Die Stechpaddler: Gold für die Jungs vom „Alten Fritz“

Es war ein denkwürdiger Tag für die deutschen Kanuten zum Abschluss der olympischen Wettbewerbe auf der der Lagoa Rodrigo de Freitas. Einer, zu dem das bärenstarke Canadier-Doppel Sebastian Brendel und Jan Vandrey in besonderem Maße beitrug. Die beiden Potsdamer Jungs mit den gewaltigen Stechpaddel-Schlägen holten am Schlusstag in einer wahren deutschen Medaillenflut noch einmal olympisches Gold und „verdarben“ damit auch noch zwei Einheimischen das Gefühl des Olympia-Sieges: Das Duo Erlon de Souza Silva/Isaquias Queiroz dos Santos aus dem Land der brasilianischen Gastgeber musste sich dem Boot aus der Stadt des „Alten Fritz“ auf Rang zwei geschlagen geben.

Wohl bei keiner Bootsgattung, sei es Kanu oder Rudern, kommt es so sehr auf Technik, auf die vollkommene Harmonie, das Gleichgewicht, auf das Zusammenwirken aller Kräfte an wie in diesem fragilen Bootskörper. Zwei Hünen von Gestalt in diesem ultraleichten Etwas von schaukelnder Schale: Da muss die Vorführung in jeder Sekunde passen. Es war ein Triumph gegen den ursprünglichen Willen des Verbandes. Denn der deutsche Kanu-Verband hatte in Rio eigentlich gar kein Boot in dieser Disziplin melden wollen. Welch ein Glück, dass sich die Funktionäre nach der Disqualifikation des weißrussischen Bootes dann doch eines Besseren besannen.

Und welch ein Glück vor allem für Sebastian Brendel, der sich zuvor schon als der beste Single in seiner Bootsklasse erwiesen hatte. Das zweite Gold also für ihn bei Olympia 2016, dieses Mal gemeinsam mit seinem Potsdamer Kumpel. Vier Tage nach dem Sieg im Einzel. "Ich habe gestern noch kurz drüber nachgedacht, dass ich es schaffen könnte. Aber dass es jetzt tatsächlich klappt, ist unglaublich", ließ er nach der Siegerehrung in sein Seelenleben blicken. Und sein Mitstreiter Jan Vandrey konstatierte im Glücksgefühl des Olympiasieges einfach nur: „Ich haben eben einen großartigen Athleten an meiner Seite.“

Für Brendel folgte die absolute Krönung des olympischen Auftritts schließlich bei der Schlussfeier der Spiele in Südamerika. Der 28jährige, der schon vier Jahre zuvor in London das Einer-Rennen in London dominiert hatte, war ausersehen, die deutsche Fahne beim Abschlusstag zu tragen. "Er ist Doppel-Olympiasieger dieser Spiele und ein Vorbild für alles, was den Sport ausmacht", begründete Chef de Mission Michael Vesper die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Für Brendel, aber auch für seinen „goldenen Partner“ aus der gemeinsamen Heimatstadt könnte in Baden-Baden bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ die nächste Ehrung anstehen.

 Mehr an Gewicht als einen Olympiasieg kann man eigentlich nicht ins schaukelnde Boot werfen. Vor allem dann, wenn man dann auch noch ein Kentern vermeidet…