Rekord auf der Heimbahn

Sechs Titel in sieben Rennen an drei Tagen. Das ist die beeindruckende Bilanz der deutschen Rodler bei der Heim-WM am bayerischen Königssee. Überragender Mann im Schlitten war Felix Loch: Der Olympiasieger, der nur wenige Minuten von der Bahn entfernt wohnt, holte in seinem „Wohnzimmer“ den fünften WM-Titel. Somit fehlt dem 28 Jahre alten Bayern lediglich ein Titel, um mit Rekord-Weltmeister Armin Zöggeler gleichzuziehen.

„Wir haben hier Heimvorteil gehabt - und den auch genutzt“, freute sich Bundestrainer Norbert Loch über die Rekord-Sammlung seiner Schützlinge. Zur selbsternannten „Trainingsgruppe Sonnenschein“ gehören neben Sohn Felix die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie Natalie Geisenberger. Die vier Rodler schwitzen regelmäßig zusammen im Kraftraum und legen bereits im Juli die Grundlage für ihre Erfolge im Winter. Die Schinderei hat sich gelohnt: Wendl/Arlt holten sich den erhofften Sieg. Für das eingespielte Duo war es bereits der zweite WM-Titel auf ihrer Heimbahn, nachdem sie einen Tag zuvor bereits im neu ausgetragenen Sprint zu Gold gefahren waren.

Der Sprint-Wettbewerb ist nicht-olympisch und wird im Rodel-Weltcup seit der vergangenen Saison ausgefahren – am Königssee ging es erstmals um WM-Medaillen. Die Entscheidung fällt dabei ausschließlich in einem Wertungslauf, die Zeitmessung beginnt mit dem sogenannten Fliegenden Start etwa 100 Meter nach der Startrampe. Mit der Premiere des Sprint-Rennens wurden am Königssee erstmals insgesamt sieben Goldmedaillen bei einer Rodel-WM vergeben.

Der neue Wettbewerb wurde überraschenderweise Favoritin Natalie Geisenberger zum Verhängnis: Die Münchnerin musste sich der Schweizer Sprint-Königin Martina Kocher geschlagen geben. Ihr Einzelsieg gab der 27 Jahre alten Rodlerin indes das nötige Selbstbewusstsein für das erfolgreiche Abschneiden bei der abschließenden Teamstaffel. „Ich hab mich so gefreut, noch mal mit den Jungs fahren zu dürfen bei dieser Kulisse hier“, erklärte Geisenberger, „ich glaube, uns ist was Historisches gelungen“. Tatsächlich siegte das deutsche Team mit Loch, Geisenberger und Wendl/Arlt im Doppelsitzer mit 1,5 Sekunden Vorsprung vor den Letten – und holte sich damit den sechsten Titel bei einer Rodel-WM, einen neuen Bestwert. Noch nie zuvor war es einer anderen Nation als Deutschland gelungen, den Team-Wettbewerb zu gewinnen.

Die beeindruckende Bilanz auf der Heimbahn ist lediglich mit einer Auszeichnung zu überbieten: Dem Titel „Mannschaft des Jahres“ bei der diesjährigen Sportler-des-Jahres-Gala in Baden-Baden.

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