Medaillen-Dusche In- und Outdoor

Längst wissen regelmäßige Besucher des Deutschen Hauses oberhalb von PyeongChang, wie man sich zu verhalten hat, wenn Medaillengewinner das Podest betreten. Dann heißt es feiern, jubeln, verstecken, wegducken. Sekt-Dusche ist angesagt. Ob Kombinierer, Rodler, Bobfahrer oder Biathleten, alle zelebrieren den schäumenden Überfluss à la Formel 1, bewaffnet mit Henkel-Magnumflaschen. Als Mariama Jamanka – nach Gold im Zweier - die vorderste Reihe ins Visier nahm, wurde sie von ihrer Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz selbst erwischt. Alle Interviews hinterher also im nassen T-Shirt. Egal. Hauptsache, gewonnen. Und die Macher des DH ziehen auch ein positives Fazit. Nicht nur nach Medaillen, die täglich mehr wurden, sondern auch in Bezug auf die Gäste, vor allem aus der Wirtschaft. Die sich in diesem Eckchen Germany, sonst ein Golf-Club, pudelwohl fühlten. Dank des guten Speise-Angebots im lukullischen Sonderland Südkorea.

Sie feierten, studierten das Duell im Medaillenspiegel mit Norwegen – die Sportler (auch jene ohne vordere Platzierung) kamen nach ihren Wettkämpfen quasi alle hier hoch. Teammitglieder in ihren roten Germany-Jacken dominierten das Ambiente, die Stimmung konnte nicht besser sein. Sotschi wurde in Sachen Edelmetall deutlich getoppt, man ist bis zur letzten Chance bei Viererbob und Eishockey in Tuchfühlung zur Rekordausheute von Salt Lake City 2002 mit 36 Podest-Rängen.

Bemerkenswert für ein Land, in dem geschlossene Schneedecken manchmal in den Mittelgebirgen, regelmäßig jedoch nur entlang der Alpen vorkommen, und das sich jetzt auf Eis und Schnee hochschaufelt. Erste Vorschläge, die nordische Kombination nach drei Olympia-Triumphen umzutaufen kursieren bereits. Bayerisch-sächsischer Winterzweikampf klingt sperrig, zumal einer (Fabian Rießle) aus dem Schwarzwald und damit Baden-Württemberg stammt. Bitte um weitere Entwürfe.

Vor allem aber stimmt die Infrastruktur. Deutschland, das Eldorado der Bob- und Rodelbahnen mit einer weltweit einzigartigen Dichte. Viele Erfolge sind deshalb homemade. Und dank der wissenschaftlich-technischen Unterstützung von FES und IAT flutschen die Kufen zunehmend besser. Das einstige Material-Manko wurde in einen Vorsprung umgedreht. Made in Germany für den Sport. Trotzdem stehen die Athleten im Mittelpunkt. Die Willensleistung der Eishockey-Cracks, die erstmals in ein olympisches Finale stürmten oder die Überraschungen im Snowboard durch Selina Jörg (Silber) und Ramona Theresia Hofmeister (Bronze).

Am Sonntag und Montag reist das Team D in zwei Gruppen nach Hause. Jammerschade, dass unser Februar-Märchen damit endet. Die Zuschauer zuhause konnte vor den Bildschirmen gar nicht genug bekommen, von der Fünf-Ringe-Gala. Man muss sie vertrösten. Beim „Sportler des Jahres“ am 16. Dezember in Baden-Baden sehen wir viele PyeongChang-Helden wieder. Das nächste Winter-Spektakel.

Bild: picture alliance

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