Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Februar 2016

„Täve“ Schur wird 85

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Ein Mann, ein Land, ein Markenzeichen: Radsport-Legende „Täve“ Schur wird 85

Unter seinem „bürgerlichen“ Vornamen Gustav Adolf kennen ihn nur ganz wenige Personen. Menschen aus seinem engsten persönlichen Umfeld eben. Wenn dann aber statt dessen von „Täve“ die Rede ist, dann muss man den Nachnamen Schur eigentlich schon gar nicht mehr hinzu fügen, um zu wissen, um wen es sich handelt.
Denn „Täve“ ist bei den Radsportlern, vor allem aber bei vielen älteren Menschen der ehemaligen DDR,  ein Markenzeichen wie  es „Kaiser Franz“ bei den Fußballern oder „Schumi“ bei den Motorsportlern ist. Der stets freundliche und aufgeschlossene  ältere Herr  dieser Tage gilt aber nicht nur als erfolgreicher Athlet auf zwei Rädern, sondern als die wohl  größte Sportlegende, die die DDR in ihren vier Jahrzehnten heraus gebracht hat. Am 23. Februar wird  der Mann, der auch im hohen Alter noch fit geblieben ist, 85 Jahre alt.

Wenn sich am letzten Sonntag vor Weihnachten in Baden-Baden  Deutschlands Sportlerfamilie zum großen Ball und zur Ehrung der Besten des vergangenen Jahres trifft, dann ist es für „Täve“ Schur seit vielen Jahren eine lieb gewordene Verpflichtung, am „Tor zum Schwarzwald“ an zu klopfen, wo man ihm immer wieder gerne Einlass gewährt. Denn Schur kommt nicht nur als einer der rund 700 Geladenen, sondern quasi auch als Botschafter seiner Heimat. Und das tut er nie mit leeren Händen. Stets hat er für die Organisatoren vom „Sportler“ einen original Kuchen aus seiner heutigen anhaltinischen Heimat dabei.

Es sind nicht nur die persönlichen Siege  (Weltmeister 1958 und 1959, zweimaliger Gewinner der Friedensfahrt, des größten Amateur-Etappenrennens jener Zeit) die aus ihm mehr als nur einen erfolgreichen Sportler gemacht haben. Täve Schur ist zu einer  Person der Zeitgeschichte (gemacht) geworden. Mit seiner einfachen, bescheidenen Art gab er vielen Menschen während 40 Jahren Sozialismus das Gefühl einer von Ihnen zu sein. Und keiner von den Parteibonzen aus dem Politbüro. Immer dann, wenn der gelernte Mechaniker mal wieder irgendwo einen großen Sieg eingefahren hatte, dann waren seine vielen Anhänger und Bewunderer  hinter dem „Eisernen Vorhang“  selbst alle „ein bisschen Täve“.

Schur war und ist aber auch ein Mann der Politik. Er saß lange Jahre als Angeordneter in der DDR-Volkskammer und nach der Wende für die SED-Nachfolgepartei, die „PDS“,  im Deutschen Bundestag.  Noch heute fährt Schur, wenn das Wetter mitspielt, lieber mit dem Rad als mit dem Auto, um fit zu bleiben. Am kommenden Wochenende wird er dazu allerdings keine Gelegenheit haben, denn dann steht die Geburtstagsfeier zum 85. Wiegenfest an. An einem Ort, der nicht besser geeignet sein könnte für diese öffentliche Laudatio: Im Friedensfahrt-Museum von Kleinmühlingen in Sachsen-Anhalt nämlich.

Und den Kuchen für die Sportler-Gala am 16. Dezember in Baden-Baden, den wird er sicher auch in diesem Jahr nicht vergessen.

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Nicht aufzuhalten

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Die „Mannschaft des Jahres“ auch 2016 in Topform

Die deutschen Nordisch Kombinierer bleiben weiter auf Erfolgskurs und bestimmen auch in dieser Saison das Geschehen fast nach Belieben. Beflügelt von der Auszeichnung zur „Mannschaft des Jahres“ im Dezember in Baden-Baden eilen Ausnahmeathlet Eric Frenzel und seine Kameraden auch im Jahr 2016 von Erfolg zu Erfolg, sind sie auf dem Balken und in der Loipe nicht zu bremsen. Zuletzt in Lathi feierte Eric Frenzel bereits seinen 30.Weltcupsieg, setzten sich Fabian Rießle und Johannes Rydzek im Teamsprint durch und erreichte Rießle zudem seinen dritten Weltcuperfolg. Nur bei Tino Edelmann läuft es noch nicht nach Wunsch, doch dafür kommt der Schwarzwälder Manuel Faißt immer besser in Tritt.

„Auf meine Schützlinge kann ich wirklich stolz sein“, strahlt der Bundestrainer und „Goldschmied“ Hermann Weinbuch. Besonders der 27-jährige Eric Frenzel ist und bleibt ein Phänomen. Wie der Olympiasieger von Sotchi seine Wettbewerb gestaltet und durchzieht, das stempelt ihn zu einem Vorzeigeathleten. Gelingt ihm einmal nicht ein Sprung optimal, dann richtet er es noch in der Loipe und stürmt zumeist als Sieger ins Ziel. So war es auch in Seefeld, als er bereits zum dritten Mal in Folge das berühmte „Triple von Tirol“ gewann und er damit Geschichte schrieb. Im Gesamtweltcup steht der Vater von zwei Söhnen vor seinem vierten Erfolg und das gelang bisher nur dem Finnen Hannu Manninnen. Für den Sportsoldat aus Oberwiesenthal scheinen also keine Grenzen gesetzt.

Dich dahinter beweisen auch immer wieder der Schwarzwälder Fabian Rießle und der Allgäuer Johannes Rydzek ihre außerordentliche Klasse. Fabian Rießle arbeitete sich zuletzt durch seinen Erfolg in Lathi im Gesamtweltcup bis auf die dritte Stelle hinter dem Japaner Akito Watanabe vor, zeigte sein Durchhaltevermögen speziell in der Loipe. Zudem war es sicher kein Zufall, dass er mit Johannes Rydzek auch den Teamsprint gewann. Gerade diese Beiden ergänzen sich ideal und trugen auch im letzten Jahr zum so lange ersehnten WM-Titel in der Teamwertung bei. Auf einen WM-Titel müssen beide in diesem Jahr aber verzichten, da nur alle zwei Jahre in der Nordischen Kombination eine Weltmeisterschaft stattfindet.

Freilich folgen bis zum Saisonende noch gehäuft Wettbewerbe und bereits am Wochenende geht es in Val de Fiemme weiter. Dort hofft auch Tino Edelmann aus seinem Tief zu kommen und wieder Anschluss an die Weltspitze zu schaffen. Dafür hat sich Manuel Faißt in den letzten Monaten stetig verbessert, doch fehlt es noch an der Feinabstimmung bei der Landung im Sprung. „Irgendwo gibt es eben immer an Kleinigkeiten zu feilen“, resümiert Bundestrainer Hermann Weinbuch, der permanent das Weh und Wohl seiner Schützlinge im Auge hat.

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Rekord auf der Heimbahn

Sechs Titel in sieben Rennen an drei Tagen. Das ist die beeindruckende Bilanz der deutschen Rodler bei der Heim-WM am bayerischen Königssee. Überragender Mann im Schlitten war Felix Loch: Der Olympiasieger, der nur wenige Minuten von der Bahn entfernt wohnt, holte in seinem „Wohnzimmer“ den fünften WM-Titel. Somit fehlt dem 28 Jahre alten Bayern lediglich ein Titel, um mit Rekord-Weltmeister Armin Zöggeler gleichzuziehen.

„Wir haben hier Heimvorteil gehabt - und den auch genutzt“, freute sich Bundestrainer Norbert Loch über die Rekord-Sammlung seiner Schützlinge. Zur selbsternannten „Trainingsgruppe Sonnenschein“ gehören neben Sohn Felix die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie Natalie Geisenberger. Die vier Rodler schwitzen regelmäßig zusammen im Kraftraum und legen bereits im Juli die Grundlage für ihre Erfolge im Winter. Die Schinderei hat sich gelohnt: Wendl/Arlt holten sich den erhofften Sieg. Für das eingespielte Duo war es bereits der zweite WM-Titel auf ihrer Heimbahn, nachdem sie einen Tag zuvor bereits im neu ausgetragenen Sprint zu Gold gefahren waren.

Der Sprint-Wettbewerb ist nicht-olympisch und wird im Rodel-Weltcup seit der vergangenen Saison ausgefahren – am Königssee ging es erstmals um WM-Medaillen. Die Entscheidung fällt dabei ausschließlich in einem Wertungslauf, die Zeitmessung beginnt mit dem sogenannten Fliegenden Start etwa 100 Meter nach der Startrampe. Mit der Premiere des Sprint-Rennens wurden am Königssee erstmals insgesamt sieben Goldmedaillen bei einer Rodel-WM vergeben.

Der neue Wettbewerb wurde überraschenderweise Favoritin Natalie Geisenberger zum Verhängnis: Die Münchnerin musste sich der Schweizer Sprint-Königin Martina Kocher geschlagen geben. Ihr Einzelsieg gab der 27 Jahre alten Rodlerin indes das nötige Selbstbewusstsein für das erfolgreiche Abschneiden bei der abschließenden Teamstaffel. „Ich hab mich so gefreut, noch mal mit den Jungs fahren zu dürfen bei dieser Kulisse hier“, erklärte Geisenberger, „ich glaube, uns ist was Historisches gelungen“. Tatsächlich siegte das deutsche Team mit Loch, Geisenberger und Wendl/Arlt im Doppelsitzer mit 1,5 Sekunden Vorsprung vor den Letten – und holte sich damit den sechsten Titel bei einer Rodel-WM, einen neuen Bestwert. Noch nie zuvor war es einer anderen Nation als Deutschland gelungen, den Team-Wettbewerb zu gewinnen.

Die beeindruckende Bilanz auf der Heimbahn ist lediglich mit einer Auszeichnung zu überbieten: Dem Titel „Mannschaft des Jahres“ bei der diesjährigen Sportler-des-Jahres-Gala in Baden-Baden.

Bild: picture alliance

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Die neue Gräfin des deutschen Tennis

„Angelique, du bist der Wahnsinn – ich möchte dich heiraten“, twitterte Andrea Petkovic nach dem Sieg ihrer deutschen Tennis-Kollegin bei den Australian Open. Ein schöneres Kompliment kann es für Angelique Kerber kaum geben: Die 28 Jahre alte Kielerin mit den langen blonden Haaren holte sich Down Under ihren ersten Grand-Slam-Titel – 17 Jahre nach dem letzten großen Turniersieg von Steffi Graf bei den French Open.

In Melbourne bewies die deutsche Nummer eins Nervenstärke – gegen keine geringere als die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA. Kerber lag im wohl wichtigsten Match ihrer Karriere zunächst mit 3:1 vorn. Williams gelang zwar der Ausgleich, die 34-Jährige machte jedoch mehr Fehler als gewohnt. Somit schaffte die Deutsche zum 4:3 erneut ein Break und holte sich wenig später mit eigenem Aufschlag den ersten Satz. Die Favoritin steigerte sich danach und dominierte mit ihrem aggressiven Spiel und dem stärkeren Service die Partie. Kerber verlor dagegen ihren Aufschlag zum 1:3 und konnte diesen Rückstand nicht mehr wettmachen. Die 28-Jährige ließ sich davon nicht beeindrucken und führte im entscheidenden Durchgang 2:0 und 5:2. Beim 5:3 schlug Kerber zum Titel-Gewinn auf, gab ihren Service jedoch ab. Dennoch blieb die deutsche Nummer eins mental stark und konterte mit einem weiteren Break. Nach gut zwei Stunden stand der Sieg nach dem ersten Matchball fest: Angelique Kerber setzte sich im Finale von Melbourne gegen Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4 durch.

Dank einer läuferisch und spielerisch außergewöhnlichen Leistung bezwang die Norddeutsche mit polnischen Wurzeln die Weltranglisten-Erste, die der Siegerin ihren größten Respekt zollte: „Ich bin so glücklich für dich, du verdienst es.“ Verzückt hat Kerber mit ihrem Triumph nicht nur sich selbst, sondern auch die deutsche Tenniswelt. Nach dem letzten Grand-Slam-Titel von Steffi Graf im Jahr 1999 darf erstmals wieder eine Deutsche den silbernen Pokal küssen. Ein großer Suchmaschinenanbieter adelte Kerber daraufhin als „neue Gräfin des deutschen Tennis“. Tatsächlich ähnelt das druckvolle Spiel der Kielerin dem der deutschen Legende, die ihr vor dem entscheidenden Match geraten hatte: „Sei einfach du selbst.“ „Angie“, wie Angelique Kerber von ihren Fans genannt wird, hat mit der Daphne Akhurst Memorial Trophy ihren ersten großen Titel errungen – und damit den Rekord ihres Idols Steffi Graf von 22 Grand-Slam-Turniersiegen gegenüber Serena Williams verteidigt: Die Sammlung der USA-Amerikanerin umfasst lediglich 21 Trophäen.

Bild: picture alliance

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Handball EM Titel

Deutschlands Handball-Jungs: Die schmackhaftesten Krakauer seit Langem. Diese „Krakauer“ hat allen deutschen Handballfans wohl so gut geschmeckt wie noch nie eine der beliebten Wurst-Delikatessen zuvor. Im Finale vor 15.000 Zuschauern in Polens heimlicher Hauptstadt gegen Ex-Weltmeister Spanien krönte die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Sonntag abend ein denkwürdiges Turnier. Beim 24:17 (10 :6) ließ das jüngste Team mit 16 EM-Debütanten dank einer phantastischen Abwehrleistung und eines überragenden Torwarts Andreas Wolff den Iberern nicht den Hauch einer Chance. Gold in Polen, die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele und beste Aussichten auf den Titel „Mannschaft des Jahres“ im Dezember waren der Lohn für eine Leistung, die niemand dieser ersatzgeschwächten Truppe zuvor zugetraut hätte.

Die Namen der der einzelnen Aktiven waren zuvor wohl nur den absoluten Experten dieser Sportart ein Begriff gewesen. Das Team aber ist spätestens seit diesem Wochenende in aller Munde. Deutschlands Handballer, für Olympia 2012 und die EM 2014 erst gar nicht qualifiziert und zur WM 2015 nur dank einer Wildcard „durch die Hintertür“ zugelassen, schrieben bei der Europameisterschaft 2016 in Polen ein neues „Wintermärchen“, als niemand das von dieser personell geschwächten DHB-Auswahl erwartete. Es war der erste Titel seit der „Schnauzbart-WM“ 2007 unter Bundestrainer Heiner Brand und die erste Europameisterschaft seit 12 Jahren.

Ohne die verletzten Stützen Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Paul Drux und Patrick Wiencek angereist, musste die „Truppe der Namenlosen“ von Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach dem letzten Hauptrundenspiel auch noch auf die verletzten Steffen Weinhold und Christian Dissinger verzichten. Egal. „Bei uns fehlt keiner, es spielen nur ein paar Andere“ gab der in Polen zum großen Rückhalt des Teams gewordene Torwart Andreas Wolff die Parole aus. Und so blieb es auch dem nach nominierten Hannoveraner Kai Häfner vorbehalten, beim Nerven aufreibenden Halbfinal-Krimi gegen den zweifachen Europameister Dänemark den entscheidenden, letzten Treffer zu setzen. Fünf Sekunden vor Schluss zum 34:33 in der Verlängerung.

Die Mannschaft ohne Stars, aber mit ein paar wesentlichen Leistungsträgern wie Torwart Wolff, dem „Mann ohne Nerven“ vom Siebenmeter-Punkt, Tobias Reichmann oder dem als Kapitän eingesprungenen Steffen Weinhold, wuchs unter dem Isländer Dagur Sigurdsson zu einem verschworenen Haufen. „Junge Wilde“, die nichts zu verlieren hatten, aber sich mit beherztem Auftreten und unbeugsamem Siegeswillen Spiel für Spiel in die Herzen der Zuschauer kämpften und warfen, entfachten in Deutschland wieder eine Handball-Euphorie. Auch wenn es noch fast elf Monate bis zum alljährlichen „Laufsteg“ in Baden-Baden sind: Diese Truppe ist ein ernsthafter Kandidat für den Titel „Mannschaft des Jahres 2016“. Trotz Fußball-EM im Sommer dieses Jahres.

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