„Mannschaft des Jahres 2018“: Eishockey-Nationalmannschaft

So wahrscheinlich wie hitzefrei am Nordpol

Mal waren es die Alpinen wie Heidi Biebl oder „Luggi“ Leitner. Mal die Nordischen wie Georg Thoma oder Franz Keller. Später die „Adler“ (Jens Weißflog, Sven Hannawald oder Martin Schmitt). Nicht zu vergessen die Skijäger(innen) mit Ricco Groß, Fritz Fischer, Magdalena Neuner. Ja, und natürlich das Eis: Kilius/Bäumler, Manfred Schnelldorfer. Und viele andere mehr. Die Liste deutscher Sportlerinnen und Sportler, die bei Olympischen Winterspielen für glänzende Ergebnisse in Form von Medaillen gesorgt haben, ist lang. Auf Schnee und Eis blühten deutsche Medaillenträume immer besonders gut.

Nur einmal aber hatten zuvor Männer, eingepackt in schiere Teletubbies-Anzüge, geschützt durch schwere Helme mit Visier und „bewaffnet“ mit wuchtigen Holzkeulen, erfolgreich das Ringen um olympisches Edelmetall aufgenommen. 1976 nämlich, als es in einer Sechserrunde sensationell Bronze gab. Bis jedoch der Einzug ins Finale, diese ins Reich der Visionen verwiesene, verwegene Vorstellung eines Griffs zum Gold, Realität wurde, musste Deutschlands Sportlerfamilie bis zu diesem Jahr warten.

Dann geschah das, was zuvor so wahrscheinlich erschien wie hitzefrei für eine Schulklasse am Nordpol: Eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft stand im olympischen Finale. Holt die Silbermedaille gegen die Eishockey-Weltmacht schlechthin, den 26-maligen Weltmeister, die russische Sbornaja. Versetzt ganz Deutschland nach dem Triumph im Halbfinale gegen das „Mutterland“ Kanada, den neunmaligen Olympiasieger, in einen wahren taumelnden Puck-and-Penalty-Rausch.

Die Reaktion auf das 3:4 gegen den „russischen Bären“ in der Verlängerung war nicht lange zwiespältig. Nur 55 Sekunden fehlten zur Erfüllung des ganz großen Traums, den Olympiasieg Aber schnell war klar: Die DEB-Auswahl hatte Silber gewonnen, nicht Gold verloren. „Wir haben Geschichte geschrieben. Wir können unglaublich stolz auf das sein, was wir hier mit der Mannschaft erreicht haben“, sprach Verteidiger Christian Ehrhoff für das gesamte Team. „Wir waren so knapp davor, Gold zu gewinnen, deswegen war es natürlich im ersten Augenblick schmerzhaft, dies mitzuerleben“, meinte Yannic Seidenberg: „Aber als die Medaillen kamen, war ich einfach nur unglaublich stolz, dabei gewesen zu sein und sie in der Hand zu haben.“

Inzwischen hat der Alltag das deutsche Eishockey wieder eingeholt. Die Nationalmannschaft steht nach dem Abgang von Bundestrainer Marco Sturm in die NHL ohne aktuellen Trainer vor einem Neuanfang. DEB-Präsident Franz Reindl arbeitet „hinter den Kulissen“, so Ehrhoff, an einer Lösung, die das „Märchen von Pyeongchang“ nicht zu einer Eintagsfliege verkommen lassen soll. Zunächst aber gilt es noch einmal zu Feiern für die „harten Jungs vom Eis“. Denn das Finale von Baden-Baden haben sie für sich entschieden. Sie sind Deutschlands „Mannschaft des Jahres“. Und das sogar ohne „Overtime“.

Letzte Änderung amSonntag, 16 Dezember 2018 23:29
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