Durch den Gold-Speer ins Goldene Buch von Jena

Ein kurzer, lauer  Windhauch wehte von den Kernbergen hinein  das bunte Häuser- Meer der Stadt Jena. Auf dem Marktplatz, knapp vor dem 700 Jahre alten Rathaus, war eine Bühne errichtet worden. Tausende Menschen schoben sich auf den historischen Platz. Bürgermeister Frank Schlenker begrüßte unter lautem Beifall wenige Tage vor seinem 25. Geburtstag  in seiner Geburtsstadt Jena  den Leichtathleten Thomas Röhler. Fans schwenkte in der Menge ein Plakat mit der Zahl 90,30. Genau nach  so vielen Metern bohrte  im fünften Versuch der Speer von  Thomas Röhler in die Grasnarbe des  Olympia-Stadions von Rio. Das war der goldene Wurf, keiner der Konkurrenten schleuderte  das Wurfgerät weiter. Der Thüringer sprang wie von einem Trampolin in die Luft geschleudert  und jubelte. Später gab er zu: „Ich hatte schon beim Aufstehen ein super Gefühl. Ich habe mich nicht getäuscht.“ Diese Weite steht auch im „Goldenen Buch“ der Stadt Jena, in das sich Röhler nach der Party auf dem Marktplatz  eintragen durfte. Nach Gerhard Stöck (71,8 m) 1936 und Klaus Wolfermann (90,48 m) 1972 katapultierte sich Thomas erst als, dritter Deutscher auf die goldene Plattform der antiken olympischen Disziplin. „Thomas ist mit seiner Leistung nicht stehen geblieben“, erklärte Jenas Wurf-Trainer Harro Schwuchow. Wolfermann hat vor 44 Jahren mit einem anderen Speer mit anderen Flugeigenschaften geworfen. Nachdem der Potsdamer Uwe Hohen den Speer 1984 auf 104,80 m geschleudert hatte, wurden am 1. April 1986 alle bis dahin erzielten Resultate gestrichen und die Rekordlisten neu aufgestellt. Den aktuellen Weltrekord hält der Tscheche Jan Zelezni mit 98,48 m. Und wo wurde die Rekordweite erzielt? Richtig:  In Jena im Mai 1998. Ein paar Wochen später meldete sich der Siebenjährige Thomas Röhler bei den Mehrkämpfern des LC Jena an. „Ein paar Jahre später wechselte ich auf Empfehlung der Trainer zum Speer. Es war der große Wurf“, freut sich der Olympiaheld.  Im Ernst-Abbe´- Sportforum am Saalestrand zischten übrigens schon vor  Röhlers Zeiten  Goldspeere durch die Luft, denn  Ruth Fuchs (1972 und 1976) und Petra Felke (1988) schleuderten die Pfeile der Leichtathletik auch schon auf olympische Siegerweiten. Die bisherige Sportkarriere verlief für den neun Sportstar Röhler  übrigens so normal wie bei den meisten Thüringern: „Ich besuchte die  Sportschule bis zum Abitur und studierte danach an der Friedrich-Schiller-Uni in Jena.“  Noch vor  dem Abflug nach Brasilien schloss er mit einem Bachelor das Studium für Wirtschaft und Sport ab. Das soll aber noch nicht das Ende der akademischen Laufbahn sein.