2020: Der DOSB residiert neben der Brücke des Regenbogens

„Aqua City“ – „Die Stadt des Wassers“: So nennt sich der Konsumtempel inmitten des brodelnden Tokioter Stadtviertels Odaiba, in dem im kommenden Jahr Deutsch gesprochen wird. Vorwiegend zumindest. Und in dem es dann hoffentlich auch Gelegenheit zum Anstoßen und zum Feiern geben wird. In der „Stadt des Wassers“ wird nämlich bei den Olympischen und Paralympischen Spielen 2020 das „Deutsche Haus“ eingerichtet.  
Gelegen auf einer künstlichen Insel, ausgestattet mit einem Atemberaubenden Blick auf die berühmte „Brücke des Regenbogens“, die Rainbow Bridge, werden im „Deutschen Haus“ nicht nur Medaillengewinner, sondern auch viele Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Medienlandschaft erwartet. Das „Deutsche Haus“ will und wird eine Enklave des Willkommen Heißens  im fernen Japan sein. Ein Ort, an dem deutsche Gastfreundschaft gepflegt wird.  
Zwei Monate, von Juli bis September des kommenden Jahres, wird es dort zugehen wie im berühmten Bienenschwarm: Während der Olympischen Spiele vom 24. Juli bis 9. August und dann noch einmal, wenn sich die paralympischen Athletinnen und Athleten vom 26. August bis 6. September messen.
Dieses „Basislager der Willkommenskultur“ ist  gute und gerne gepflegte Tradition. Denn bereits seit 1988 ist das „Deutsche Haus“ der zentrale Treffpunkt des Deutschen Olympischen Sportbundes bei olympischen und paralympischen Wettkämpfen.  Etwa 10.000 Besucher bei Olympia und rund 7000 Gäste während der Paralympics werden im kommenden Jahr dort erwartet.
Seit vielen Jahren ist der DOSB, der Deutsche Olympische Sportbund,  ein gern gesehener Freund und Partner beim Familientreffen des Deutschen Sports zum Jahresende in Baden-Baden. Man muss kein großer Prophet sein, um schon jetzt vorher zu sagen, dass die Top-Sportlerinnen und Sportler des „SDJ“ im kommenden Jahr auch eine ruhmreiche persönliche Vergangenheit im Deutschen Haus des gleichen Jahres haben werden.

 

Copyright: DSM pa, Fotograf: Kenjiro Matsuo

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Dirkules: Der Längste unter den Größten

So gespannt wie noch selten zuvor hatten die 700 festlich gekleideten Gäste im großen Benazét-Saal des Kurhauses von Baden-Baden an diesem Dezember-Abend des Jahres 2011 auf den riesigen Bildschirm der Rückwand geblickt  Und wohl genau selten hatten die ZDF-Verantwortlichen zum gleichen Zeitpunkt „gebibbert“ und gezittert, dass diese „Schalte“ über Tausende von Kilometern hinweg bloß nicht zusammenbrechen würde. Denn schließlich galt es, einen Mann als „Sportler des Jahres“ zu ehren, der – jenseits des „großen Teichs“ - eben auch Großes vollbracht hatte. Etwas, was noch nie einem deutschen Basketballer gelungen war. Meister der amerikanischen Profi-Liga, dem Herzstück dieses Sports schlechthin, zu werden.
Mittlerweile wissen (wir) es alle: Die „Schalte“ klappte und es wurde ein ganz emotionales Gespräch zwischen Katrin Müller-Hohenstein, Rudi Cerne und dem Mann, der diese Woche seinen Abschied vom Profi-Sport, das Ende seiner Karriere verkündet hatte. In seinem „Wohnzimmer“, der Spielstätte der Dallas Mavericks: Dirk Nowitzki, ein Mann von mittlerweile 40 Jahren. Einer, dem nicht nur wegen dieses Titels, wegen zahlreicher „MVP’s“ (most valuable player),  sondern vor allem wegen seiner Aura, seiner menschlichen Größe und der Treue zu seinem ersten und einzigen Verein die Herzen der Basketball-verrückten Amis nur sund zugeflogen waren.
Unglaubliche 21 Jahre hatte „Dirkules“, der ehemals unbedarfte Junge aus „good old Germany“ seinen „Mav’s“ die Treue gehalten. Ihm war vor allem eines gelungen, was ihm ein bis dato unbekanntes Alleinstellungsmerkmal verlieh: Ein Mann zu werden, dessen Karriere auf höchstem Niveau sich ausschließlich in den USA abspielte, der sich aber nie zu schade war, in seiner „Freizeit“ auch das Trikot mit dem Bundesadler bei Welt- und Europameisterschaften an zu ziehen. Jemand, der Respekt und höchstes Ansehen in den USA und in Deutschland, das er mit 19 Jahren verlassen hatte, über zwei Jahrzehnte hinweg für sich in Anspruch nehmen durfte.
Jetzt, wo er weiß, dass „der Körper keine weitere Saison, kein Trainingscamp, keinen Reisestress mehr mitgemacht hätte“, freut er sich auch einmal auf die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens. Auf Dinge, die engem Profi nicht vergönnt waren: „Mal eine Pizza oder ein Eis zum Frühstück. Und einfach mal nicht funktionieren zu müssen.“ Dirk Nowitzki hat sich in 20 Jahren seinen Platz in der Ahnengalerie der größten deutschen Sportler neben neben Becker, Beckenbauer, Schumacher und wie sie alle heißen, gesichert. Der Längste unter den Größten ist er mit 2,13 Metern sowieso.

Bild: picture alliance

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Felix „Der Glückliche“ macht Halt

Irgendwie müssen Mama Rosi und Papa Christian vor bald 35 Jahren bei der Wahl des Vornamens für ihren damals noch ungeboren Ältesten eine Vorahnung gehabt haben: Felix, zu Deutsch „Der Glückliche“, nannten sie den Buben, der – Stammhalter der Neureuthers von der Winklmoosalm (bei Reit im Winkl) nicht nur das Talent der Eltern auf den alpinen Brettern erbte, sondern auch einen gewaltigen Rucksack in Form des Nachnamens mit auf seine ersten dreieinhalb Lebens-Jahrzehnte bekam.

Wie das so ist bei Töchtern und Söhnen erfolgreicher Eltern. Ob sie nun Schumacher, Beckenbauer oder Neureuther heißen: Der Vergleich mit den Meriten der Vorgänger-Generation, möge er auch noch so sehr hinken, läuft den Erben oft als unverschuldetes Menetekel voraus. Der Name kann oft mehr Ballast als Besitz bedeuten. Doch es geht auch anders rum. Als der Ski-Rennfahrer Felix Neureuther am Sonntag in Andorra zum letzten Mal hinter der Ziellinie eines steilen Slalom-Hangs abschwang, seine Konkurrenten und Kollegen Champagner spritzend auf ihn zu rannten, da wurde bei einem Blick in dessen von Emotionen übermannten Gesichtszüge deutlich: wie anders hätte man diesen Mann vor dreieinhalb Jahrzehnten nennen können, als „den Glücklichen“. Felix halt.

Und doch wird diesen Felix Neureuther, der sich am Sonntag mit den Worten „Bis bald. Ich werd‘ sicher weiter was mit Ski fahren machen“ verabschiedete, ein ewiges Mysterium umgeben: Wie schafft es einer, der zwar in Kitzbühel siegte, Medaillen gewann, aber nie Weltmeister oder Olympiasieger wurde, zu einem der bekanntesten und beliebtesten Vertreter seines Sports zu werden? In 16 Jahren Karriere. Nein, Neureuther war nicht nur das „Gesicht seines“ Sports, des alpinen Ski-Rennfahrens. Kaum einer, der sich auch nur ein bisschen mit dem Sport beschäftigt, der mit seinem Namen nichts anfangen könnte. Warum? Weil er weit mehr war als nur einer, der im Grenzbereich nach Perfektion suchte: Mensch, Sympathie-Träger, offen im Umgang, ob nach Sieg oder Niederlage. Kein „Grantler“ oder „G’spinnerter“, wie man in seiner oberbayerischen Heimat zu sagen pflegt.

Felix war einer mit dem man litt, wenn er mal wieder verletzt war und mit dem man sich überschwänglich freute. Mit dem Gefühle teilen konnte und wollte. So wie vor mittlerweile neun Jahren als er in „Kitz“ – von Papa Christian, der dort 31 Jahre zuvor gewonnen hatte, umarmt - den Sieg am legendären Ganslern-Hang feierte. Ein Rennen, ein Ergebnis, ein Tag, an dem er symbolisch auch den schweren Rucksack mit dem scheinbar erdrückenden Namen Neureuther endlich in den Schnee warf.

Neben einem Titel zwischen den Slalomstangen blieb ihm auch der große Triumph auf der Bühne beim „Sportler des Jahres“ versagt. Was nur bedingt etwas über seine Karriere, aber rein gar nichts über den Typen, den manchmal rotzfrechen und lustigen, erfrischenden, dann wieder impulsiven und nachdenklichen, aber immer gradaus seinen Standpunkt und seine Meinung vertretenden Sohn von Rosi Mittermaier (1976 zur „Sportlerin des Jahres“ gewählt) und Christian Neureuther aussagt. Aber auch da ist ja das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Dezember kommt ja erst.

In diesem Jahr. Für rund 700 Gäste. Und vielleicht auch für Felix. Den Glücklichen.

Bild: picture alliance

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Sieben WM-Medaillen beim Biathlon

Wenn irgendwo zum Ende eines Ski-Winters junge Frauen und Männer, angefeuert und begeistert gefeiert von Tausenden bunt gekleideter und gut gelaunter Fans;  mit umgeschnallten Gewehren auf dem Rücken durch die Loipen fegen, dann ist es mittlerweile schon Tradition, dass die schwarz-rot-goldene Fraktion da ein gewichtiges Wörtchen bei der Medaillen-Vergabe mit zu reden hat.  Egal wann und wo.

Fassen wir die „Herren der Schöpfung“ von Peter Angerer in den 1980er Jahren bis hin zu den Lessers, Peiffers und Dolls dieser Tage einmal en gros zusammen und gewähren den Damen den ihnen gebührenden Aufmerksamkeits-Respekt, so erweist sich: Deutsche Biathletinnen waren (fast) immer diejenigen, die  auf dem rutschigen  Laufsteg zwischen Starthaus, Schießanlage und Ziellinie die berührendsten Geschichten schrieben.

Was mit der Generation Uschi Disl, Andrea Henkel, Kati Wilhelm begann, setzte sich fort über Ausnahme-Erscheinungen wie Magdalena Neuner, Laura Dahlmeier bis zu Denise Herrmann. Die ehemalige Langläuferin, erst seit drei Jahren geschult im Umgang mit der Waffe, war die – so der etwas verstaubt und abgenutzte Begriff – deutsche „Biathlon-Königin“ der am Wochenende im schwedischen Östersund zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften. Gold in der Verfolgung, Silber in der Mixed-Staffel und noch einmal Bronze im Schnee-Chaos des Massenstarts: Die 30-Jährige durfte sich zum Abschied einen ganzen Medaillensatz um den Hals hängen. „Ich bin froh, dass mir so eine tolle WM gelungen ist. Da bin ich richtig stolz drauf“, bilanzierte Herrmann.

Sieben Medaillen in 12 Rennen gab es für die deutschen Skijägerinnen und Skijäger. Und mit dem derzeit bei den Herren dominierenden „Flachland-Athleten“ Arnd Peiffer aus Wolfenbüttel wurde immerhin ein zweiter deutscher Athlet einer der Champions von Östersund:  Gold in der Verfolgung, zweimal Silber mit den Teams: das war alles andere als „Harzer Käse“, was Peiffer und mit ihm die deutschen Damen und Herren zum Ende einer strapaziösen Saison im skandinavischen Schneetreiben noch einmal ablieferten.

Wie schon so oft, legten die „Fernseh-Lieblinge“ (keine andere Wintersportart ist so telegen) damit auch den Grundstein für einen Besuch Ende des Jahres in Baden-Baden. Beim „Sportler des Jahres“  tauschen sie – dann aber mit „Klunkern statt Knarre“ um den Hals oder am Handgelenk  – die Loipe mit dem Parkett. Wie immer  garantiert ohne Schneetreiben. Und das Erreichen der (zeitlichen) Ziellinie spielt dann auch keine Rolle mehr. So wie es die Sportlerinnen des Jahres Disl, Wilhelm, Neuner, Dahlmeier und bei den Herren Michael Greis immer wieder gerne vorgemacht haben.

Bild: picture alliance

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