DTB: Planungen für den Herbst

Kunstturnen in Corona-Zeiten – das ist ein gefühlter Alptraum. Weder normales Training in den Hallen noch Wettkämpfe. „Umso mehr wünsche ich mir, dass der Sport nach der Krise die Menschen wieder begeistern und in ihren Bann ziehen kann“, blickt DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl nach vorne. Für den 51-Jährigen wichtig, dass sein Verband, der zweitgrößte in Deutschland, die Digitalisierung beschleunigen und etablieren konnte.

Wie hat sich der Verband durch die Corona-Krise verändert? Gibt es Erfahrungen, die man aus den Entwicklungen und Erlebnissen nutzen kann?
Dr. Hölzl: Die Corona-Krise ist eine Herausforderung, die wir bisher recht gut gemeistert haben. Der DTB hatte bereits im Vorfeld die Digitalisierung als eines der wichtigsten strategischen Ziele deklariert und entsprechend gehandelt. Dies kam uns nun im Zuge der Umstellung der Arbeitsweisen sehr zugute. Die Mitarbeitenden arbeiten weitestgehend problemlos und effektiv mobil von Zuhause. Gremiensitzungen und Tagungen werden selbstverständlich online abgehalten. Nun arbeiten wir daran, Bildungsangebote und auch Bewegungsangebote oder Wettkampfformate in neuer digitaler Form in unserem Verband zu etablieren. Die Krise hat diese vorhandene Entwicklung im DTB deutlich beschleunigt.
Bleiben alle Kader-Athlet*innen, die von der Olympia-Verschiebung betroffen sind, bei der Stange?
Dr. Hölzl:  Bisher sind keinerlei Ausstiege von Athletinnen oder Athleten mitgeteilt worden. Sicherlich bedeutet dies für den ein oder anderen, dass die Karriere nun um ein Jahr verlängert wird.
Fix ist, dass die Wahl „Sportler des Jahres“ unter den Sportjournalisten auch 2020 durchgeführt wird. Auch wenn das Sportjahr Anfang März abrupt endete, glauben Sie dennoch, dass sich „geeignete“ Anwärter auf die Titel finden werden?
Dr. Hölzl: Natürlich lassen sich geeignet Kandidaten ermitteln, denn es wurden ja trotzdem bereits herausragende sportliche Leistungen erbracht oder werden noch im Laufe des Jahres erbracht.
Wird der Sport „danach“ womöglich generell ein anderer sein?
Dr. Hölzl: Man wird abwarten müssen, was die Zeit mit sich bringt. Ich persönlich wünsche mir sehr, dass der Sport aber auch die anderen gesellschaftlichen Bereiche nach der Krise wieder genauso die Menschen begeistern und in ihren Bann ziehen, wie bisher.
Nachdem der Fußball wieder rollt und die UCI einen prallvollen Rad-Herbst-Kalender präsentiert, die Frage ob Ihr Verband ebenso in Vorausplanungen für einen „heißen Herbst“ ist?
Dr. Hölzl: Natürlich haben wir Vorausplanungen, die nach der Sommerpause bzw. im Herbst anlaufen sollen, im Blick. Ob das damit ein „heißer Herbst“ wird, ist noch nicht abzuschätzen, aber wir hätten nichts dagegen.

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Schwimmer planen „Wassersport­festival“

„Wenn Lebensträume zu platzen drohen“, so beschreibt DSV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen (58) die Auswirkungen der Krise für deutschen Schwimmer. Gleichzeitig bestätigt er, „dass alle Athleten für Tokio 2021 an Bord bleiben.“ Für die aktuelle Saison aber sieht er „die Ziele davonlaufen.“ Deshalb arbeitet der Verband an der Ausrichtung eines „Wassersportfestivals“ im letzten Quartal des Jahres 2020. „Wir wollen alle Facetten unseres schönen Sports innerhalb einer Woche an einem repräsentativen Standort präsentieren“, so der Plan.

Wie hat sich der Verband durch die Corona-Krise verändert? Gibt es Erfahrungen, die man aus den Entwicklungen und Erlebnissen nutzen kann?
Thomas Kurschilgen: Zwei Aspekte sind mir wichtig. Erstens: Wir haben im März des Jahres eine Digitaloffensive mit unseren Landesverbänden, Gremien und hauptberuflichen Mitarbeitern gestartet und einen Leitfaden zur digitalen Kommunikation entwickelt. Dieses Instrument werden wir auch in Zukunft beibehalten: weniger Reisen, mehr Kommunikation und mehr Effizienz in einem großen Verband. Wir merken, wie die Menschen fasziniert sind von dem, was online alles möglich ist. Zweitens: Unser Verband und unsere Mitglieder haben sich in dieser schwierigen Zeit in besonderer Weise als solidarische Gemeinschaft verhalten und in einem dynamischen Prozess, bei dem täglich schwierige Entscheidungen anstehen, im Konsens gezeigt. Das sollte auch in Zukunft so bleiben.


Bleiben alle Kader-Athlet*innen, die von der Olympia-Verschiebung betroffen sind, bei der Stange? Thomas Kurschilgen: Wenn alle gewissenhaft erstellten Planungen und langjährigen Vorbereitungen plötzlich nichts mehr wert sind, ist das eine sehr schwierige Situation für Leistungssportler. Lebensträume drohen zu platzen. Umso bemerkenswerter, dass alle Athleten*innen an Bord bleiben. Das hat meinen großen Respekt und zeigt mentale Stärke.
Fix ist, dass die Wahl „Sportler des  Jahres“  unter  den  Sportjournalisten  auch  2020  durchgeführt wird. Auch wenn das  Sportjahr  Anfang  März  abrupt  endete,  glauben  Sie dennoch, dass sich „geeignete“ Anwärter auf die Titel finden werden?
Thomas Kurschilgen: Ich denke ein wenig mit Wehmut an die Wahl 2019  zurück.  Als  ehemaliger Leichtathlet hat mich die Wahl von Niklas Kaul und Malaika Mihambo mit ihren phantastischen Leistungen und würdige Vertreter des Spitzensports sehr gefreut. Als Verantwortlicher im DSV hätte ich mir gewünscht, dass das historische Ereignis, die beiden Weltmeistertitel von Florian Wellbrock über 1500m und im Freiwasser, ihm  den  Weg  aufs  Podium ermöglicht hätten. Die Wahl eines Sportlers des Jahres mit einem vermutlichen sehr kurzen Bewertungszeitraum von drei Monaten halte ich für kritisch.

Wird der Sport „danach“ womöglich generell ein anderer sein?
Thomas Kurschilgen: Der Verlauf der Coronavirus-Pandemie ist nicht abzusehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Sport ein ganz anderer. Im Schwimmsport ist für viele Menschen noch kein Zugang zu den Sportstätten möglich. Im Leistungssport habe ich Bedenken, dass sich die Vorbereitungen auf einen internationalen Meisterschaftshöhepunkt so wie in den Jahren zuvor gestalten lassen. Insgesamt wird das Leben nach Corona ein anderes sein, wir werden die Globalisierung – auch im Sport– neu austarieren müssen. National als auch international ist mehr Solidarität und gemeinsames Denken gefordert.

Nachdem der Fußball wieder rollt und die UCI einen prallvollen Rad-Herbst-Kalender präsentiert, die Frage ob Ihr Verband ebenso in Vorausplanungen für einen „heißen Herbst“ ist?
Thomas Kurschilgen: Zunächst einmal gilt es nach wie vor angemessen sorgsam und verantwortlich mit der aktuellen Situation umzugehen. Dennoch: Sport ist ein sozial- integrativer Bereich, mit gemeinsamem Training, Lehrgängen, Trainingslagern und Wettkämpfen. Den Athleten laufen gerade ihre Ziele davon. Es ist daher wichtig, eine Zielperspektive zu erarbeiten. Wir werden in den nächsten Tagen mit unseren verantwortlichen Bundestrainern, den Abteilungen und unserer Agentur Rough Water& GmbH zusammenkommen, um ein Konzept eines Wassersportfestivals für das letzte Quartal des Jahres zu diskutieren. Wir wollen alle Facetten unserer schönen Sportart innerhalb einer Woche an einem repräsentativen Standort vereinigen und den Athleten*innen im Wettkampf und darüber hinaus die Möglichkeit bieten sich zu präsentieren.

Bild: picture alliance

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Leucht­turm-Veran­staltung mit Sportlern

Baden-Baden ist das „Zuhause“ der Gala Sportler des Jahres: im Kurort an der Oos erlebten die Gäste bemerkenswerte Auszeichnungen mit außergewöhnlichen Protagonisten. Das Datum für das diesjährige Treffen steht: 20. Dezember – die aktuelle Corona-Lage aber dürfte manche Anpassung erforderlich machen. Mit daran arbeitet die Baden-Baden Event GmbH, deren Geschäftsführerin Nora Waggershauser den Status Quo im Kurhaus erläutert und auf eine
„Leuchtturm-Veranstaltung mit Sportlern“ hofft.

Wie wurde Ihre Arbeit durch die Corona-Krise tangiert? Wie ist der Status Quo bei der Baden-Baden Events GmbH? Und welche Erfahrungen konnten Sie bisher aus den Entwicklungen und Erlebnissen ziehen?
Nora Waggershauser: Durch den COVID- 19 Virus mussten wir unsere geplanten kulturellen Veranstaltungen quasi von heute auf morgen absagen. Wir waren gerade mitten in unserem 3- tägigen Mr. M‘s Jazzfestival, als der sogenannte Shutdown einsetzte. Wir hatten einen wunderschönen Eröffnungsabend mit einer sehr besonderen Stimmung im Publikum. Es war fast so, als würden die Menschen schon spüren, was auf uns alle zukommt und genossen daher umso mehr dieses Konzert. Für den 2. Festivalabend haben wir uns dann sehr kurzfristig entschlossen, das Konzert ohne Publikum stattfinden zu lassen und einen Livestream zu ermöglichen. Es war eine besondere Erfahrung - unser erstes Geisterkonzert.
Dieser Abend war ein großer Erfolg. Er hat uns angetrieben, weitere kleine Livestreams aus dem Kurhaus anzubieten. Einige Wochen hatte unsere Veranstaltungslocation zunächst komplett geschlossen, aber seit drei Wochen dürfen wir unter strengen Auflagen dort mit wenigen Personen richtig tolle Abende in die Wohnzimmer nach Hause bringen.
Wir streamen Kabaretts, Konzerte aber auch ein Kinderprogramm unter dem Motto „kultur baden“. In Baden-Baden badet man eben nicht nur in den Thermen oder neuerdings im Wald – sondern auch in Kultur und das tolle Feedback motiviert uns und unsere Künstler. Wir erreichen so viele Menschen, welche sich daran erfreuen, auf diese Weise etwas Kultur zu erleben – das finde ich gerade in der Zeit der wenigen persönlichen Kontakte sehr wichtig.

Wie  sehen  Sie  im  Moment  die  Situation  im   Bezug   auf   Veranstaltungen   im   Kurhaus?
Nora Waggershauser: Auch wenn es noch sehr lange dauern wird, bis wir wieder Formate wie unsere hochkarätigen Tanzveranstaltungen und große Open-Airs durchführen können, so freuen wir uns mit der gesamten Branche über die sich derzeitig ergebenden Perspektiven und Lockerungen in den Verordnungen.
Wir sind weiterhin kreativ, arbeiten an Schutzkonzepten und freuen uns schon auf die ersten kleinen Live-Erlebnisse, welche hoffentlich bald wieder im Kurhaus stattfinden können.

Nach Absprache mit den wichtigsten Partnern sollen Wahl und Auszeichnung „Sportler des Jahres“ am 20. Dezember in Baden-Baden stattfinden. Wahrscheinlich mit geänderten Rahmenbedingungen. Blicken Sie als Ausrichter bitte einmal nach vorne.
Nora Waggershauser: Wir sind sofort dabei und unsere volle Unterstützung ist dieser Veranstaltung mit und für die Sportler sicher. Auf jeden Fall wird es andere Konzepte benötigen – jedoch werden solche Abende nach dieser langen sozialen Abstinenz umso wichtiger. Der Sport und somit die Sportler selbst werden sicher mit anderen Rahmenbedingungen gut zurechtkommen, sie sind erprobt und kennen bestens „das immer weiter machen“ auch unter veränderten Bedingungen. Wir sind uns sicher, dass die „Sportler des Jahres“-Gala in Baden-Baden im Dezember wieder eine Leuchtturm- Veranstaltung sein wird – wir sind stolz darauf, daran mitarbeiten zu dürfen.

Ob der Sport „danach“ womöglich generell ein anderer ist, wird man sehen – aber wie sehen Sie die Zukunft für den Bereich Konzerte/Kongresse/Messen?
Nora Waggershauser: Die Digitalisierung hat nun nochmals volle Fahrt aufgenommen und katapultiert uns hin zu Homeoffice-Lösungen und Videokonferenzen. Es wird über Hybrid-Veranstaltungen   diskutiert   bis   hin   zu   komplett    digitalen    Kongressen.  Wir sind uns bewusst, dass dies auch ein Stück weit so bleiben wird, da diese Lösungen sehr gut funktionieren.
Baden-Baden ist jedoch ein Ort, wo ein Zusammenkommen hoch attraktiv ist – wir haben also beste Voraussetzungen, dass dies künftig auch wieder so sein wird. Die Sehnsucht nach dem guten Leben in unserer einzigartigen Stadt ist groß – und diese kann man nur physisch erleben. Dass sie der Gesundheit weiterhin guttut, ist die ideale Ergänzung.

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Ruder-Champion Zeidler: Fußballstart ist falsch

Im Dezember wurde Oliver Zeidler von einem Gremium aus aktiven und ehemaligen Top-Sportlern zum „Newcomer des Jahres“ gewählt. Eine Anerkennung für sein historisches Gold-Rennen im Einer bei der Weltmeisterschaft. Der ehemalige Schwimmer, der erst vor drei Jahren ins Ruderboot stieg, war bereit für die Olympischen Spiele in Tokio - und knackt nun im Keller auf dem Ruder- Ergometer Weltrekorde. Klare Worte findet der 23-Jährige zum Re-Start der Fußball-Bundesliga („das ist ohne Wenn und Aber falsch“). Für seinen Sport hofft er auf den Herbst.

Der Weltmeister und „Newcomer des Jahres“ schien auf der absoluten Überholspur. Was war  Dein allererster Reflex, als Tokio final abgesagt wurde?
Oliver Zeidler (Olli): Ich saß zu dem Zeitpunkt beim Mittagessen und in meiner Hosentasche hat das Handy nicht mehr aufgehört zu vibrieren, wegen der  ganzen  Nachrichten  „Hast  du  es  schon mitbekommen?“ „Wie geht’s  dir  damit?“  „Tokio  ist  verschoben“  …  Als  ich  das  dann  auf dem Bildschirm gesehen habe, war ich erstmal geschockt, da  ich nicht erwartet hatte, dass  die Spiele tatsächlich innerhalb weniger Tage verschoben  werden.  Vor  allem,  da  das  IOC  zuvor noch überzeugt kommuniziert hatte, dass die Spiele wie geplant stattfinden. Ich bin erstmal in ein kleines Loch gefallen, da mein Traum gerade geplatzt war.
Beschreibe bitte die Zeitspanne von diesem Tag X bis zur Rückkehr ins einigermaßen normale Training. Hattest Du z.B. einen eigenen Fitnessraum zuhause?
Olli: Als die Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten sind und Olympia noch nicht verschoben war, habe ich erstmal viel Zeit investiert, um Mails an die Verwaltungen und Regierung zu schreiben. Schließlich bin ich in meinem Einer ja weit genug weg von anderen Personen, betätige mich sportlich an der Luft und bin durch meinen Vater als Trainer auch nur mit Personen aus dem eigenen Haushalt in Kontakt. Durch diese Argumentationspunkte, die alle samt offiziell erlaubt  sind, bekam ich auch wenige Tagen danach eine Sondergenehmigung und konnte mein Training im Boot fortsetzten. Lediglich der Kraftraum war bis zum 11.05.2020 gesperrt. Daher habe ich mir alle Hantelscheiben zuhause zusammengesucht und mit vielen Wiederholungen ein bisschen
im Garten Kraft trainiert, was natürlich deutlich weniger professionell und effektiv als im Gym war.
Wie funktioniert das Training im Moment – was ist nicht möglich?
Olli: Wie bereits beschreiben war ich da sehr zielstrebig bei der Suche nach Lösungen und konnte letztlich mein Training relativ normal fortsetzten. Was mir wirklich fehlt, sind die Regatten, das Kräftemessen mit anderen…

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