„Sie sind also der Renner“

Ehemaliger Weltklassesprinter Heinz Fütterer wird 85 – Den Tag beginnt Heinz Fütterer seit eh und je mit der Lektüre der Badischen Neuesten Nachrichten. „Das war schon immer so und daran wird sich auch nichts mehr ändern“, sagt der Illinger, der in seiner Glanzzeit als schnellster Mann der Welt galt.

1954 war „sein“ Jahr. Der „Weiße Blitz“, der das Trikot des Karlsruher SC trug, wurde Europameister über 100 und 200 Meter und stellte als Krönung in 10,2 Sekunden den Weltrekord von Jesse Owens ein. 23 Jahre war er damals alt. Lange her. Aus dem heimatverbundenen, mit schnellen Beinen gesegneten Naturburschen ist ein rüstiger Senior geworden. Am 14. Oktober wird Heinz Fütterer 85 Jahre alt – und immer noch ist er ein begnadeter Geschichtenerzähler, der von allerlei Ehrungen in seinem bewegten Leben berichten kann – von der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts zum Beispiel. „Das war 1955 in Bonn“, erinnert sich Fütterer. „Ich wurde am Bahnhof von einem Chauffeur in einer Nobelkarosse abgeholt. Für einen jungen Kerl wie mich war das etwas ganz Außergewöhnliches.“ Es folgte die Begegnung mit Bundespräsident Theodor Heuss. „Eine beeindruckende Persönlichkeit“, sagt Fütterer. „So, so. Sie sind also der Renner“, begrüßte der Schwabe den Badener. Unvermittelt ließ Theodor Heuss sein Gegenüber wissen: „Ich hab’ nie so saue (schwäbisch für schnell laufen) könne.“ Warum? „Weil ich schon früh Einlagen in den Schuhen tragen musste.“ Heinz Fütterer kann herzhaft über dieses denkwürdige Treffen mit dem Staatsoberhaupt lachen. Einen besonderen Stellenwert hat für Fütterer die Aufnahme in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports. „Es ist eine große Ehre, neben Legenden wie Fritz Walter, Sepp Herberger und Max Schmeling verewigt zu sein.“

Bundesverdienstkreuz, Rudolf-Harbig-Preis, Goldenes Band der Berliner Sportpresse, Staufermedaille, Sportler des Jahres, olympische Bronzemedaille: Highlights in Fütterers Sammlung. Ganz oben in der Rangliste angesiedelt ist die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Heimatgemeinde Elchesheim-Illingen. Dass vor dem Rathaus eine Heinz-Fütterer-Eiche gepflanzt wurde, erfüllt ihn mit Stolz.

Dem Sport ist der Jubilar treu geblieben. Golf ist seine Leidenschaft. Wobei er das Hobby wegen einer Schulterverletzung derzeit nur bedingt ausüben kann. Auch beim Feiern lässt er es ruhiger angehen. Gab es beim 80. Geburtstag noch eine rauschende Party, wird heute im kleinen Kreis in der österreichischen Heimat von Ehefrau Ricky angestoßen.

Text: Daniel Merkel, Foto: Collet