschaft, Fritz Walter, Deutschlands „Sportler des Jahres.“ Allein diese Auszeichnung in einem für die junge Republik so bedeutenden Jahr der Sport- und Zeitgeschichte zeugt von der ungeheuren Popularität, die man dem damals schnellsten Mann der Welt zu Hause entgegenbrachte. Der Sport begleitete ihn sein ganzes Leben. Bis weit in seine Achtziger Jahre spielte er noch Golf, hatte Freude an der Bewegung und am sportlichen Vergleich mit anderen.
Aber er war auch ein Mensch, der das Leben genießen konnte und er tat es gerne und mit offensichtlicher Freude. Auftritte beim Familienfest des Deutschen Sports, Hand in Hand mit seiner Gattin auf dem roten Teppich flanierend, strahlten pure Lebensfreude aus.  Nach kurzer schwerer, Krankheit starb der Mann, der die deutsche Leichtathletik prägte, der aber auch für ein neues Deutschland ohne das Attribut der Schreckensherrschaft stand, in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit 87 Jahren.
Heinz Fütterer, der „weiße Blitz“, wird für immer auch ein regelmäßiger und gern gesehener großer Freund des „Sportler des Jahres“ bleiben.

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Hans Fassnacht - vor 50 Jahren Sportler des Jahres

Im Wasser fühlte sich Hans Fassnacht einst am wohlsten. Das war Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre, als er einer der weltbesten Schwimmer war. Der in Bad Rappenau-Wollenberg geborene und in Mannheim aufgewachsene Badener verbesserte die Weltrekorde über 400 Meter Freistil (4:04,0 Minuten) und 200 Meter Schmetterling (2:03,3), schwamm 22 Europarekorde, sicherte sich 1970 in Barcelona drei EM-Titel und gewann bei den Olympischen Spielen in München mit der 4x200 Meter-Freistil-Staffel die Silbermedaille. Dreimal hintereinander (1969, 1970, 1971) wurde Fassnacht von den deutschen Sportjournalisten zum Sportler des Jahres gewählt, was er in erster Linie seinen Leistungen zu verdanken hatte. Sicherlich spielte bei der Wahl aber auch die Tatsache eine Rolle, dass Fassnacht des Erfolgs wegen einen für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Weg ging. Er war gerade 18 Jahre alt geworden, als er in die USA übersiedelte, um beim legendären Star-Trainer Don Gambril in Long Beach in die Lehre zu gehen. Fassnacht gab alles für seinen Sport.
Das ist mittlerweile fünf Jahrzehnte her. Nicht alle Wünsche gingen in Erfüllung. Das ersehnte Gold in München musste er Mark Spitz überlassen. Dafür hat Fassnacht sein privates Glück in Kalifornien gefunden. Die junge Amerikanerin Carol, die den gut gebauten, ansehnlichen „german Olympic athlete“ anhimmelte, hat er geheiratet, mit ihr eine Familie gegründet und sich in Huntington Beach vor den Toren von Los Angeles niedergelassen. Unweit des Pazifiks lässt es sich unter den Palmen im heimischen Garten aushalten. Den hauseigenen Swimming Pool hat Fassnacht selbst konstruiert. Rekorde und Bestleistungen im Becken sind aber längst kein Thema mehr. „Das ist Vergangenheit“, sagt Fassnacht, der sein Rentner-Dasein genießt. „Ich schwimme kaum noch“, verrät er. Dass Fassnacht auch mit 68 Jahren gut in Schuss ist, verdankt er weniger der intensiven sportlichen Betätigung als seinen Genen. „Laufen, joggen – nein, das ist nicht mein Ding. Das beschränkt sich darauf, die Treppe im Haus rauf und runter zu gehen.“ Wenn Sport, dann Segeln. Zwölf Meter lang ist das Boot, das er in Begleitung von Ehefrau Carol, die in ihrer Jugend zur nationalen US-Segelelite gehörte, regelmäßig bei der Insel Catalina vor LA durch die Weiten des Ozeans steuert.  Dann ist Hans Fassnacht in seinem Element - zwar nicht im, dafür aber auf dem Wasser.

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Und der (ewige) Wiede sei mit Ihnen…

Ein wenig ist es so, als hätte man zuvor bei „Erlebnis Reisen“ die Variante  „mit Vergnügungszuschlag“ gewählt. Mit der Option um Verlängerung und eventuell abschließender Nordland-Exkursion nach Dänemark. Denn die unglaubliche Rundreise der deutschen Handballer durch die pickepacke vollen Arenen der Republik geht weiter: Was im Hexenkessel von Berlin begann, im Kölner „Henkelmännchen“ vor fast 20.000 schier aus dem Häuschen geratener schwarz-rot-goldener Masse weiter gesponnen wurde, geht am Freitag  in Hamburg weiter. Und soll dann, so das feste Vorhaben, am kommenden Sonntag im dänischen Herning enden.
Denn nach dem 22:21-Erfolg vom Montagabend gegen die Handballmacht Kroatien steht bereits vor dem Aufeinandertreffen mit Europameister Spanien am Mittwoch fest: Christian Prokop und seine Adlerträger greifen in den Kampf um die Medaillen ein,  stehen unter den letzten vier dieser Weltmeisterschaft. Ebenso wie Weltmeister Frankreich. Und in Hamburg wartet am Freitag einer der großen Drei aus dem Wikinger-Trio Dänemark, Schweden und Norwegen.
Wie schon in den Remis-Partien gegen Russland und die Franzosen war das Aufeinandertreffen mit dem Team von Handball-Fuchs Lino Cervar (68), so eine Art „Balkan-Heiner-Brand ohne Schnurrbart“, nichts für Menschen, die dem korrekten Ablauf ihres Herz-Kreislauf-Systems nicht mehr so recht über den Weg trauen: Schwacher Beginn, heran gekämpft, verletzungsbedingter Ausfall des Spielmachers Martin Strobel, auf drei Tore abgesetzt, dann wieder hinten gelegen und am Ende ein einziger Treffer mehr: Jeder ARD-„Tatort“ ist dagegen eine  Wohlfühl-Oase, ist wie eine zärtliche Novelle aus der Feder von Rosamunde Pilcher.
„Wir haben jetzt alles in der Hand. Wir haben das Publikum im Rücken. Alle anderen müssen eigentlich mehr Angst vor uns haben als wir vor denen“, bilanzierte der kantige Abwehrchef Patrick Wiencek. Der Kieler ist mit seiner ungeheuren körperlichen Präsenz so eine  Art Zerberus, der Höllenhund der griechischen Mythologie, vor eigenen Eingangstor. Mit Fabian Wiede ist neben Fäth am Montagabend ein weiterer Experte für die sogenannten „scharfen“ Dinger aus dem Rückraum gefunden worden. Einer, der ebenfalls dafür sorgen könnte, dass im Dezember im Benazét-Saal des Kurhauses von Baden-Baden zwei Tische für ihn und seine Kumpels renoviert werden müssen:  Sechsmal traf der Linkshänder aus Berlin kompromisslos: Und deshalb setzen Deutschlands Handballer für die 60 Minuten in Hamburg  wieder darauf: Und der (ewige) Wiede sei mit Ihnen…

Bild: picture-alliance

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Und jetzt, Handball-Deutschland? – „Kölle Alaaf“

Der Hexenkessel von Berlin ist passé. Und was jetzt, Handball-Deutschland? Ganz einfach: „Kölle Alaaf!“ Fast schon in Sichtweite der närrischen „fünften Jahreszeit“ wollen Bundestrainer Christian Prokop und seine Ballwerfer auch die fast 20.000 Zuschauer fassende Arena in der Domstadt, Handball-erprobt durch das jährlich stattfindende „EHF Final Four“, in Entzücken versetzen. Ungeschlagen aus der Vorrunde gekommen, mit zwei recht unglücklichen Unentschieden und daher einem Punkt weniger als möglich, richten Deutschlands Handballer jetzt bei der WM im eigenen Land den Blick nach vorn. Ab Samstag heißt es: Blick nach vorn, Richtung Halbfinale. Denn nichts Anderes soll es, darf es jetzt mehr sein.
Deutschland hat seine Liebe zum Handball, zu dieser rasanten Sportart, in der es bis zur letzten Sekunde, bis (fast) zum Platzen der Halsschlagader der Fans, um Sieg, Remis oder Niederlage geht, wieder entdeckt. „Der Trainer hat gesagt, in so engen Spielen kann das Publikum der siebte Mann auf der Platt sein“, zitierte Kreisläufer Patrick „Bambam“ Wiencek Christian Prokop, um nach dem 25: 25 Remis gegen Weltmeister Frankreich fort zu fahren: „Heute war die Halle Nr. 12, 13 und 14 auf dem Feld.“ Im Netz werden schon Tickets zu Höchstpreisen gehandelt. Wer kann, der will. Unbedingt. Nach Köln nämlich, wo es ab Samstag „mit Teamgeist und dem Rückenwind durch den Heimvorteil“ (Rückraumspieler Paul Drux) unter die letzten vier dieser WM gehen soll.
Island, Kroatien und Europameister Spanien heißen die Hürden, die noch genommen werden müssen, wenn es auch wirklich ums Edelmetall gehen soll. Die Punkte aus den Spielen der Kontrahenten der Vorrunden-Gruppe A, die ebenfalls die Hauptrunde erreicht haben, werden mitgenommen. Gegen die wieselflinken Isländer (Samstag, 20.30 Uhr), die heißblütigen Kroaten (Montag, 20.30 Uhr) und schließlich gegen den amtierenden Europameister Spanien (Mittwoch 20.30 Uhr) wird es für die DHB-Auswahl, die vor drei Jahren unter einem anderen Bundestrainer und mit einer teilwiese anderen Besetzung als „Bad Boys“ europäischer Titelträger wurde, nur noch Endspiele geben.
Dem deutschen Team fehlt, trotz eines überragenden Uwe Gensheimer auf Linksaußen und am Siebenmeter-Punkt, der alles dominierende Superstar. Kein Karabatic wie in Reihen von Rekord-Weltmeister Frankreich. Kein Welthandballer Mikkel Hansen wie beim Co-Gastgeber Dänemark. Aber „eine Mannschaft, in der jeder seine Rolle hat“, wie Prokop nicht müde wird, zu betonen. Der Bundestrainer mit der jugendlichen Kleist’schen Sturm-und-Drang-Attitüde ist zwar kein Schnurrbart-Träger, aber er könnte, wie weiland Heiner Brand als „Schnorres der Nation“ die Seinen nicht nur zur Medaillenvergabe ins dänische Herning, sondern auch zur Ehrung beim „Sportler des Jahres 2019“ nach Baden-Baden führen.

Bild: picture alliance

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