Goldene Schützen, Ruderer und Reiter

Es war zunächst ein olympisches Zittern und Bangen: weil sich die deutschen Olympia-Recken ordentlich Zeit ließen, bis sie Medaillen-Nachrichten in die Heimat schicken. Aber inzwischen meldet sich die App „Wir in Rio“ auf den Smartphones der deutschen Sportfans zuhause fast permanent. Und damit bringen sich auch die Protagonisten für die 70. Wahl „Sportler des Jahres“ im Dezember in Position. Allen voran Michael Jung, Gold im Einzel und Silber mit der Vielseitigkeits-Mannschaft. Der Ausnahmereiter, schon in London mit zwei Olympiasiegen überaus erfolgreich, „flog“ mit seinem 16 Jahre alten Wunderpferd „Sam“ über Stangen, Hecken und Teiche.

Die Ruderer wissen auch, wie es geht. „Doppel-Gold“ innerhalb kürzester Zeit für die Vierer der Damen und Herren. Danach ging es feuchtfröhlich ins Deutsche Haus – dort kamen sie an diesem grandiosen Donnerstag gar nicht mehr aus dem Feiern heraus. Die Stimmung: kaum zu steigern. Und Schlagfrau Lisa Schmidla kündigte gar „zwei Monate Party“ an. Zusammen mit ihren Gold-Kolleginnen Annekatrin Thiele, Carina Bär und Julia Lier. Vergessen die stets schwierigen Bedingungen auf der Laguna mitten in Rio, das Silber in London. Und der enorme Erwartungsdruck vor den Spielen. Der Doppelvierer hatte die Lizenz zum Gewinnen. Auf dem Papier – und auch bei der Regatta.

Die „Jungs“ waren erst über den Hoffnungslauf ins Finale eingezogen. Ein Rennen mehr, um in Top-Form zu kommen… Schlagmann Hans Gruhne, Philipp Wende, Lauritz Schoof und Karl Schulze liegen jetzt für die Abstimmung zur „Mannschaft des Jahres“ Bug an Bug mit den Gold-Frauen.

Barbara Engleder hatten dagegen wenige auf der Rechnung, als im Vorfeld nach den Favoritinnen im KK-Dreistellungskampf geforscht wurde. Und erst recht nicht nach der problematischen Qualifikation. Aber dann holte sich die Sportschützin bei ihren vierten Spielen den Sieg. Nun will sich die Mama aus Niederbayern um ihren kleinen Sohn kümmern, das Gewehr kommt wohl in die Ecke. Das verriet sie jedem Fragesteller in einem O-Ton-Süd, den nicht alle Nicht-Bayern auf Anhieb verstanden, aber der zum heiteren Sound der Rio-Spiele gehört. Das insgesamt 17. Olympia-Gold für deutsche Schützen (vor vier Jahren war man völlig leer ausgegangen) steuerte einen Tag später Henri Junghänel bei. Liegend bewies der Hesse eiserne Nerven. Einer nach dem anderen seiner Kontrahenten schied mit dem Gewehr aus, der 28-Jährige verteidigte bis zum Schluss seine Leader-Position und schmetterte anschließend die Nationalhymne bei der Siegerehrung. Vor ein paar Millionen TV-Zuschauern zuhause an den Bildschirmen. Ungewohnte Szenarien für den Kleinkaliber-Spezialisten. Der beileibe kein Newcomer ist. Es war seine Olympia-Premiere, doch 2013 war er schon zum „Weltschütze des Jahres“.

Während für den dreimaligen „Sportler des Jahres“ Robert Harting in der Diskus-Qualifikation – nach einem Hexenschuss – bereits im Vorkampf alle Träume endeten. Darüber diskutiert Sport-Deutschland noch tagelang. Wie über die goldenen Momente.

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