Sebastian Brendel

Der Mann, der Wasser zu Gold schippt


So einen Mitarbeiter wünscht sich wohl jeder Chef: Denn sogar der beste Baggerfahrer hätte Mühe die stündliche Leistung des Olympiasiegers und fünfmaligen Canadier-Weltmeisters Sebastian Brendel zu überbieten. Allein bei einem einzigen Rennen über 1000 Meter schippt Brendel mit seinem Stechpaddel rund zwölf Tonnen Wasser um. 50 Kilogramm pro Schlag!
Eine gewaltige Leistung. „Sebastian verbindet seine urwüchsige Körperkraft mit Trainingsfleiß und einem enormen Ehrgeiz“, verrät sein Trainer Ralph Welke das Geheimnis des Erfolges. Dem Gold von London 2012 ließ der 29 Jahre alte Modellathlet vom KC Potsdam in Rio zwei weitere Goldmedaillen folgen. Damit nicht genug: In diesem Sommer stockte er seine Bilanz bei der WM in Tschechien um weitere drei WM-Titel auf.
Der Ausnahme-Kanute sieht im „Schaufenster Olympia“ einen möglich Popularitätsschub: „Wir Randsport-Athleten besitzen nur alle vier Jahre die realistische Chance, einmal ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und auf uns aufmerksam zu machen.“ Zwar wurde der Bundespolizist im vorigen Jahr von den deutschen Spitzenathleten zum „Super Champion“ gewählt. Dennoch, so sagt er selbst, „ist jeder Zweitliga- Fußballer bekannter als ein Kanu-Olympiasieger.“
Wie wichtig eine gewisse Popularität sein kann, erfuhr der 1,92 m große Brendel auf dem Weg 2016 nach Brasilien. Der Deutsche olympische Sportbund (DOSB)  hatte für den langen Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro nur die preiswertere „Holzklasse“ gebucht. „Ein Hammer“, sagte Brendel in einem Interview und führte vor Antritt der Reise aus: „Zwölf Stunden Nacht-Flug auf einem engen Sitz und das bei meiner Größe ist eine Qual.“ Der entsprechende Bericht wurde auch im Unternehmen „Team Kunststoff“ gelesen. Glück für Sebastian, denn das Werk sprang als Sponsor ein und bezahlt die 3000 Euro Zusatzgebühr für die Business-Klasse.
Zu Hause in Potsdam drücken bei jedem Einsatz Lebenspartnerin Romy Leue und die beiden gemeinsamen Kinder Edwin (4) und Hanna (6) immer die Daumen, wenn Papa mal wieder Wasser zu Gold schipp.

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