Die Wahl 2023

Die Wahl 2023

„Mannschaft des Jahres 2023“: Basketball-Nationalmannschaft

Das „Wunder von Manila“ und Nowitzkis Erben

Wer in Deutschland an Basketball denkt, zumindest den hochklassigen, auf allerhöchstem Niveau, dem fällt sofort Dirk Nowitzki ein. Zumindest war das bis zum September dieses Jahres so. Denn da setzte bei den Weltmeisterschaften in Japan, Indonesien und auf den Philippinen das kaum für möglich gehaltene „Spätsommermärchen unter den Körben“ ein. Die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes spielte sich im Lauf des Turniers nicht nur in einen wirklichen Rausch: In einem denkwürdigen Halbfinale besiegte sie „Abonnements-Champion“ USA, immerhin amtierender Olympiasieger, in einem dramatischen und hochklassigen Match mit 113:111!

Das Team, angeführt von ihrem Denker und Lenker Dennis Schröder vom NBA-Club Toronto Raptors, einem gebürtigen Braunschweiger, machte im Finale zudem den berühmten „Deckel drauf“. Von der Heimat lange nur in wenigen telegenen Schnipseln bemerkt und erst nach dem Einzug unter die letzten Vier nicht nur von der Hardcore-Fans wahrgenommen, krönten sich die Korbjäger in Schwarz-Rot-Gold selbst. Die Auswahl von Headcoach Gordon Herbert wurde zum ersten Mal überhaupt Weltmeister in dieser Mannschaftssportart, die hierzulande nicht nur hinter König Fußball, sondern oft genug auch hinter den Handballern und den Eishockey-Cracks fast schon ein Schatten-Dasein führte.

Das entscheidende 83:77 gegen die Serben setzte nicht nur ein Ausrufezeichen par excellence, es führte auch zu einem Boom an den Schulen und in den Vereinen. Jeder, oder zumindest fast jeder der „Kids“ wollte auf einmal im wahrsten Sinne des Wortes zumindest zum Korb ziehen, von außen treffen, beim Fastbreak allen davonstürmen. Nur zum viel beschriebenen spektakulären Dunking reicht es vielen aufgrund der fehlenden Zentimeter noch nicht ganz.

Mit dem Finalsieg am 10. September 2023 gegen das Team von Ex-Bundestrainer Svetislav Pesic – er war mit Deutschland 1993 Europameister im eigenen Land geworden – schaffte das DBB-Team eine der größten Sensationen der deutschen Sportgeschichte. Schröder (28 Punkte) und der angriffslustige, neue Jungstar Franz Wagner (19) waren in der Hitze von Manila zwar die erfolgreichsten deutschen Endspiel-Schützen, aber auch sie bilden, wie alle immer wieder betonten, nur einen Teil des Teams, das in Asien zu einer Einheit wurde und sich nun zurecht als die erfolgreiche Generation von „Nowitzkis Enkeln und Erben“ bezeichnen darf.

Kein Wunder also, dass auch die erstmals zum Voting aufgerufenen Sportlerinnen und Sportler sowie die Sportjournalisten diese tolle Truppe zur „Mannschaft des Jahres“ 2023 wählten. Der zweite Titel für die „langen Jungs“ nach 2005.

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„Sportler des Jahres 2023“: Lukas Dauser

Langes Tief – dann kam die Krönung: Weltmeister

Am 8. Oktober erklomm Lukas Dauser die oberste Stufe des Turn-Olymps. Im Sportpaleis von Antwerpen krönte sich der 30-Jährige zum Weltmeister am Barren. Nach seinem gelungenen Abgang schrie er seine Freude heraus und jubelte ausgelassen. Den letzten deutschen WM-Titel an diesem Gerät hatte 1985 der Cottbusser Sylvio Kroll in Montreal/Kanada geholt.

Erst Anfang August war „Luki“ wieder voll ins Training eingestiegen – ein langwieriger Muskelbündelriss an der Schulter hatte den Stabsunteroffizier monatelang behindert, so dass er nicht richtig trainieren konnte. Deshalb war er gezwungen, die Europameisterschaften im April in der Türkei und die „Deutschen“ im Juli in Düsseldorf abzusagen.

Der für den TSV Unterhaching startende gebürtige Ebersberger trainiert seit 2020 in Halle/Saale. Beim Siegerinterview „störte“ sein Freund Fabian Hambüchen – er gewann bei den Welttitelkämpfen 2007 in Stuttgart am Reck die letzte WM-Goldmedaille für den Deutschen Turner-Bund – und brachte ihm einen Becher mit Bier.

„Ich freue mich riesig für ihn, das ist einfach unglaublich schön, toll für ihn und wichtig fürs deutsche Turnen“, sagte „Fabi“, 2007 und 2016 in Baden-Baden selbst als „Sportler des Jahres“ ausgezeichnet. Hambüchen hatte die weltmeisterliche Barren-Übung von Dauser in der Halle verfolgt und zollte ihm höchsten Respekt. „Der Typ hat die Nerven behalten, hat sich von Wettkampf zu Wettkampf gesteigert, und das war heute seine beste Barren-Übung“, lobte der Reck-Olympiasieger von Rio 2016.

Lukas Dauser turnte im Finale voll auf Angriff und lag am Ende mit 15,400 Punkten vor dem Chinesen Shi Cong (15,066) und dem Japaner Kaito Sugimoto (15,000). Er hatte bei seinen Auftritten in Belgien bis dahin die jeweils höchsten Wertungen aller Starter erhalten, aber dennoch die Favoritenrolle von sich gewiesen: „Im Finale sind acht Leute, die Besten der Welt an diesem Gerät, und wir sind alle nur einen halben Punkt auseinander. Jeder kleine Fehler kann entscheidend sein.“ Der sicher gestandene Abgang, ein Doppelsalto mit halber Schraube, besiegelte jedoch seinen Sieg und war der Beginn verdienten Jubels – von Lukas Dauser selbst, aber auch von den Teamkameraden. Die deutsche Mannschaft hatte sich zuvor bereits für Olympia 2024 in Paris qualifiziert.

„Auf jeden Fall ist das die Krönung – absolut“, ordnete der Olympia-Zweite von Tokio 2021 die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft „im ganz oberen Regal“ ein. „Das hätte ich mir nicht besser erträumen können“, so der gebürtige Bayer, der sich bei der WM seinen größten Traum erfüllen konnte: „Mein Ziel war immer, die deutsche Hymne zu hören bei einem großen Wettkampf. Das habe ich geschafft, und das ist unglaublich schön.“

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„Sportlerin des Jahres 2023“: Denise Herrmann-Wick

Als fünfte Biathletin in Baden-Baden ganz oben

Es war ein wahrlich traumhafter Schlusspunkt ihrer Biathlon-Karriere: Bei den Weltmeisterschaften im Februar in Oberhof holte die 34-jährige Sportsoldatin Denise Herrmann-Wick den Titel im 7,5-km-Sprint sowie die Silbermedaillen in der Verfolgung und mit der Staffel.

Die Musikregie im Stadion feierte das Verfolgungs-Silber mit dem Mallorca-Hit „Der Zug hat keine Bremse“, die deutschen Biathlon-Teammitglieder fassten sich an den Schultern und brachten, rhythmisch wippend, den Party-Zug ins Rollen, sehr zur Freude der weit über 20.000 begeisterten Zuschauer, die mitsangen und freudetrunken schunkelten. Abends bei der Siegerehrung im Kurpark hatten die Fans den Ohrwurm dann umgedichtet und ließen ihren Liebling noch einmal hochleben: „Denise kennt keine Bremse!“

Vater Lutz Herrmann, ehemaliger Handballer in der DDR-Oberliga, begeisterte seine Tochter einst für Wintersport, insbesondere für Skilanglauf. Mit acht Jahren nahm die kleine Denise erstmals an Wettkämpfen teil, vier Jahre später wechselte sie auf das Skigymnasium im 35 Kilometer von ihrem Heimatort Bockau entfernten Oberwiesenthal, wo sie seit Beginn ihrer Laufbahn beim WSC Erzgebirge trainierte.

Höhepunkt ihrer Langlauf-Karriere war der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, für diese Leistung wurde sie am 8. Mai 2014 von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Im April 2016 gab sie ihren Wechsel zum Biathlon bekannt und trainierte ab diesem Zeitpunkt in Ruhpolding.

In ihrer „neuen“ Disziplin war Denise Herrmann – seit ihrer Heirat 2022 mit dem ehemaligen Ski-Langläufer Thomas Wick trägt sie den Doppelnamen Herrmann-Wick – überaus erfolgreich. Gold über 15 Kilometer und Bronze mit der Staffel bei Olympia in Peking 2022, zwei Gold-, sechs Silber- und eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften, neun Deutsche-Meister-Titel und neun Mal Gewinnerin des Gesamtweltcups – um nur die wichtigsten zu nennen. Nach den umfangreichen Jubelfeiern in Oberhof feierte sie beim saisonabschließenden Weltcup-Wochenende in Oslo im März einen tränenreichen Abschied.

Nun wurde Denise Herrmann-Wick im Kurhaus Baden-Baden als fünfte Biathletin nach Uschi Disl (2005), Kati Wilhelm (2006), Magdalena Neuner (2011 und 2012) und Laura Dahlmeier (2017) als „Sportlerin des Jahres“ geehrt und gefeiert. Zehn Tage zuvor hatte sie mit Ehemann Thomas in den sozialen Medien verkündet, dass sie schwanger ist. Damit machte sie ihre Ankündigung aus dem Frühjahr wahr: Damals sagte sie, dass sie sich nach ihrem Karriereende auf die Familienplanung konzentrieren wolle…

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