Kufenflitzer, Freizeitkicker

Nicht Viele so wie Ihle

Das Eis, vor allem, wenn darauf nicht nur gesprungen oder getanzt, sondern möglichst schnelle Runden absolviert werden sollten, war hierzuland jahrelang eine Frauen-Domäne: Gunda Niemann-Stirnemann, Anni Friesinger, Claudia Pechstein: Sie standen für die besten Tage im deutschen „Ice Age“.
Bis er kam, Nico Ihle: Ein fulminant flotter Kufenflitzer, der den deutschen Männern in den Ergebnislisten der großen internationalen Wettbewerbe nach langer Absenz wieder zu schmerzlich vermisster Präsenz verhalf. Der 31-jährige Chemnitzer ist aber nicht nur Top-Athlet, sondern auch einer, der den Mund aufmacht. Der etwas zu sagen hat, lacht, die Stimmung hebt. Sein Optimismus wirkt ansteckend.


Zwei Weltcupsiege, WM-Silber über 500 m und EM-Bronze im Sprint-Vierkampf stehen in der Ihle-Agenda der vergangenen Saison. Solche Meriten hatte ein deutscher Eisschnellläufer seit Urzeiten nicht mehr „eingefahren“. Schon bei Olympia 2014 in Sotchi hatte er auf sich aufmerksam gemacht. Als Vierter über 1000 Meter fehlten nur 12 Hundertstel zum Sprung aufs Podest. Doch das war Ihle mehr Ansporn als Ernüchterung.


Eine Weltcup-Silbermedaille im niederländischen Heerenveen heuer war Signal und Beweis gleichermaßen für die Tatsache, dass der Sachse im Sommer mit Heimtrainer Klaus Ebert und Nationalcoach Jan van Veen schwer geschuftet und seine Hausaufgaben erledigt hatte. „Jedes Rennen ist für mich Training zugleich“, lautet seine Maxime. Und nicht nur das. Er suchte zusätzliche ungewöhnliche Anreize im zermürbenden Alltag.


So maß er sich beispielsweise mit den besten deutschen Bahnsprintern in Chemnitz, ging bei Volksläufen an den Start und arbeitete mit den Zweitliga-Kickern des FC Erzgebirge Aue. Jetzt aber läuft der Olympia-Countdown. Nach den Dezember-Stationen Calgary und Salt Lake City soll beim Heim-Weltcup Mitte Januar 2018 in Erfurt die Form vor den Spielen ein letztes Mal überprüft werden. In Südkorea wird Nico Ihle nicht nur bei seiner Parade-Disziplin, den 500 Metern, an den Start gehen, sondern auch über der langen Sprint-Distanz, über 1000 Meter eine zweite Medaillen-Chance suchen. Denn doppelt genäht hält auch der Schlittschuh besser.