Carina Vogt

Überfliegerin, wenn es darauf ankommt

Sie ist eine Ausnahmeerscheinung im Skispringen der Frauen und steigert sich immer dann, wenn die wenigsten es erwarten: die 25-jährige Schwäbin Carina Vogt. Ihre beeindruckende Serie begann 2014, als sie bei Olympia in Sotchi völlig unerwartet zur olympischen Goldmedaille flog. Sie setzte sich 2015 im schwedischen Falun mit ihrem ersten WM-Titel fort und fand bei den Weltmeisterschaften im finnischen Lahti in diesem Jahr ihre Krönung: Erneut flog sie der Weltelite davon auf den obersten Platz des Podestes bei der Siegerehrung.

Kein Wunder, dass sich die Polizeimeisterin danach diebisch freute: “Es klappt bei mir scheinbar immer im richtigen Moment.“ Tatsächlich vermag Vogt stets bei großen Wettbewerben ihr Potenzial abzurufen. Ihr großes Plus in diesen Ausnahmesituationen ist ihre ungeheure Nervenstärke. Das verblüfft vor allem ihre japanische Dauerrivalin Sara Takahasi, die im Laufe der Saison Weltcupsiege „am Fließband“ einsammelt. Deren Ausbeute bisher: 51 Weltcupsiege, Carina Vogt brachte es gerade mal auf deren zwei.

Auch im vergangenen Winter stand Vogt bei keinem einzigen Weltcup ganz oben, verfehlte öfter das Podest. Probleme mit Schuhen und Sprunganzug kamen hinzu. Der Wechsel auf einen anderen Schuh vor der Weltmeisterschaft erwies sich dann als goldrichtig: Im dichten Schneetreiben von Lahti sprang die Ausnahmekönnerin nicht nur zum Gold im Einzel sondern auch im Mixed-Team gemeinsam mit Svenja Würth, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler.

Bundestrainer Andreas Bauer schwärmt von seiner Vorzeigeathletin in höchsten Tönen:“ Wenn es darauf ankommt, lässt sie sich von nichts beeinflussen und ablenken.“ Carina Vogts enormer Popularität ist es zu verdanken, dass ihr Heimatverein SC Degenfeld im Sommer 2017 eine neue Sprungschanze erhielt und selbstverständlich Carina der Eröffnungssprung auf der Ostalb gebührte. Zwar verletzte sie sich kürzlich beim Training im französischen Courchevel im Kniegelenk. Nach der anstehenden Reha will sie aber bis zu den ersten Saison-Höhepunkten wieder fit sein.

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