Artikel nach Datum gefiltert: August 2017

Der Jörgl ist ein Achtziger

Zünftig wurde gefeiert im Skimuseum von Hinterzarten. Aber die Hauptperson wollte – wie immer – möglichst wenig Aufsehen machen. Georg Thoma, am 20. August 80 Jahre geworden, aber musste sogar nochmals vor die TV-Kameras. Und die Reden über ihn unterstrichen, wie beliebt und populär der Schwarzwälder bis heute ist. 1960 war er in Squaw Valley/USA völlig überraschend Olympiasieger in der Nordischen Kombination geworden. Und zum Jahresende wählten ihn die deutschen Medienvertreter zum „Sportler des Jahres“. Die nächste Sensation, denn der ehemalige Postbote sammelte mehr Stimmen als Gold-Junge und 100-m-Weltrekordler (10,0 Sekunden) Armin Hary.
Fast peinlich schienen dem Jörgl die vielen Ehrungen und Aufmerksamkeiten. Zumindest bei der Auszeichnung im nahen Baden-Baden aber fühlte er sich wohl. Zum ersten Mal überhaupt hatten die Veranstalter die Kurstadt als Location gewählt. Und auch in den folgenden Jahren gehörte die Ski-Legende zu den Ehrengästen der Gala. „Ich fühle mich gut, wie 60 oder 70“, entgegnete Thoma den vielen Gratulanten an seinem Ehrentag. Er sei gesund und guter Dinge. Und dann las er am Mikrofon die Geburtsgrüße der Kanzlerin Angela Merkel vor. Ehre, wem Ehre gebührt.

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Rauf auf die WM-Matte

Kann ein Ringer bei der Wahl „Sportler des Jahres“ seine Mit-Konkurrenten schultern…? Frank Stäbler lächelt: „Wenn ich wieder Weltmeister werde…“, sieht er durchaus Chancen für eine Top-Ten-Platzierung. Trotz eines gewissen Popularitäts-Mankos gegenüber Wintersportlern, Tenniscracks oder Leichtathleten. Also rauf die Matte. Nächste Woche beginnt das nächste Kapitel in der außergewöhnlichen Karriere des 28-jährigen Schwaben aus dem Flecken Musberg bei Stuttgart. 2015 hatte er sich in Las Vegas/USA den WM-Titel gesichert, nach einer irren Abmagerungs-Tortur, als er sich in die 66-kg-Klasse runterhungerte. „Nicht gesund“, wusste Fränky damals wie heute – doch jetzt sind die Vorzeichen günstiger. Er startet in der 71-kg-Kategorie, muss diesmal nur rund 5 kg abspecken. Allerdings seien „70 Prozent“ seiner Rivalen von damals auch „aufgestiegen“. Deshalb ist der Kreis der Titelanwärter enorm groß. „Aber ich konnte schon einmal die Ringerwelt erschüttern“, sagt er sich.


Dabei liegt viel Ungemach hinter dem Mattenfuchs. Beim letzten harten Training vor den Spielen 2016 in Rio verletzte er sich – und kam bei Olympia nur bis in Runde 2. Jetzt erwischte es ihn im Sommer – vier Tage nach der Hochzeit. Aber Frank Stäbler kämpfte sich wieder zurück, bezwang beim Grand Prix in Polen die Weltklasse. Es sei auch tatsächlich ein anderes Gefühl, als Ehemann zu fighten, gibt er Einblicke in sein Innerstes. Er habe die beste Frau der Welt geheiratet – und das verändere einen Menschen. Ja, Fränky – und alle werden dich zur Weltmeisterschaft nach Paris begleitet. Von Stuttgart geht es via TGV an die Seine. Der halbe Verein, die Viertels-Ortschaft: eine echte Stäbler-Exkursion.


Und alle werden bibbern, dass der Körper diesmal den Belastungen standhält. Das ist im Ringen, auch durch neuerliche „kontraproduktive Regeländerungen, mit denen man erst klarkommen muss“ (so Stäbler) – die Bodenlage fällt weg – eine Crux. Obwohl der Weltmeister einwirft, im Fußball sei die Verletzungshäufigkeit höher. „Aber ich verbrauche an einem Tag drei Rollen Tape-Band“, konzediert er. Vieles wird eingepackt, dh. stabilisiert, vor allem das häufig malträtierte Knie.


Aber Bange machen gilt nicht. Schon gar nicht in der Ringer-Hochburg auf den Fildern. Stäbler will bis Tokio 2020 in Aktion bleiben. Weil für ihn blaue Flecken Kriegsbemalung sind. Und er sich in einer „privilegierten“ Situation befindet. Als einzige deutscher Ringer kann er dank Werbeverträgen „auf diesem Level“ von seinem Sport leben. Viel sei in Sachen Förderkonzepten versprochen worden, aber wirklich Konkretes war nicht dabei. Dafür stieg die Bundeswehr als Partner ein. Heißt im Falle eines Erfolges in der französischen Hauptstadt: „Danach eine Woche Flitterwochen und dann zum sechswöchigen Grundwehrdienst nach Hannover.“ Vom möglichen WM-Podest und der Love-Tour also nonstop „auf Stube“.

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Johannes, der kann es: Der Mann mit dem goldenen Armzug

Na bitte, es geht doch: Nachdem die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathletinnen sich lange geziert hatten, bei der Medaillenvergabe der Weltmeisterschaften in London nachhaltig in Erscheinung zu treten und das Feld auf dem Siegerpodest einzig und allein Siebenkämpferin Caroline Schäfer (Silber) überlassen hatten, stimmte das Schluss-Wochenende doch noch etwas versöhnlich. Einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die Bilanz der beiden letzten Tage aus deutscher Sicht am Schauplatz der Olympischen Spiele des Jahres 2012.

Die erste (und einzige) Goldmedaille für das Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) holte Johannes Vetter aus Offenburg. Der 24jährige schleuderte den Speer weiter alles alle anderen Konkurrenten und siegte vor den Tschechen Jakub Vadljech und Peter Frydrych. Der beständige 90-m-Werfer war als einer der Favoriten in den Wettkampf gegangen. Als sein Titelgewinn schließlich schon vor dem letzten eigenen Versuch feststand, packten den blonden Hünen mit dem gewaltigen Armzug doch die Gefühle und er musste sich verstohlen ein paar Tropfen aus den Augenwinkeln wischen.

Gleich im glänzenden Doppelpack beendeten Deutschlands beste „Könige der Leichtathletik“ ihren zweitägigen Wettkampf. Die beiden Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek sicherten sich hinter dem neuen Weltmeister, dem Franzosen Kevin Mayer, Silber und Bronze. Als blitzsauberes Strahlemädchen verließ auch Hürdensprinterin Pamela („alle nennen mich nur Pam!“) Dutkiewicz den Schauplatz des Geschehens. Ihre Bronzemedaille hinter Weltmeisterin Sally Pearson aus Australien und Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson kommentierte sie im ZDF-Interview nur mit „Ich kann das gar nicht glauben.“

Die „Mainzelmännchen“ werden auch in diesem Jahr wieder der Medienpartner der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) bei der Wahl zu den „Sportlerinnen, Sportlern und Mannschaften des Jahres“ sein und die seit vielen Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit fortführen. Und ein kleines bisschen haben sich einige Damen und Herren aus der olympischen Kernsportart, der Leichtathletik, trotz des insgesamt etwas enttäuschenden Abschneidens ja nun doch noch für diesen festlichen Event im Dezember 2017 empfohlen.

Bild: picture alliance

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Leichtathletik-WM in London: DLV-Ausbeute bisher dürftig

Leichtathleten gehörten seit den frühen Jahren der Wahlen zu Deutschlands „Sportlern des Jahres“ zu den Ausgezeichneten und mit Titeln überhäuften Sportlerinnen und Sportlern. Sei es von den frühen Anfängen in den 1950er Jahren mit den Sprintern Heinz Fütterer oder Manfred Germar über die „Eisenwerfer“ wie Uwe Beyer, die Mittelstreckler wie Harald Schmid bis hin zu den Speerwerferinnen wie etwa Steffi Nerius oder Christina Obergföll: Wann immer die von Deutschlands Sportjournalisten Auserkorenen im Rampenlicht standen, waren Vertreterinnen und Vertreter der olympischen Kernsportart dabei.
Danach sieht es im Moment zur Halbzeit der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London zumindest noch nicht aus. Eine einzige Medaille steht vier Tage vor Schluss in der „Ertragsliste“ des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV. Siebenkämpferin Caroline Schäfer sorgte mit ihrer unerwarteten Silbermedaille bisher für das deutsche Highlight der Welttitelkämpfe in der britischen Hauptstadt.
Athleten wie Kugelstoßer David Storl oder Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, bisher in den Vorjahren immer eine „Bank“ des DLV-Aufgebotes für den Sprung aufs Treppchen, verpassten entweder den Endkampf oder absolvierten zur eigenen Enttäuschung einen „Salto Nulle“ ohne gültige Höhe. Diskus-Riese Robert Harting muss trotz Schindens und Quälens in der Reha nach langwierigen Verletzungen und Operationen erkennen, dass sein Körper nun offenbar den daraus resultierenden Tribut fordert. Und auch im Speerwerfer der Frauen, in dem vor zwei Jahren in Peking noch vier deutsche Vertreterinnen im Wettbewerb glänzten, reichte es dieses Mal durch die einzige Endkampf-Teilnehmerin Katharina Molitor nur zu Rang sieben.
Doch noch sind vier Wettkampf-Abende zu absolvieren. 3000-m-Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause könnte im Endlauf am Freitag für ein erfreuliches Ergebnis aus Sicht des DLV-Teams sorgen. Zu allem Überfluss muss sich die schwarz-rot-goldene Delegation auch noch mit medizinischen Problemen herum schlagen. Ein Magen-Darm-Virus grassiert im deutschen Lager und schwächt die Athletinnen und Athleten. Bleibt nur zu hoffen, dass das böse Virus den erfolgreichen Auftritt der deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten im Dezember dieses Jahres in Baden-Baden nicht noch entscheidend beeinflusst.

Bild: picture alliance

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Laura und Kira im Beach-Orbit

Bei der Gala „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden 2016 ehrten die Gäste ergriffen mit Standing Ovations das Duo Laura Ludwig/Kira Walkenhorst als „beste Mannschaft“. Momente der Rührung für das goldige Beachvolleyball-Team, in Rio de Janeiro unschlagbar. Ein gutes halbes Jahr später feierten 10 000 Fans auf der Wiener Donau-Insel den WM-Coup der deutschen Sand-Spezialistinnen. Nach einem 2:1 im Finale gegen die USA. Während Laura und Kira bei Olympia wie auf einer Wolke in höchste Sphären geschwebt waren, verlief das Jahr 2017 mit mehr Tiefen und Höhen. Beide saßen häufiger in Behandlungsräumen als in der Trainingshalle. Noch in Wien zu sehen an der dick getapten Schulter von Angriffsspielerin Walkenhorst. Abwehr-Künstlerin Ludwig, bei der Sportler-Ehrung den Arm in einer Schlinge, empfand die Goldmedaille von Wien deshalb als besonders wertvolles Gut. Sie puschte ihre Partnerin emotional, vor allem aber servierte sie die besten Pässe zentimetergenau – und das aus höchster Bedrängnis. 2015 der EM-Titel, 2016 olympisch geadelt, 2017 auf dem höchsten WM-Treppchen: Ludwig/Walkenhorst haben sich endgültig in den Beach-Orbit katapultiert. So kann es weitergehen. Zum Beispiel auch, wenn die deutschen Sportjournalisten zum Jahresende erneut über die „Mannschaft des Jahres“ sinnieren. Am 17. Dezember in Baden-Baden ist Show-Time in der Kurstadt.

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