Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Februar 2018

NoKo kein Biathlon-Ersatz mehr

Hermann Weinbuch ist keiner, der auf den Tisch springt, um zu feiern. Er genießt meist lieber still. Wenn es stilecht wäre aber müssten die deutschen Kombinierer ihren Coach mindestens auf einem Piedestal positionieren. Roten Teppich auslegen, Lorbeerkränze bereithalten. Und eine Verbeugung, tiefer, als hier von jedem Koreaner praktiziert, anbringen. Vor allem der 57-Jährige Ex-Allrounder gilt als Vater der sagenhaften Erfolgsserie. Gold für Frenzel im ersten Einzel, das komplette Podium am Mittwoch in PyeongChang. Mehr geht nicht. Statistiker erinnern an das deutsche Podium 1988 in Seoul. Das war Fechten mit Anja Fichtel, Sabine Bau, Zita Funkenhauser. Bilder und Erfolge für die Ewigkeit.
Weinbuch hat sie alle getrimmt, gebremst, gelenkt. Unterschiedliche Charaktere wie der Weltcup-Dauersieger Eric Frenzel aus dem Erzgebirge, „Sportler des Jahres“ Johannes Rydzek aus dem bayerischen Allgäu. Hinzu der Schwarzwälder Fabian Rießle, der in diesem Winter einen Quantensprung auf dem Bakken und erst recht in der Loipe machte.
Jetzt – nach dem Team-Wettbewerb – sind sie „top oft he world“, die Kombinierer des DSV. Im vergangenen Winter quasi unschlagbar, hatten sie beim Anlauf zu den Spielen in Korea plötzlich das Hinterherlaufen einstudiert. Die Norweger hatten ihrerseits ihr Wellental durchschritten und dominierten wie es sich in einem nordischen Wettbewerb für zünftige Wikinger ja auch gehört. Und der Japaner Watanabe erstürmte beim Super-Event in Seefeld das sonst von Frenzel gepachtete Podest. Weinbuch? Blieb ruhig, der Weg nach Olympia sei noch lang, meinte der Über-Trainer. Auguren hielten dagegen, das würde Nichts mit Olympia. Der sagenhafte Vorsprung sei schneller aufgebraucht als Schnee im milden Breisgau.
Das Gegenteil ereignete sich in den Bergen oberhalb des Ostmeeres. Auf den Punkt so topfit, dass die Herren Frenzel und Rydzek– zusammen mit dem Team – frühzeitig für die Sportler-Wahl zum Jahresende in tragende Rollen schlüpfen könnten. Auch weil sie – auch dank Hermann Weinbuch – eine Sportart in den Fokus, in die Medien und in die Öffentlichkeit führten, die früher meist nur über die Bildschirme flimmerte, wenn Biathlon aufgrund von Starkwinden verschoben wurde.

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Wenn der Medaillenregen nicht nachlässt

Salopp ausgedrückt könnte man sagen: dem Team Deutschland fliegen die Medaillen nur so um die Ohren. Speziell die DSV-Adler um Andreas Wellinger blieben in Fluglaune: Silber für das Team. Dass sie am Montagabend gegen die starken Norweger im Teamwettbewerb nach zwei Durchgängen eher geringe Chancen auf Gold hatten, sei’s drum. Denn Silber glänzt mindestens genauso schön, weiß Olympiasieger Andreas Wellinger, der bereits am Wochenende seine erste Silberne – zusammen mit Skeleton-Ass und Newcomerin des Jahres 2017 Jaqueline Lölling – im Deutschen Haus, in den Bergen Pyeongchangs, begießen konnte. Nun also ein weiterer Stockerlplatz für den Deutschen Ski Verband. Die Freude darüber – zeitgleich wird über die Alpinen die Nase gerümpft – ist immens. Und so bringen sich die DSV-Adler in (Pole?-)Position, wenn im Dezember die deutschen Sportjournalisten dazu aufgerufen werden, die Mannschaft des Jahres zu wählen. Das Team hat sicherlich gute Chancen, aber gleichzeitig starke Konkurrenz.

Zur selben Zeit wie die Springer schossen im Zweier der Männer die Bobs durch den Eiskanal. Gleich drei Teams aus Deutschland hatten sich für die Olympischen Spiele qualifiziert und wollten es den Rodlern und Skeletonis gleichtun: Medaillen abräumen. Nach zwei Läufen lagen Nico Walther und Christian Poser auf dem Goldplatz, dahinter die Kanadier, Johannes Lochner und etwas zurück auf Platz 5 Francesco Friedrich. Beim Finale Furioso landeten Friedrich, der sich im dritten Lauf zurück auf den zweiten Platz kämpfen konnte, und der kanadische Zweierbob einen ungewöhnlichen Coup. Die „Ahornblätter“ und die deutsche Crew mit Friedrich und Thorsten Margis landeten gemeinsam auf Platz 1. Für beide Schlitten wurde die identische Zeit gestoppt, „sicherlich auch dank des Kopfeinziehers“, der vielleicht einige Tausendstelsekunden einsparte, wie Friedrich während der DOSB-Pressekonferenz erläuterte.

Das macht Lust auf mehr. Die Damen in Zweier und die Königsdisziplin Viererbob am Sonntag könnten diese für Team D so erfolgreichen Olympischen Spiele in Pyeongchang krönen.

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Abseits

Die Eindrücke, die man als Medienvertreter während der Olympischen Spiele sammeln kann, sind in Südkorea endlos. Nicht nur sportliche Highlights fallen einem während dem dreiwöchigen Aufenthalt in Asien ins Auge, sondern auch was abseits des Rampenlichts passiert.
Wer die offizielle „Pyeongchang 2018“ App auf seinem Smartphone installiert hat, um per Liveticker immer über sämtliche Ergebnisse informiert zu sein, bekommt zwischendurch auch Notfallhinweise. Weil die Trockenheit extrem ist, surren täglich Warnmeldungen in Landessprache („kein Feuer im Freien, Zündhölzer nicht achtlos wegwerfen“ etc.) über die Mobil-Telefone. Während einer Bus-Tour höchst abwechslungsreich, wenn plötzlich Dutzende von Handys Alarm schlagen. Was tun? Auf Regen warten, der ist nach den XXIII Winterspielen angesagt.
Essenszeiten sind gewöhnungsbedürftig. Weil fast alle Wettkämpfe in der Nacht enden, beginnt der Run von Zuschauern oder Akkreditierten nach Mitternacht auf die Lokale. Es gibt genügend, einige sind auf die Late-Night-Esser eingestellt. Plätze finden ist schwierig, Zusammenrücken obligatorisch. Auf den überall montierten Riesen-Fernsehern flimmern meist Kochsendungen, was die Hungernden beim langen Warten nicht unbedingt positiv stimmt. Bei panierten Hühnchen-Schenkeln nimmt der Gedanke an heimisches Essen allerdings von Tag zu Tag zu.
Immerhin gibt es automatisch Amuse-gueules. Auf koreanisch: Essiggurken und ein anderes (weißes) Naturprodukt. Die sind im Nu verputzt, bevor die Hühnchen kommen. Scharf, sehr scharf, teuflisch scharf. Immer paniert, üppig, eigentlich lecker. Aber halt um 1.30 Uhr ein bisschen wie der Metallklotz im Magen wirkend. Landestypisches Bier dient als (Runter-)Spülmittel.
Nach den verdrückten Hühnchen sofort ins Bett zu kullern, ist eher ungemütlich, also ist noch ein Abstecher ins „Nuts“ nötig. Das Café liegt unweit des Media Village (GMV) und hat sich durch Mundpropaganda zur Stammkneipe für Gäste aus aller Welt gemausert. Wer hier nicht war, hat die Olympischen Spiele verpasst. Hier treffen sich alle, Charaktere, Nationen, Kulturen. Eben genau, was diese vielfältigen Spiele im beschaulichen Gangneung ausmacht. Und ab und zu, spricht auf einmal die ganze Bar deutsch.
Die Koreaner haben sich mit Olympia angefreundet. Dank High Tech. Die operieren bei Fragen mit mobilen Übersetzungsgeräten, weil Englisch so verbreitet ist wie Sauerbraten mit Spätzle. Aber einige Standard-Floskeln haben sie drauf. „Sold out“ (wenn die Kneipe überfüllt ist) oder „Closed“ (wenn nur noch die Angestellten essen). Egal: geht man zum CU, einem 24-Stunden-Gemischtwarenladen. Den gibt es an jeder Ecke. Den Rechnungsbetrag nennt der Computer. Eine Art Späti auf Koreanisch.
Danke an die Volunteers, oder Workforce, wie das hier heißt. Die Menschen in ihren grau-roten Anoraks sind omnipräsent und zahlreicher als Sportler, Betreuer, Techniker und Medienmenschen zusammen. Nicht immer ist klar, was sie tun. Offenkundig: Bus fahren, eine ganze Transportlogistik ist für sie eingerichtet. Auf den Gehsteigen von PyeongChang und Gangneung tauchen sie stets in Mannschaftsstärke auf, die perfekten jungen Damen immer lachend, das Handy im Nonstop-Einsatz. Sie lassen die Maschinerie rotieren. Organisieren schon jetzt die Zug-Plätze für die Rückreise zum Airport in Seoul. Wenn wir sie nicht hätten. Und das Nuts und die Gurken. Scharfe Sachen, diese Spiele am Ostmeer. Mal völlig unabhängig von Medaillen, Bestzeiten und Höchstnoten

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Eine goldene Halbzeit-Bilanz

Schwarz-Rot-Gold hat Olympia 2018 in Pyeongchang in der ersten Woche dominiert: Die deutschen Athletinnen und Athleten waren in den Loipen, am Schießstand, im Eiskanal bei Rodlern und Skeletonis sowie  auf den Sprungschanzen zur Halbzeit die erfolgreichsten Teilnehmer der Spiele. Neun Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen hat die Delegation des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor Ort bisher bereits für sich verbuchen können. Das ist schon zur Hälfte der Spiele fast so viel wie in Sotchi vor vier Jahren. Damals war es zwar insgesamt 19 mal Edelmetall, doch Olympiasieger stellt das deutsche Aufgebot in Südostasien schon jetzt mehr (neun gegenüber acht 2014.)
Mit entscheidend für die daraus resultierende gute Stimmung im deutschen Team waren auch die beiden frühen Goldmedaillen durch Biathlon-Star Laura Dahlmeier und Skispringer Andreas Wellinger. Die „Sportlerin des Jahres 2017“ setzte bereits im ersten Rennen, dem Sprint, ein Ausrufezeichen und unterstrich ihre guten Leistungen. Mit Gold in der Verfolgung und einer weiteren Bronzemedaille über 15 Kilometer setzte die 24jährige aus Partenkirchen noch „einen drauf.“
Andreas Wellinger schickt sich an, der strahlende jugendliche Held dieser Spiele aus deutscher Sicht zu werden: Gold von der Normalschanze, Silber von der Großschanze, und der Mannschafts-Wettbewerb steht noch vor der Tür. Da ist mit nur 22 Jahren gerade ein ernsthafter Kandidat für den Titel „Sportler des Jahres 2018“ am Werk.
Berechtigte Aussichten, diese Auszeichnungen auch als Mannschaft zu erhalten, haben nach ihrer sensationellen Kür und der damit verbundenen Goldmedaille im Eiskunstlauf auch Aljona Savchenko und Bruno Massot. Die makellose Darbietung der beiden nach der Choreografie von Christopher Dean, dem unvergessenen „Bolero-Tänzer“ mit Jayne Torvill von 1984, war der emotionale Höhepunkt der Tage von Pyeongchang bisher. „Kuscheltier-Alarm“ von den Rängen begleitete das erste Gold im Paarlauf für Deutschland seit Ria Baran / Paul Falk 1952. Dass  die deutschen Rodlerinnen und Rodler – trotz des Missgeschicks von Felix Loch – mit ihren Schlitten dem „Rest der Welt“ fast davon fahren, war dagegen eher zu erwarten.
Noch aber werden olympische Geschichten – sportlich wie persönlich – in Südkorea geschrieben. Darunter sindmit Sicherheit auch Starterinnen und Starter, die im Dezember in Baden-Baden nicht minder aussichtsreich ins Rennen gehen wie jetzt auf den koreanischen Wettkampfstätten.

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Newcomerin Jacka in der Silberspur

Seit dem Jahr 2017 findet, in Zusammenarbeit mit Lotto Bayern und der Zusatzlotterie „Die Siegerchance“, die Wahl zum Newcomer des Jahres statt. Lölling wurde durch ein Gremium aus ehemaligen Sportlern des Jahres als erste Siegern gekürt, bei der Gala Sportler des Jahres zusammen mit der „Siegerchance“ in Baden-Baden ausgezeichnet – und jetzt durfte die Sauerländerin, die erst vergangene Woche ihren 23. Geburtstag feierte, in Pyeongchang Silber im Skeleton entgegennehmen. „Jacka“ ist wirklich in der Spur.
Der Eiskanal oberhalb des südkoreanischen Wintersport-Resorts scheint ohnehin prädestiniert für die deutschen Schlitten-Cracks. Hier hagelte es, vor allem durch die Rodler, Medaillen. Zumindest für jene, die in der berühmt-berüchtigten Kurve 9 die Balance behielten. Doch das favorisierte Fahrerfeld blieb eng zusammen, Lölling selbst meinte: “Es war vom ersten bis zum vierten Lauf ein richtiger Nervenkrieg. Und es war so knapp, ich glaube, es gab noch kein Olympiarennen im Skeleton, das so knapp ausging.“

Die junge Skeleton-Mannschaft um Lölling – durchweg zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen – pusht und motiviert sich gegenseitig. Das half auch der Sportlerin von der RSG Hochsauerland, die sich erstmals in ihrer Karriere einem ständig zunehmenden Erfolgsdruck ausgesetzt sah. Weltmeisterin, mehrfache Weltcupsiegerin – plötzlich sollte sie – beinahe wie selbstverständlich – weitere Meriten für Sportdeutschland einfahren. Gerade weil die Bahn „anders stand als in den Trainingswochen zuvor, waren die zehn Testläufe eigentlich zu wenig“, und doch fand sie sich nach den ersten zwei Läufen auf Platz 1 der Liste. Kleine Fahrfehler, u.a. in der Felix-Loch-Gedächtniskurve (Nr. 9), notierten sie vor dem finalen Durchgang auf Position drei. Lölling wusste: „Ich musste im Finallauf alles geben und zeigen was ich wirklich kann, dann ist eine Medaille drin“, und so glänzte der Abend sogar noch silbern für die Newcomerin des Jahres 2017 und Jacqueline konnte mit Skisprung-Olympiasieger Andreas Wellinger, mit dem sie schon bei den Youth Games in Lillehammer Erfolge gefeiert hatte, erneut auf ihre Medaillen im Deutschen Haus anstoßen und „einfach nur genießen“.
Gratulationen gab es zuhauf – vom DOSB, Freunden und Familie sowie von Friederike Sturm, Präsidentin der staatlichen Lotterieverwaltung Bayern: „Grandiose Leistung unserer Newcomerin des Jahres – ein echter Jackpot für die Glücksspirale. Lotto gratuliert herzlich zu Silber.“ Jetzt ist „Jacka“ nicht mehr Newcomerin, sondern steht bereits auf der Liste der Anwärterinnen um Deutschlands Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ 2018.

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Im Eislauf-Himmel angekommen

Die magische Kür von Aljona Savchenko/Bruno Massot

Was selbst das deutsche Traumpaar Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler nicht geschafft hatten, das verwirklichten nun im weiten Rund der Gangneung Ice Arena die gebürtige Ukrainerin Aljona Savchenko und der in der Normandie aufgewachsene Bruno Massot. Sie holten olympisches Gold im Paarlaufen, das erste für Deutschland nach 66 Jahren und dem Sieg von Ria Baran/Paul Falk 1952 (schon 1951 waren die beiden zu „Sportler und Sportlerin des Jahres gekürt worden) in Oslo.

Zumindest Aljona Savchenko ist damit im Eislauf-Himmel angekommen. Fünf Anläufe hatte das blonde Energiebündel dafür benötigt. 2002 belegte sie noch mit ihrem damaligen Partner Stanislaw Morozow den 15. Platz in Salt Lake City. Nach ihrem Wechsel 2003 zu Robin Szolkowy schaffte sie dann 2006 in Turin bereits den Sprung auf den sechsten Rang. Danach begann für die ehrgeizige Paarläuferin der Traum vom olympischen Gold, doch 2010 in Vancouver und 2014 in Sotchi reichte es „nur“ zu Bronze.

Jetzt aber lief die 34-Jährige in Korea mit ihrem fünf Jahre jüngeren Partner Bruno Massot die Kür ihres Lebens. Das hatten die Beiden schon beim Grand-Prix-Finale in Japan angedeutet, als sie die Weltbestleistung auf 157,25 Punkten steigerten. Nun übertrafen sie diese Marke mit ihrer magischen Kür von PyeonChang noch und sprangen mit 159,32 Punkten vom vierten Platz nach dem Kurzprogramm auf das höchste Podest. Tränen flossen allenthalben, ob bei Aljona, Bruno oder Trainer Alexander König.

Es war ein „Tränenmeer“ und es dauerte lange, bis die Anspannung in eine erlösende Glückseligkeit überging. Freuen durfte sich darüber auch im fernen Florida der einstige Eistanzkönig Christopher Dean, der 1984 in Sarajevo mit Jayne Torvill und dem „Bolero“ schon einmal für eine Sternstunde des Eiskunstlaufens gesorgt hatte. Er hatte zur Musik von „La Terre vue du ciel“ (Die Erde vom Himmel aus gesehen) im  vergangenen Sommer die Choreographie der neuen Kür von Savchenko/Massot einstudiert. Und diese Kür mit traumhaften Übergängen, kniffligen Schritten, Sprüngen und Hebungen geriet zu einem Meisterwerk.

Auf geradezu geniale Weise verschmelzen Elemente des Paarlaufens und des Eistanzens. Aljona Savchenko und Bruno Massot haben das Kunstwerk vollendet, Eislauf-Geschichte geschrieben. Jetzt geht es noch zu den Weltmeisterschaften Ende März in Mailand und dann dürften Schaulaufen und Ehrungen folgen. Und am Ende des Jahres dürften die Beiden auch bei der Ehrung „Sportler des Jahres“ einen Spitzenplatz einnehmen.

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Team Deutschland dominiert in Südkorea

Läuft gut, für Team D in Korea. Noch vor Halbzeit das Gold-Ergebnis von Sotschi mit achtmal on top egalisiert. So lautet (erst) ein Zwischenstand in PyeongChang und Gangneung. In der angesagtesten Kneipe unten am Meer (Nuts) wird man als Deutscher schon leicht komisch angerempelt. „Ihr schon wieder. Wie macht ihr das nur?“ Das wird bei einem oder zwei Gläsern lokalen Bieres „Kloud“ dann vertieft.
Und in der Tat. Das war so nicht immer vorauszusehen. Dass Eric Frenzel sich nach einer eher mittmäßigen Weltcup-Saison zum Überflieger der olympischem NoKo-Szene katapultieren würde zum Beispiel. Er lief wie ein junger Gott, meinte einer zum Langlauf des Fackelträgers. Die anderen Saison-Hauptprotagonisten staunten unisono. Unerwartet auch der Coup des Tobi-Expresses in der Rodel-Röhre. In Anwesenheit von DOSB-Präsident Alfons Hörmann holten die Berchtesgadener ihr drittes Olympia-Gold. Material und eigene Klasse setzten sich durch. Selbst die favorisierten Weltcup-Dominatoren Eggert/Benecken zogen – als Drittplatzierte - den Hut. „Die waren einfach zweimal eiskalt, haben verdient gewonnen.“
Überhaupt könnte es in der Eisrinne nicht besser laufen. Bevor die beiden Tobis ihren Olympialauf vergoldeten, waren bereits die Damen zugange. Natalie Geisenberger (Zweitplatzierte bei der Wahl zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ 2014) konnte sich ebenfalls den Traum der dritten olympischen Goldmedaille erfüllen. Ein Eintrag in Guinnessbuch des Schlittensports scheint der Münchnerin gewiss. Nicht zu unterschlagen, Dajana Eitberger, die bei ihrem Debüt unter dem Licht der fünf Ringe direkt zu Silber fuhr.

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Glück und Leid

Enttäuschung an Tag 2

Fassungslos sitzt man vor dem Fernseher und sieht wie der haushohe Favorit, der nach drei Läufen noch auf Platz 1 lag, bis auf Platz 5 abrutscht. Und weg der zum Greifen nahe vierte Olympiasieg auf dem Rodelschlitten. Aber der Sport schreibt seine eigenen Geschichten. Aufgrund eines Fahrfehlers musste sich Felix Loch am Sonntag zwei Newcomern (aus Österreich und den USA) geschlagen geben. Der Drittplatzierte der Wahl „Sportler des Jahres“ 2014 zeigte sich sichtlich enttäuscht, weiß aber auch „mit solch einem Fehler, hat man es nicht verdient Olympiasieger zu werden.“ Ans Aufhören wird nicht gedacht und so schallt bereits die Kampfansage für 2022 durch die deutsche Presse. Durch sein Abrutschen auf Platz 5 gelingt allerdings einem anderen Deutschen der ganz große Coup. Johannes Ludwig erobert den dritten Platz und damit olympisches Edelmetall. Der Oberhofer hatte Ende 2016 seinen ersten Weltcupsieg errungen und kann sein Glück kaum fassen. Zudem wird er auch in der Mixed-Staffel am Donnerstag an den Start gehen.

Medaillenregen an Tag 3

In jeder Arbeitswoche ist der Montag der am meisten verfluchte Tag - nicht aber wenn man dem Team Deutschland angehört und sich momentan bei den Olympischen Spielen in Südkorea befindet. In PyeongChang hagelte es Medaillen für Deutschland. Die amtierende Sportlerin des Jahres Laura Dahlmeier erkämpfte sich im Alpensia Biathlon Center zwischen gezuckerten Bergspitzen die zweite Goldmedaille. Souverän mit nur einem Schießfehler und einem Start/Ziel-Sieg. Uschi Disl (Sportlerin des Jahres 2005), selbst Biathlon-Queen, traut Laura Dahlmeier weitere vier Podestplätze zu: „Bei Laura ist momentan alles möglich.“

Und nicht nur die Fans der Biathlon-Damen werden mit Meriten verwöhnt, auch die Biathlon-Herren trumpfen groß auf. Zwar konnte Arnd Peiffer keine zweite Goldmedaille erkämpfen, landete aber trotzdem auf einem zufriedenstellenden 8. Rang. Es hat den Anschein, als stünden die Bibber-Spiele im kalten PyeongChang unter dem Stern der Überraschungen. Benedikt Doll sicherte sich an Tag 3, nach einem Verfolgungskrimi die Bronzemedaille und damit nächstes Edelmetall für Deutschland. Im weiteren Verlauf des Abends kam Silber hinzu. Doch diesmal nicht für die bei den Highlights stets so präsente Carina Vogt, bei der Premiere des Damen-Wettbewerbs vor vier Jahren mit Gold dekoriert. Sie patzte, dafür sicherte sich die in diesem Winter konstant springende Katharina Althaus den zweiten Platz.

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Die ersten Medaillen in Pyeong­ Chang

Der Auftakt der XXIII Olympischen Spiele in Südkorea war nicht nur für die Niederländer (vier Medaillen an Tag 1) ein voller Erfolg, sondern vor allem für die deutschen Goldkinder. Die erste Goldmedaille für Deutschland errang die „Sportlerin des Jahres“ 2017, Laura Dahlmeier, im Biathlon Sprint über 7,5 km. Bei gefühlten -20 Grad und schwierigen Wetterbedingungen zeigte die Skijägerin – wieder einmal – eine absolut perfekte Darbietung ihrer Sportart. Im Alpensia Biathlon Center gelang ihr nicht nur ein fehlerfreier Lauf, sie trotzte dem Sturm, der am Abend beinahe die Skispringer vom Bakken fegte und am Tag darauf den Abfahrtslauf verhinderte. Stellte sich am Schießstand, statt auf Bahn eins, auf Bahn 30 – die direkt neben einem Wall liegt und damit als Windschott dienen konnte. Gespannt blickt Sportdeutschland auf die nächsten Rennen hoch oben in den Bergen über PyeongChang und Gangneung. Beim Pursuit und von der Großschanze können sowohl Laura Dahlmeier, als auch Andreas Wellinger ihre Goldleistungen wiederholen.

Doch eine Goldmedaille reichte Team Deutschland als Einstand nicht – Geschichte schreiben steht auf der Tagesordnung. Und Andreas Wellinger sollte seinen österreichischen Trainer Werner Schuster glücklich machen. Kurz nach Lauras Goldlauf konnte Andreas mit einem Supersprung von der Normalschanze seine Vita um den Titel „Olympiasieger“ erweitern. Was keiner so wirklich für möglich gehalten hatte: Wellinger überraschte alle. Wobei jeder Springer, der bei solchen Bedingungen dort oben noch „lieferte“ Nerven aus Drahtseil bewies. Alleine Simon Ammann (Schweiz) musste fünfmal (!) vom Balken. Bei einem Wettkampf, der wegen des immer wieder drehenden Windes mehrmals unterbrochen wurde und erst weit nach Mitternacht (Ortszeit) zu Ende war: “Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass die Verrückten den Wettkampf abbrechen“, sagte Bundestrainer Schuster im Nachhinein.

Bei Weißwurst und Weißbier feierten die beiden Bayern im Deutschen Haus, mit dem unsere Partner Deutsche Sport Marketing GmbH/DOSB ein Stück Deutschland nach Südkorea bringen (Deutsche Häuser gibt es seit 1988). Quasi mit Open End genossen sie den ersten Abend der Olympischen Spiele in PyeongChang in vollen Zügen und mit Streben nach mehr. Im Biathlon kann Laura Dahlmeier insgesamt sechs Medaillen gewinnen und unsere Adler wollen mindestens eine weitere Medaille abstauben. Gute Aussichten also, für die immer länger werdende Liste zu Deutschlands „Sportler des Jahres“.

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Keine Stäbchen in Gangneung

Gangneung, die 150 000-Einwohner-Stadt am Ostmeer gelegen, ist im Sommer ein heißer Tipp. Meist schönes Wetter, warm, klasse Strände – und beliebt bei inländischen Touristen. Aber jetzt? Pulsiert die nordkoreanische Metropole elektrisiert im olympischen Rhythmus. Hier läuft was. Die Bewohner wundern sich schon lange nicht mehr über tausende Busse (durchgehend mit der Aufschrift PyeongChang), scheinbar mehr als PkW. Und in der Innenstadt, grell erleuchtet, gibt es auch nach Mitternacht noch Leckeres. Es muss nicht einmal immer scharf sein. Den ausländischen Gästen werden sofort Messer und Gabel gereicht – wir hatten befürchtet, es gäbe nur Stäbchen, Essens-Stress und bleibenden Hunger. Die anderen befürchteten Rituale, Schuhe ausziehen, im Schneidersitz essen: bisher ebenfalls nicht erlebt. 

Omnipräsent aber “PyeongChang”. Doch eigentlich glänzt die Retortenstadt in den Bergen vor allem als Austragungsstätte der nordischen und alpinen Wettbewerbe. Viele Olympia-Besucher, Medienschaffende, Sportler und Sponsoren wohnen in Gangneung, weshalb morgens und abends wahre Shuttle-Ladungen Menschen von unten nach oben und zurück verfrachten werden müssen. Normalerweise in 40 Minuten zu schaffen. Bisher passte alles, von ein paar Verspätungen abgesehen, die nur lästig fallen, weil Warten auf den Transport im “sibirischen” PyeongChang nur mit Termo-Unterwäsche drunter ertäglich ist. Zur Not ignorieren die Busfahrer die Vorschrift, dass alle Passagiere sitzen müssen. Zu Eiszapfen Erstarrte lassen sich jedoch nicht abweisen und tauen stehend im Gang auf.

Team Germany erlebt das nur am Rande. Von den beiden Olympischen Dörfern ist pünktliche Beförderung zu den Wettkampfstätten garantiert. Das haben die Organisatoren im Griff. Der DOSB, oben zentral und unten mit einer Dependance vertreten, unterstützt und bietet den Transport zum Deutschen Haus an. Dort treffen sich Partner, Athleten, Presse-Vertreter. Selbst über einen Fitness-Raum verfügt das Gebäude, dazu jede Menge Stimmung, gutes Essen, Präsentationen.

Der Punk aber geht in Gangneung ab. Sportlich mit Short Track, das die Einheimischen verehren. Unser Taxifahrer verstand kein Wort Englisch, aber die Nennung eines koreanischen Kurvenspezialisten führte zur richtigen Stelle inmitten des Olympiaparks. Übrigens sind die Hinweisschilder fast durchgängig in Hunmin Jeongeum (koreanisches Alphabet) und lateinischen Schriftzeichen angebracht. Man hat die Welt zu Gast. Das macht die Einheimischen stolz. Und artig erfolgt nach jeder Handreichung die Andeutung eines Dieners. Ist so üblich. Wir ziehen dagegen den Hut. Vor Gangneung, an das sich nach den XXXIII Winterspielen wahrscheinlich keiner erinnert. War doch PyeongChang... Dieses Schicksal erlitt bei den letzten Winterspielen ein anderer Fünfringe-Gastgeber. Allerdings umgekehrt. Das kleine Schwarzmeer-Städtchen Adler richtete viele Wettbewerbe aus. Aber Sotschi taucht als Gastgeber von 2014 in den olympischen Geschichtsbüchern auf. Obwohl sich in der wirklich schmucken Kurstadt sportlich gar nichts abspielte. 

Ergo: den nächsten Strandurlaub statt auf Malle oder an der Adria in Gangneung buchen? Man sollte vorher höchstens in Erfahrung bringen, ob das Meer im August warm genug und das Besteck nicht wieder restlos verschwunden ist.  

Bild: ISK

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