Ironman-Weltmeister mit Vaterdienst

„Ich habe so gelitten, es war die Hölle“, klagte Ironman-Weltmeister Jan Frodeno nach insgesamt 226 Kilometern in den Beinen. Erschöpft ließ sich der Ausnahmeathlet von den beiden Triathlon-Legenden Mark Allen und Dave Scott im Ziel von Kona stützen. Der  Sportler des vergangenen Jahres hatte seinen Titel beim härtesten Langdistanz-Rennen der Welt in 8:06:30 Stunden auf Big Island verteidigt. Der gebürtige Kölner stieg nach 3,8 Kilometer Kraulen als zweiter Mann aus dem Meer, wechselte auf die 180 Kilometer lange Radstrecke durch die Lava-Wüste und anschließend gemeinsam mit seinem größten Widersacher Sebastian  Kienle in die Laufschuhe. Bis Kilometer 13 lieferten sich beide Spitzen-Sportler, die sich kennen und schätzen, ein Duell auf Augenhöhe auf der 42 Kilometer langen Marathon-Distanz in der drückenden Mittagshitze der Pazifik-Insel. Die nächste Verpflegungsstation nutzte Frodeno jedoch nicht nur zur Abkühlung mit nassen Schwämmen und Eiswürfeln, sondern auch, um den Hawaii-Sieger von 2014 abzuschütteln. „Ich habe mich als erster Verfolger von Jan gesehen“, erklärte der zweitplatzierte Kienle rückblickend. Neben dem Kraichgauer bestieg ein weiterer Deutscher das Siegerpodest: Der Darmstädter Patrick Lange sorgte mit seinem zweiten Ironman-Finish überhaupt für eine Sensation – und konnte seine Zeit von 8:11:14 Stunden kaum fassen: „Das ist wie tausend Geburtstage, Weihnachten und Ostern zusammen.“

Deutsche Eisenmänner auf den ersten drei Plätzen gab es zuletzt vor 19 Jahren auf Hawaii: Im Jahr 1997 siegte Thomas Hellriegel vor Jürgen Zäck und dem Darmstädter Lothar Leder. Für Frodeno war der Gewinn der Ironman-Weltmeisterschaft nicht nur die Krönung von Kona, sondern auch die eines Jahres voller Entbehrungen:  Ehefrau Emma, selbst Olympia-Siegerin auf der Triathlon-Kurzdistanz, hatte ihrem Mann während dessen Wettkampfvorbereitung den Rücken freigehalten und ihm viele häusliche Pflichten abgenommen. „Ohne sie“, gestand der Familienvater stolz, „hätte ich es nicht geschafft“. Mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm versprach der 35-Jährige den Triathlon-Fans aus der ganzen Welt: „Ab heute habe ich erst mal Vaterdienst.“

Der zweite Sieg in Folge fühlte sich laut Jan Frodeno anders an als sein Debüt im vergangenen Jahr: „Der zweite Titel schmeckt natürlich süßer.“ Wie es ihm wohl bekommen würde, wenn er am 18. Dezember 2016 erneut als „Sportler des Jahres“ auf der Bühne von Baden-Baden stehen würde?

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