Pauline und Tabea

Zwei Teenie-Girls erobern den Zitterbalken

Zwei Mädchen lagen sich im Oktober bei der Turn-Weltmeisterschaft in Montreal überglücklich in den Armen: die 20-jährige Pauline Schäfer aus Saarbrücken und die drei Jahre jüngere Tabea Alt aus Ludwigsburg. Pauline Schäfer hatte als erste deutsche Turnerin nach 30 Jahren eine Goldmedaille, und zwar am Schwebebalken, gewonnen. Tabea Alt freute sich über die Bronzemedaille. Auf dem nur zehn Zentimeter breiten Gerät hatte das Duo wahrlich eine Meisterleistung abgeliefert.

Vor allem für Pauline Schäfer hatte es sich ausgezahlt, dass fünf Jahre zuvor Familie und Freunde im Saarland verlassen hatte und zu Trainerin Gabriela Frehse nach Chemnitz gewechselt war. Dort konzentrierte sie sich ganz auf den Sport und entwickelte sich schnell zu einer Spitzenturnerin. 2014 und 2015 wurde sie Deutsche Meisterin und nach Rang drei bei der WM 2015 am Schwebebalken rechnete sie sich auch für 2016 in Rio eine Medaille aus. Doch nach kleinen Patzern in der Quali verpasste sie das olympische Finale.

Doch die Sportsoldatin bereitete sich danach, auch mit der Unterstützung ihres ebenfalls turnenden Freundes Andreas Bretschneider, umso gewissenhafter auf die Weltmeisterschaften im kanadischen Montreal vor. Gestärkt mit ihrer eigenen Kreation, einem nach ihr benannten Seitwärts-Salto mit zusätzlicher halber Drehung, gelang ihr bei der WM mit dem Gewinn der Goldmedaille bei 13,533 Punkten ein echter Coup, mit dem sie sie selbst Bundestrainerin Ulla Koch überraschte.

Genauso freute sich Koch aber auch über die kaum erwartete Bronzemedaille von Tabea Alt, einer überaus trainingsfleißigen Athletin aus Ludwigsburg. Diese hatte ihr Talent schon mehrmals bewiesen und belohnte sich in Montreal mit Edelmetall. Zuvor bereits hatte die 17-Jährige durch Siege beim DTB-Pokal in Stuttgart und beim World-Cup in London auf sich aufmerksam gemacht. Beide Athletinnen haben jetzt die Weltmeisterschaften 2019 in Stuttgart und Olympia 2020 im Visier.

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