Die ECM: Klettern dahoam und viel, viel mehr

Klettern? Im Fernsehen? Live? Auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal? Echt  jetzt? Klar doch. Warum auch nicht. Die Boulder-Artisten an der Wand zwischen Himmel und Erde sind nur eine von vielen Sportarten, die ihre ansonsten um diese Zeit größtenteils unter dem ÖR-Deckmantel verschwiegenen Künste ausüben, weil sie von König Fußball in der Flimmerkiste plattgedrückt werden. Ab Mitte dieser Woche aber haben sie eine Bühne. Endlich. Denn die European Championships Munich, kurz ECM, vereinigen insgesamt neun Sportarten. Sogar die sogenannte olympische Kernsportart, die Leichtathletik, ist bei dieser Flut von Europameisterschaften mit dabei. Und mittendrin.

Bleiben wir mal bei den Kletterern. Die ermitteln am Rand der Alpen zum dritten Mal ihre Europameister. Was nicht bedeutet, dass sie dort den Watzmann hinaufkraxeln sollen. Nein, bouldern ist Trend, soll wie so viele andere Sportarten vom 11. bis 18. August in der Weltstadt mit Herz eine Heimstatt finden. Es sind die Zweiten ihrer Art, neun Europameisterschaften auf einen Schlag.

Unter dem großen Zeltdach, dort wo fünf Fackelläufer aus ebenso vielen Kontinenten vor einem halben Jahrhundert die letzten Meter zur noch nicht entzündeten Flamme zurücklegten, werden die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten vom Nordkap bis an die Algarve gesucht. München als Revanche für Eugene? A bisserl mehr soll’s schon werden in der bayerischen Landeshauptstadt als nur Bronze für die Staffel-Mädels und die „ewige Weitsprung-Siegerin“ Malaika Mihambo.

Aber da sind ja noch viel mehr als nur die Läufer, Springer und Werfer des DLV: Welche eine Idee, sie zu ihren kontinentalen Titelkämpfen zu versammeln. Alles auf einmal. Wenn auch – natürlich – an verschiedenen Wettkampfstätten: Beachvolleyball, Kanu-Rennsport, Klettern, Leichtathletik, Radsport, Rudern, Tischtennis, Triathlon und Turnen. Es ist die größte gemeinsame Sportveranstaltung in Deutschland, 50 Jahre nachdem Hans-Joachim „Blacky“ Fuchsberger mit seiner unnachahmlichen Stimme die vielbeschworene Jugend der Welt in Sendling, Laim und Schwabing willkommen geheißen hatte.

Wie schon 2018 berichten ARD und ZDF Tag für Tag mehrere Stunden live von den Schauplätzen. Entweder im Fernsehen oder auf den diversen Online-Plattformen der Sender als Stream. Und wem das noch nicht genügt, der kann sich die Allerbesten der Besten am 18. Dezember noch einmal zu Gemüte führen. Dann nämlich werden sie – Wetten dass? – bei der Gala zum „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden auf dem Roten Teppich statt auf dem Mittleren Ring flanieren. Zunächst aber: Schau’n mer mal!

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Goldenes Wasserspiel im Eiskanal

„Was 2021 alles passiert ist“, blickt Ricarda Funk manchmal auf ein „Jahr der Jahre“ zurück: Olympiasieg in Tokio, Platz 3 bei der Wahl „Sportlerin des Jahres“. Aber in gleichem Maß geht es für die 30-Jährige weiter. Auf dem Augsburger Eiskanal konnte sie ihren WM-Titel im Kanuslalom verteidigen und sich hinterher der Gefühle kaum erwehren. Vor ihrer Familie, unzähligen Fans am Rande der legendären Strecke also ein nächstes Highlight ins Wasser gezaubert. „Ich war im Flow, im Tunnel“ gestand Ricarda hinterher – nachdem sie 1,31 Sekunden schneller als Dauerrivalin Fox das Ziel erreicht hatte.

In Baden-Baden stand die Ausnahme-Sportlerin neben Malaika Mihambo und Aline Rotter-Focken auf der Bühne des Kurhauses. Jetzt kämpfte sie sich solo durch das wilde Element der zunächst von Niedrigwasser bedrohten Weltmeisterschaften. Und beherrschte einmal mehr das schäumende Nass. „Es ist ein Spiel mit dem Wasser“ lautet ihre Beschreibung einer faszinierenden Sportart. Die laut Ricarda Funk zwar immer noch am Rande steht – aber in Oberschwaben sorgten die Zuschauer für Gänsehaut-Stimmung. Auch weil das deutsche Team gleich sieben Medaillen „fischte“. Andrea Herzog und Sideris Tasiadis gewannen Gold im Canadier – und Ricarda Funk posierte hinterher mit IOC-Präsident Thomas Bach. Ihr „Dankschreiben“ aber richtet Frau Oberfeldwebel direkt an die Bundeswehr. Ohne die Sportförderung würde sie heute da nicht stehen.

Und so könnte es weitergehen. Ricarda Funks nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Richtige Games mit vielen Zuschauern, dem Austausch mit anderen Athleten. Das wäre ein prickelndes Feeling. Nahe der Hauptstadt entsteht dort ein regelrechtes „Stade D’Eau“ (Wasserstadion), in der Nachbarschaft von Disneyland – als Herzstücks des Freizeitparks Ile de Loisirs.   

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Wembley – Baden-Baden?

Finale verloren, an Prestige gewonnen. Im neunten EM-Endspiel mussten sich die MVT-Girls den Engländerinnen knapp mit 1:2 geschlagen geben. Bis in die Verlängerung hatten die DFB-Frauen kräftezehrend die ‚Lionesses’ in Zaum gehalten. Die Entscheidung fiel in der 110. Minute nach einem Eckball.

Doch was für ein Turnier für die Fußball-Frauen. Über dreieinhalb Wochen beschäftigte sich Deutschland mit dem einstigen Stiefkind. Gab es zu Beginn noch die Berichte über die schwierigen Anfänge der Kickerinnen um beispielsweise Bärbel Wohlleben in den 1970er Jahren, setzte das aktuelle Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg – eher unerwartet – beim Turnier in England eine Top-Marke nach der anderen. Nach Pandemie, Turnierverschiebung, Verletzungen und schlussendlich noch Corona-Ausfällen, zauberten sich die Frauen um Kapitänin und Torschützenkönigin Alexandra Popp ins Wembley-Stadion. Noch nie hatte Frauenfußball so viel Sendezeit, noch nie so viele Zuschauer.

Auch wenn `Poppi` im Finale fehlte und der allerletzte Coup verwehrt blieb – seit Beginn der ‚neuen’ Zeitrechnung im Frauenfußball (zweigleisige Bundesliga ab 1990) gab es keinen größeren Medienhype. Den gilt es jetzt zu nutzen. So möchte Bundeskanzler Olaf Scholz mit DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff über mehr „finanzielle Gleichstellung“ reden. Auch wenn es heute keine Kaffeeservice mehr als Leistungsprämien gibt, bleibt die Diskrepanz doch erheblich. Zweimal übrigens konnten sich die DFB-Kickerinnen schon über den Titel „Mannschaft des Jahres“ freuen (2003 & 2009). Die Fachpresse wählte das Team bereits nach dem Gewinn der allerersten EM 1989 auf Platz 3. Insgesamt präsentierten sich die Fußballerinnen neunmal (!) auf der Kurhausbühne von Baden-Baden.

Bild: picture alliance

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„Newcomerin des Jahres 2021“ bleibt auf Erfolgskurs

Der Siegeszug von Annett Kaufmann geht weiter: Die kürzlich 16 Jahre alt gewordene Bietigheimerin, die als Nummer 2 für den SV Böblingen in der Frauen-Bundesliga spielt, war im Dezember 2021 in Baden-Baden als „Newcomerin des Jahres“ ausgezeichnet worden. Mit diesem Preis der „Sieger-Chance“, die Zusatz-Lotterie der Glücksspirale, wurde im Kurhaus Baden-Baden im Rahmen der Ehrungen der „Sportler des Jahres“ die überragende Saison der größten Nachwuchshoffnung des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) honoriert.

Doch mit ihren Erfolgen des vergangenen Jahres – dreimal Gold bei der Jugend-EM in Kroatien, Team-Europameisterin mit den deutschen Damen in Rumänien und jüngste Titelträgerin der Geschichte im Einzel bei der U21-EM in Belgien – gibt sich die Schülerin des Ellental-Gymnasiums Bietigheim-Bissingen offensichtlich nicht zufrieden. Das „Golden Girl“ ist auf europäischer Nachwuchsebene im Einzel nicht zu schlagen und sicherte sich im Juli bei den 64. Jugend-Europameisterschaften in Belgrad (Serbien) nun auch in ihrem ersten Jugendjahr auf Anhieb die Konkurrenz der Altersklasse U19. Im Endspiel besiegte die Linkshänderin nach verlorenem erstem Durchgang die Französin Charlotte Lutz mit einer Leistungssteigerung von Satz zu Satz mit 8:11, 11:9, 11:8, 11:3 und 11:6 und fiel spontan Bundestrainerin Lara Broich vor Freude um den Hals.

„Ich finde gar keine Worte und bin einfach nur total überwältigt und super glücklich, dass nun auch noch dieser Titel zu meiner Sammlung gehört. Es war ein sehr gutes Niveau von beiden Spielerinnen, und das ganze Match über blieb es für mich sehr knifflig und immer total schwierig. Ich habe irgendwie nie das Gefühl bekommen: So, ab jetzt ist es easy. Aus meiner Sicht war vor allem der Gewinn des dritten Satz vorentscheidend, denn dadurch habe ich mir noch einmal eine Portion mehr an Selbstvertrauen für den Gewinn des vierten Durchgangs und den Rest des Spiels geholt. Ich bin jetzt einfach nur super happy, dass ich Europameisterin bin!“

Am Tag zuvor hatte sich Annett Kaufmann, die im Alter von viereinhalb Jahren im Rahmen des Sommerferienprogramms in Bietigheim mit dem Tischtennis begann, an der Seite des Rumänen Iulian Chirita im Mixed ebenfalls die Goldmedaille gewonnen. Die Schülerin stammt aus einer sehr sportlichen Familie: Ihr Vater Andrej war Eishockey-Spieler, Mutter Anna Skirennläuferin, und die ältere Schwester Alexandra (20) spielt in der Dritten Liga für den VfL Sindelfingen ebenfalls Tischtennis.

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