Timo gegen die chinesische Mauer

Die Tischtennis-WM in Düsseldorf: Das Casting der Weltbesten im Mai und Juni hierzulande geht weiter. Kaum haben die Puckjäger mit dem schwedischen Tre-Kronor-Team bei der Eishockey-WM in Köln und Paris den neuen Champion ermittelt, wird das Spielgerät jetzt „ein wenig“ leichter und die Farbe wechselt von schwarz auf weiß: Zelluloid (zumindest manchmal noch) steht jetzt im Blickpunkt der faszinierenden Duelle an der Tischkante, wenn die Handgelenk-Artisten mit kaum wahrnehmbaren Aufschlag- und Retour-Varianten Gegner und Zuschauer verblüffen. Die große Show an den Tischtennis-Platten heißt – wen wundert es – wieder einmal: China gegen den Rest der Welt.

Bis zum 5. Juni geht es in Düsseldorf in insgesamt fünf Konkurrenzen bei Damen und Herren für die deutschen Fans vor allem darum, ob die beiden Aushängeschilder Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov eine Chancen haben werden, den Platzhirschen aus dem fernen Osten wirklich Angst und Schrecken ein zu jagen und in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Doch die Auslosung sorgte schon einmal für lange Gesichter beim Team von Bundestrainer Jörg Rosskopf, gemeinsam mit „Speedy“ Fetzner vor mittlerweile 25 Jahren Olympiasieger in Barcelona.

Im Doppel mit Chinas Topstar Ma Long droht Boll gegen das chinesische Top-Duo ein frühes Aus. Und im Einzel könnte er es schon im Viertelfinale mit seinem Doppelpartner zu tun bekommen. Immer vorausgesetzt, die Favoriten setzen sich in den Vorrunden durch. Boll, auch bei seinen vielen Auftritten bei der Wahl zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ immer ein gern gesehener und ebenso liebenswerter wie bescheidener Gast, nahm es mit Humor: "Ich bin wirklich kein Glücksritter", formulierte er es fatalistisch nach der Einzelauslosung bei der kleinen WM-Eröffnungsfeier im Logenbereich der Arena des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf mit Galgenhumor: "Ich kann nur versuchen, das Beste daraus zu machen."

Bolls tapferes Lächeln wirkte jedoch eher gequält, gilt doch das Doppel in Düsseldorf als seine letzte Chance, noch einen WM-Titel zu gewinnen.  Egal wie auch immer, die deutschen Fernsehzuschauer müssen nicht wie bei der Eishockey-WM auf Übertragungen bei den Öffentlich-Rechtlichen Fernseh-Anstalten verzichten. In den regelmäßigen Magazin-Sendungen am frühen Morgen und mittags ab 13 Uhr wird die WM ein fester Bestandteil sein. Und sollte die Medaillenvergabe doch unter deutscher Beteiligung über die Bühne gehen, ist auch eine Live-Einblendung geplant. Und Timo Boll oder Dimitrij Ovtcharov könnten sich schon einmal auf den „Sportler“ Ende Dezember in Baden-Baden einstellen.

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