Olympia: Quantum Vorfreude auf Baden-Baden Empfehlung

Lange wird man – aus deutscher Sicht - diese Spiele im Gedächtnis behalten. 14 Goldmedaillen, eine unglaubliche Bilanz. Nur von Norwegen (39) in der Anzahl der Podiumsplätze überflügelt. Die klassische Wintersportnation der Wikinger, den ganzen Winter über mit Schnee gesegnet, musste sich gewaltig strecken, um seinen kleinen Vorsprung, dank Björgen-Gold (wer sonst?), zu retten.

Die rauschende Begrüßung in Frankfurt gehört bereits ebenso der Vergangenheit an wie die koreanischen Reminiszenzen. Leider oft wenige Zuschauer, mit Ausnahme am Rande der Eisflächen, beim Skeleton und Bob. Aber hilfsbereite Volunteers. Die Oly-Gäste bekamen nach Spätabend-Entscheidungen höflich und mit Verbeugung noch etwas zu essen. Deshalb hatten wir und ganz viele andere die putzigen Maskottchen Saahorang und Bandabi im Rückflug-Gepäck. Es hat Spaß gemacht.

Damit können die Veranstalter der Gala „Sportler des Jahres“ ihre Planungen prompt einleiten. Man kennt die Heldinnen und Dominatoren der Spiele. Und traditionsgemäß haben Medaillen aus der Kälte einen hohen Stellenwert beim Votum der Sportjournalisten zum Jahresende. Erstellen wir deshalb eine zeitige Liste der Referenz-Träger. Titelverteidigerin Laura Dahlmeier zog gleich mehrere Optionen. Zweimal Gold und Bronze im Biathlon, die Power-Frau aus Garmisch-Partenkirchen kämpfte bis zur absoluten Erschöpfung. Eine mögliche Konkurrentin im Punkte-Duell könnte die Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger sein, die ihren Schlitten zum dritten Mal punktgenau durch die Ringe, pardon das schwierige Labyrinth mit der verflixten Kurve 9, steuerte. Wie Dahlmeier dürfte sie zum Saisonende noch die Weltcup-Gesamtwertung abräumen, doch das ist eigentlich Usus bei diesen Ausnahme-Athletinnen.

Sportler des Jahres – ein Teamduell? Fahnenträger Eric Frenzel brachte eine Medaille (Silber im Einzel) mehr heim als Johannes Rydzek, der im letzten Dezember auf der Kurhausbühne in Baden-Baden den schlanken Pokal entgegengenommen hatte. Frenzel war vor vier Jahren als Zweiter dicht dran, die Trophäe von 2014 hat seither einen markanten Platz auf dem Sims im Wohnzimmer. Der nächste im Bunde möglicher Kandidaten kennt die alljährliche Gala am Rande des Schwarzwalds ebenfalls schon persönlich. Als Team-Springer des DSV-Geschwaders. Jetzt hat der 22-Jährige Andreas Wellinger Eigenwerbung betrieben. Gold und Silber im Einzel, die Mannschaft auf den zweiten Platz katapultiert.

Das richtet den Blick auf die Kollektive. Sowohl der Tobi-Express Wendl/Arlt wie die Mixedstaffel im Rodeln sorgten für Bestzeiten. Francesco Friedrich holte mit Zweier- und Viererbob das Maximum heraus. Einmal auf die Hundertstel zeitgleich mit seinen Rivalen aus Kanada: zwei Besatzungen bestiegen in PyeongChang gleichzeitig den Thron. Noch besser, wenn man alle im Griff hat. Das gelang dem Sachsen am allerletzten Tag der Spiele in Koreas Nordosten. Es war vielleicht der D-Sunday für die Geschichtsbücher. Team Germany hatte völlig überraschend (nach Siegen gegen Weltmeister Schweden und Olympiasieger Kanada) das Eishockey-Endspiel erreicht. Nie sah man mehr Zuschauer in den roten Germany-Jacken bei einem deutschen Auftritt: das gesamte DOSB-Team machte Radau auf der Gegentribüne, aus der Heimat waren Hunderte in den gelben Nationaltrikots angereist. Bis das Schreckliche geschah: in Überzahl kassierten die Schützlinge von Coach Marco Sturm 55,5 Sekunden vor der Sirene den Ausgleich – und verloren gegen die russische Olympia-Vertretung in der Verlängerung (3:4). Ach‘ Quatsch: dieser Raid durch die Hallen unten am Meer, in Gangneung, das allererste Endspiel, besitzt Legenden-Charakter. Als würde Erzgebirge Aue im DFB-Pokal die Bayern weghauen.

Team des Jahres“ die Puckjäger? Ganz vorsichtig bitte. Die Kombinierer holten nicht nur das gemeinschaftliche Gold, sondern okkupierten im zweiten Einzel das Podest komplett. Mehr geht nicht. Auch nicht, was Aljona Savchenko und Bruno Masson im Eiskunstlauf ablieferten. Ins Olympia-Glück gesprungen von scheinbar aussichtloser Position, aufgrund einer Kür aus dem Lehrbuch. Dank Berge versetzenden Willens, der viele deutsche Teilnehmer bei den XXIII Winterspielen auszeichnete. Die Februar-Bilanz in Asien: ein starkes Versprechen für die Sportler-Gala in Baden-Baden. Ein Quantum Vorfreude auf den 16. Dezember kommt auf.

Bild: Martin de Jong

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