Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Juni 2017

Start zur Tour: Aus Düsseldorf über Frankreich nach Baden-Baden

Sie ist die größte Sportveranstaltung nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft. In mehr als 100 Jahren hat sie Mythen-Staus erreicht und Helden geboren. In diesem Jahr macht sie sich von deutschem Boden aus auf den Weg zur dreiwöchigen „Großen Schleife“: 198 Radprofis aus 22 Mannschaften gehen am Samstag mit einem Zeitfahren über 13 Kilometer an den Start der Tour de France. Das unvergleichliche Spektakel mit seinem gewaltigen Tross aus Radprofis, Begleitfahrzeugen, Sicherheitskräften, Werbekarawane stellt Jahr für Jahr Frankreich im Ferienmonat Juli auf den Kopf.
Der Start des wichtigsten Radrennens der Welt, von den im Umgang mit Superlativen nicht gerade zimperlichen Franzosen „Grand Départ“ (also großer Aufbruch) getauft, findet zum vierten Mal in Deutschland statt. Zuvor war der Tour-Auftakt 1965 in Köln, 1980 in Frankfurt/Main und 1987 im damaligen West-Berlin über die Bühne gegangen. 3540 Kilometer quer durch Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich müssen in diesem Jahr absolviert werden. Erstmals seit 1992 überqueren die Fahrer in diesem Jahr die fünf wichtigsten Gebirgsmassive Frankreichs: die Vogesen, den Jura, die Pyrenäen, das Zentralmassiv und die Alpen.
Und mittendrin nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern als aussichtsreiche Pedaleure bei den Etappen-Ankünften auch wieder die besten deutschen Radprofis. Vor allem der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin aus dem Team Katjuscha-Alpecin wird am Samstag am Düsseldorfer Rheinufer im Fokus der deutschen Fans stehen. Der ausgewiesene Spezialist im Kampf gegen den Sekundenzeiger möchte nur allzu gerne als Erster in diesem Jahr in das sagenumwobene „Gelbe Trikot“ des Gesamtführenden der Tour schlüpfen. „Die Strecke ist wie ein Jackpot für mich“, hat sich Martin im Vorfeld der „Grande boucle“ geäußert. Schätzungsweise 100.000 Menschen werden ihn bei seinem Vorhaben am Samstagnachmittag am Rheinufer anfeuern und unterstützen.
Neben dem Zeitfahr-Ausnahmeathleten Martin werden es vor allem die Sprinter wie André Greipel, (Team Lotto-Soudal) Frühjahrsklassiker-Spezialist John Degenkolb (Trek-Segafredo) oder auch Debütant Rick Zabel, (Katjuscha-Alpecin) der Sohn des früheren Telekom-Kapitäns Erik Zabel, sein, die von den deutschen Radsportfans besonders begutachtet werden. Greipel, der im vergangenen Jahr die Prestige-trächtige Schlussetappe auf den Champs Elysees gewann, möchte auch in diesem Jahr unbedingt wieder einen Tages-Erfolg mit nach Hause bringen. Zudem vertrauen viele Kapitäne aus den besten Teams auf deutsche Helfer. Wie auch der Brite Chris Froome. Einer der „Edel-Domestiken“ des Titelverteidigers und „Sky“-Stars wird der mittlerweile 36jährige Christian Knees sein.
Einen deutschen Gesamtsieger wird es, 20 Jahre nach Jan Ullrich, in diesem Jahr nicht geben. Aber vielleicht sieht man einen aus der Garde der Routiniers und hoffnungsvollen Talente auch im Dezember bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ wieder. Zu wünschen wäre es dem deutschen Radsport.

Bild: picture alliance

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