Der König der Hasardeure

Sprinter-Titan Marcel Kittel

Im jetzt zu Ende gehenden Jahr war er zweifellos der „König der letzten Meter“: Bei flachen Sprintentscheidungen schien gegen den Erfurter Radprofi Marcel Kittel kein Kraut gewachsen. Wenn der 1,90 m große Athlet in die Pedale trat, dann blieben in der Regel selbst für Konkurrenten wie Andre´ Greipel oder Alexander Kristoff aus Norwegen nur zweite oder dritte Plätze übrig. Fünf Etappensiege bei der Tour de France 2017 sprechen eine deutliche Sprache

Erst ein folgenschwerer Sturz auf der 17. Etappe, bei dem er sich übelste Prellungen und Schürfwunden zuzog, zwang Kittel zur Aufgabe. Insgesamt vierzehn Triumphe im „sprint royal“ stehen auf seiner persönlichen Habenliste bi der Frankreich-Rundfahrt. Zwei mehr als der große Erik Zabel, und damit so Viele wie kein anderer deutscher Radprofi. Hinzu kommen vier Etappensiege des Thüringers beim Giro d’Italia und einer bei der Vuelta a Espana. Insgesamt fuhr er mit seinem belgischen Rennstall „Quick-Step“ 27 Tagessiege ein.

Der Arnstädter besuchte bis zum Abitur die Erfurter Sportschule und „krümmte“ in dieser Zeit für das Thüringer „Energie-Team“ den Buckel, ehe er vor fünf Jahren als Profi zum holländischen Pro-Continental-Team von Skil Shimano wechselte. Dem blonden Hünen wurde das sportliche Talent quasi in die Wiege gelegt. Vater Matthias saß als Straßenbolzer beim SC Turbine Erfurt ebenfalls auf dem Rad und Mutter Elke gehörte zu den besten Thüringer Hochspringerinnen. Der acht Jahre jüngere Martin versucht jetzt auf dem Velo, den Spuren seines großen Bruders zu folgen.

Mittlerweile zog es den Thüringer Kittel in die Schweiz, wo er mit der niederländischen Volleyballerin Tess von Piekartz die große Liebe fand. Zum Jahreswechsel wird er das Trikot von Quick-Step abstreifen und in das weinrote Leibchen von Katjuscha-Alpecin schlüpfen. Im neuen Team hat sich der blonde Pedal-Titan auch für die nächste Saison viel vorgenommen, zumal er in seinem alten Kumpel Tony Martin wieder einen Mann mit herausragenden Qualitäten an seiner Seite im Team weiß. Während des Winters will Kittel spanischen Girona die Grundlagen für weitere Erfolge auf den letzten Metern in den kommenden Jahren legen.

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