Gesa und Cindy

Das „Vogelnest“ von Peking wird vielen deutschen Leichtathletinnen als unerwartete Medaillen-Plattform im Gedächtnis bleiben. Wirklich nur Insider hatten auf einen Podiumsplatz von Gesa Felicitas Krause über 3000 m Hindernis gesetzt. Und wohl gar niemand erwartete Cindy Roleder auf dem Silberrang über die 100 m Hürden. Respekt, die Damen: das sind dicke Ausrufezeichen für die Wahl „Sportlerin des Jahres“ zum Jahresende. Gesa Krause hatte sich in mehreren Höhencamps in Schwung gebracht – und dann spurtete die 23-jährige Hessin auf der Zielgeraden magistral – katapultierte sich auf den Bronzerang, denkbar knapp hinter den beiden ersten Plätzen. Hinterher konfrontierte sie die Medien-Vertreter mit wohl formulierten Statements. Zum Beispiel: „Ich will als Läuferin wahrgenommen werden. Man arbeitet das ganz Jahre, ist aber kaum, präsent.“ Das könnte sich im Hinblick auf Rio 2016 durchaus ändern. Das kleingewachsene Energiebündel, die ein tolles Abitur (2,1) baute – aber das Studium nun quasi auf Sparflamme schaltete, um sich ganz auf den Sport zu konzentrieren – will noch mehr. Denn, wie sagt sie: „Ich kann noch schneller laufen…“ Cindy Roleder, EM-Dritte des Vorjahres (in 12,82 Sekunden), war mit überschaubaren Zielen nach China gereist. „Das Finale oder zumindest das Halbfinale“ peilte sie an. Dann aber gelang der 26-Jährigen „das Rennen meines Lebens“, wie sie es auch ungläubigen TV-Reportern beschrieb. 12,59, persönliche Bestzeit: Silber, nur zwei Hundertstel vom WM-Titel entfernt. Sie feierte mit Fahne, die halbe DLV-Mannschaft wollte sie umarmen. Prickelnde Momente im Vogelnest für die auch engagierte Siebenkämpferin aus Leipzig. Die Leichtathleten melden sich couragiert zu Wort – auch für die Wahl der Sportjournalisten.