Para­lym­pische Bilanz

Ein Zeugnis ungeheurer Willenskraft
Zehn Tage Paralympische Spiele sind am Sonntagabend mit einer grandiosen Abschlussfeier im südkoreanischen Pyeongchang zu Ende gegangen. Und wie immer brachten diese ganz besonderen Wettbewerbe behinderter Athletinnen und Athleten in alpinen und nordischen Disziplinen besonders viele Geschichten und Emotionen hervor. Mehr noch als Olympia gelten die Paralympics als ein großartiger Nachweis dessen, was menschliche Willenskraft und der Glaube an sich selbst, an das eigene Leistungs- und Durchsetzungsvermögen, hervorbringen können.
Hinter jedem einzelnen Start, jeder Platzierung, jeder Bestzeit, jeder Überwindung des eigenen Handicaps sollte ein Übermaß an Anerkennung und Bewunderung stecken. Und doch wird auch hier letztendlich mit Resultaten, mit Siegen und Niederlagen, mit Medaillen oder (nur vermeintlich) enttäuschenden vierten Plätzen der Scharfrichter allen sportlichen Tuns zur Bewertung herbei gezogen. So kann die Tatsache, dass die deutschen Athletinnen und Athleten insgesamt 19 Medaillen in den paralympischen Wettbewerben gewonnen haben, auch nur ein Teilaspekt dessen sein, was alle vor Ort geleistet haben.
15 der 18 deutschen Einzelmedaillen holte das Damenquartett Andrea Eskau (46),  Andrea Rothfuss (28), Anna Schaffelhuber (25) und Anna-Lena Forster (22). Mit sechs Medaillen wurde die Thüringerin Andrea Eskau, die die deutsche Delegation auch als Fahnenträgerin ins Stadion geführt hatte, damit auch erfolgreichste deutsche Athletin.  Schaffelhuber und Forster, die beiden Dominatorinnen im Mono-Ski, pushten sich gegenseitig zu ihren paralympischen Erfolgen zwischen den Stangen. Vom Slalom bis zur halsbrecherischen Abfahrt. Viermal Silber, einmal Bronze, lautete die beeindruckende Bilanz von Andrea Rothfuss. Nur mit dem ersehnten Gold wollte es einfach nicht klappen.
Und schließlich wurde auch die „Ehre“ der Männer gegen Ende der Spiele noch gerettet. Seit dem vorletzten Paralympics-Tag in Vancouver vor acht Jahren hatte kein deutscher Mann bei den Winterspielen mehr eine Medaille geholt. Sage und schreibe 29:0 stand es seitdem für die deutschen Frauen. Bis Martin Fleig kam. Der 28-Jährige beendete diese Serie am drittletzten Tag der Spiele im Biathlon über 15 Kilometer. Und das sogar mit einer Goldmedaille. Sie alle hätten es verdient, bei der Stimmabgabe für Deutschlands Sportlerinnen und Sportler des Jahres entsprechend berücksichtigt zu werden. Ob es wirklich so ist, wird man am 16. Dezember in Baden-Baden sehen.

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