Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: September 2016

Angelique Kerber…

  • Publiziert in Sdj News

…Baden-Baden als neuer Centre Court?

In der historischen Romanreihe „Angelique“ ist die Titelheldin eine Figur, die zur Zeit des „Sonnenkönigs“ Louis Quatorze durch unbändigen Willen ihr Schicksal bestimmt und es in die Hand nimmt. Ob die junge Frau Kerber gleichen Vornamens im Jahr 1988 als neue Erdenbürgerin von ihren Eltern in weiser Voraussicht mit diesem schönen Vornamen bedacht wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Fest steht jedoch: Neben Talent, Fleiß, manchmal auch etwas Glück, vor allem aber mit viel, viel Willen, sich durch zu beißen, wäre Angelique Kerber jetzt nicht das, was sie seit Beginn dieser Woche ist: Die neue Nummer eins der Tennis-Weltrangliste und damit – de facto und de iurae – die beste Tennisspielerin der Welt.

Vier große Endspiele hat die gebürtige Bremerin, die in Kiel aufwuchs, 2016 bestritten. Bei zweien davon, den Finals der Australien Open und der US Open, hat sie den Court als Triumphatorin verlassen. Bei Olympia und in Wimbledon kann sie das noch nachholen. Denn mit 28 Jahren ist sie durchaus in der Lage, die Konkurrenz eine Weile lang in Schach zu halten. Serena Williams und Co. wissen jedenfalls, was auf sie zukommt: „Ich werde alles dafür tun, so lange wie möglich auf dieser Position zu bleiben“, ließ Deutschlands neue Tenniskönigin wissen, als sie aus dem US-Tennismekka Flushing Meadow wieder nach Hause kam.

Nach einem Jahr, das der blonden Filzball-Dompteurin wie ein einziges Märchen mit glücklicher Fügung vorkommen muss, stand nach dem Wettkampfstress der vergangenen Wochen mit Olympia und US Open jetzt erst einmal Urlaub an: Karibik, Sonne tanken, „und einfach nur alles genießen. Jeden Augenblick.“ Denn darauf, dass der unerbittliche Kollege Computer sie irgendwann eines schönes Montags morgens als die weltbeste Profi-Spielerin ausspucken würde, „habe ich mein Leben lang hin gearbeitet. Das war immer mein Ziel gewesen. Und jetzt kam alles zusammen mit dem Sieg bei den US Open. Besser hätte man es nicht planen können.“

Planen kann sie aber jetzt schon für den 18. Dezember. An diesem Tag kann sie zum zweiten Mal in diesem Jahr die Nummer eins werden. Dann aber die Nr. 1 bei der Wahl von Deutschlands Fachpresse zur „Sportlerin des Jahres.“ Kann Angelique die Bühne im Kurhaus von Baden-Baden zu ihrem persönlichen Centre Court umfunktionieren? Trotz mehrerer „Goldkinder“ von Rio gilt die Tennis-Queen als Favoritin für den Titel.

Bild: Picture Alliance

weiterlesen ...

Der Speer ist weg

  • Publiziert in Sdj News

Jetzt ist Christina nur noch Spitze!

Lange war sie Deutschlands Speerspitze dieser Sportart gewesen. Bei vielen nationalen Titelkämpfen. Bei Welt- und Europameisterschaften. Ab sofort ist sie nur noch Spitze. Ohne Speer. Für ihre Familie, Ehemann Boris, Sohn Marlon, ihre Freunde, ihr Privatleben. Denn den Speer hat Christina Obergföll jetzt in die Ecke gestellt. Für immer. Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ und Weltmeisterin von 2013 hat ihren Abschied vom Leistungssport bekannt gegeben und stilvoll vollzogen. In Baden-Baden sind sie und ihr Ehemann und Trainer, dem sie neben dem Ehe-Ring auch noch nebenbei „in einem Aufwasch“ den Namen Obergföll „verpasst“ hatte, immer gern gesehene Gäste. Und Christina ist eine Athletin, die mit ihrer Meinung, ihren Aussagen nie um konkrete Formulierungen verlegen war.

Ihren Abschied gestaltete sie nach Maß. Wie vom Regiepult aus gesteuert. Mit einem Sieg bei einem der bedeutendsten Leichtathletik-Stadionfeste, dem ISTAF in Berlin, nahm sie Anfang September noch einmal die Ovationen des Publikums entgegen. Selbst die kroatische Olympiasiegerin Sara Kolak musste an diesem Tag neidlos die Überlegenheit der 35jährigen von der LG Offenburg anerkennen. Als Achte hatte sie zuvor in Rio ihren letzten olympischen Wettkampf mit einer Finalteilnahme beendet.

Nachdem sie unter dem Applaus ihrer Konkurrentinnen und des Publikums den allerletzten Speer in die Berliner Luft geschleudert und dann auch noch eine Ehrenrunde absolviert hatte, war es für ein paar Minuten um ihre Fassung geschehen. Aber sie fand auch zu diesem Ereignis schnell wieder die passenden Worte: „Es war echt geil! Es war sensationell emotional. Es war sehr, sehr schön“, meinte Obergföll, die ihrer Disziplin in Deutschland ein Gesicht verliehen hatte. Mit insgesamt sieben Medaillen bei Olympischen Spielen (2), Weltmeisterschaften (3) und Europameisterschaften (2) stellte sie eine einsame Bestmarke auf. In Erinnerung wird vor allem ihr Gold-Wurf von 2013 in Moskau bleiben.

In Baden-Baden gehören Christina und Boris Obergföll seit vielen Jahren fast schon „zum Inventar.“ Und sie waren keine von denen, die sich frühzeitig zurückzogen. „Wer trainieren und Wettkampfstress ertragen muss, der darf auch einmal richtig feiern“, sagte die stets lebenslustige Badenerin einmal bei einer Pressekonferenz. Und auch auf diesem Parkett war sie eine perfekte Speerspitze gewesen…

Bild: picture alliance

weiterlesen ...

Olympia 2016: Eine Bilanz…

  • Publiziert in Sdj News

…(nicht nur) nach Medaillen!

Die Rio-Reiser sind zurück, der segnende Christus über der brasilianischen Metropole hat (zumindest im übertragenen Sinne) seine ausgebreiteten Arme über den Athleten wieder geschlossen. Was bleibt nach 16tägigem Wettkampf-Stress aus der Sicht des Aufgebotes des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)? Misst man die ersten olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden nur an der Medaillenbilanz, dann kann die schwarz-rot-goldene Delegation durchaus zufrieden sein: Rang fünf in der Nationenwertung. 42 Medaillen insgesamt, davon 17 Goldene, zehn Silberne und 15 mal Bronze.
Aber Olympia ist nicht nur die Bilanz einer Gesandtschaft von Sportlern. Einer Delegation quer durch alle Wettbewerbe. Die Spiele sind nicht nur ein statistisches Leistungs-Resümee von einzelnen Athleten. Von Mannschaften und von scheinbar zusammen gewürfelten Haufen wie dem der Fußballer, die erst am Ende zu einer Einheit wurden. Olympia ist vor Allem das Schaufenster und der mediale Präsentierteller von Sportarten, die innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren maximal in diesen 16 Tagen jene Wertschätzung erfahren, die sie durch Training, Einsatz, persönliche Opferbereitschaft und private Entbehrungen ihrer Protagonisten eigentlich verdienen.

Wer wird sich in wenigen Wochen noch an Schützin Barbara Engleder erinnern, die nach ihrem Gold im Dreistellungskampf im schönsten Niederbayerisch gestand „I brauch heut‘ abend noch a Weißbier.“ Eine von vielen wunderbaren, berührenden Geschichten Olympias. Denn dass die 33jährige überhaupt antreten konnte, stand bis kurz vor den Spielen noch auf der Kippe. Zwei ihrer Waffen, mit denen sie in Rio an den Schießstand sollte, waren vom Hochwasser in ihrer Heimat beschädigt worden. „Die sand beide unterganga.“ Aber dank der Hilfe ihres Ausrüsters sei sie dann doch noch mit wettkampffähigem Material angereist.

Oder die von vielen Emotionen begleitete Medaillenflut der Kanuten. Eine Equipe, die das Trauma des Unfalltods ihres Trainers Stefan Henze verarbeiten musste und sich doch in diesem Wechselbad der Gefühle auf ihr persönliches sportliches Highlight konzentrieren sollte. Da wäre auch noch die Geschichte des Kunstturners Andreas Toba, der mit einem Kreuzbandriss ans Pauschenpferd humpelte, unter größten Schmerzen seine Übung durchturnte, um seiner Riege die Teilnahme am olympischen Finale zu ermöglichen. Unter Tränen gestand er später, dass „das Herz mehr schmerzt als das kaputte Knie.“

Es sind viele andere Athletinnen und Athleten, die an dieser Stelle eine Würdigung verdient hätten. Aufgrund ihres Erfolges, ihres Einsatzes, vielleicht aber auch nur wegen ihres Pechs. Einfach aufgrund der Tatsache, dass Sport nicht planbar und (Gott sei Dank) nicht vorausberechenbar ist. All das wird auch noch einmal aufleben, wird Revue passieren in vielen Bild- und Ton-Sequenzen beim „Sportler des Jahres 2016“ im Dezember in Baden-Baden. Dann, wenn Olympia, und vor allem seine großen und kleinen Helden noch einmal ein Gesicht bekommen. Nicht nur jene, die sich in den statistischen Buchhalter-Bilanzen als Medaillen-Gewinner unter den fünf Ringen eingeschrieben haben.

Bild Picture Alliance

weiterlesen ...
Diesen RSS-Feed abonnieren