WM: Deutsch­lands Puckjäger hoffen auf den Draisaitl-Effekt

Eishockey wenn die Maiglöckchen blühen? Das ist ungefähr so wie Wasserball bei der Vierschanzentournee! Doch allen kalendarischen Unbilden zum Trotz hat die schnellste Mannschaftssportart der Welt, das rasante Spiel mit der knallharten Hartgummi-Scheibe, derzeit einen festen Platz in den Herzen der deutschen Sportfans. Der Grund dafür ist einfach: Bei der Weltmeisterschaft in Köln und Paris hat Mit-Ausrichter Deutschland das Viertelfinale im Visier. Nach dem 4:1-Triumph über Italien am Wochenende muss dafür aber auch noch ein Erfolg über Lettland am Dienstagabend her.


Die deutschen Hoffnungen haben dabei einen Namen: Leon Draisaitl. Der NHL-Star, seit Donnerstag im Rennen um den Stanley-Cup ausgeschieden, entschied sich spontan, über den großen Teich zu jetten und die Truppe von Bundestrainer Marco Sturm mit seinem Können und seinem Willen zu unterstützen. Gegen Italien war er noch nicht unter den Torschützen, doch alle Augen sind nun auf den Superstar des deutschen Eishockeys gerichtet. "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich wollte der Mannschaft unbedingt helfen", sagte der erschöpfte Draisaitl, der erst am Samstagmorgen aus Kanada kommend in Frankfurt gelandet war, nach der Partie.


Die Puckjäger „ziehen“ zu einer Jahreszeit, in der auch die Entscheidungen in der Fußball-Bundesliga fallen. 18.500 Zuschauer sahen am Samstag das 4:1 der „Adlerträger“ über die „Squadra Azzura“ und waren danach völlig aus dem Häuschen. Dabei schienen die Träume vom Viertelfinale nach der Niederlage in der Overtime gegen Dänemark schon geplatzt. Jetzt aber fiebert alles der entscheidenden Partie gegen die starken Letten am Dienstag entgegen.


Die deutschen Eishockey-Cracks sind immer für eine Überraschung gut. Nicht nur auf dem Eis, sondern auch dann, wenn alle Jahre wieder Deutschlands Sportler des Jahres gewählt werden. Als die deutsche Vertretung im Jahr 2010 bei der WM auf einen sensationellen dritten Platz kam, honorierten Deutschlands Sportjournalisten das mit dem gleichen Ergebnis bei der Wahl der Mannschaften. Was der Vertretung unter dem damaligen Bundestrainer Uwe Krupp gelang, das könnte sein Nachfolger Marco Sturm jetzt mit Draisaitl und Co. wiederholen. Denn wenn gegen die Letten wirklich der Einzug unter die acht besten Eishockey-Teams der Welt gelingen sollte, dann ist alles möglich.
Auch im Dezember dieses Jahr in Baden-Baden

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