Bilanz der World Games: „Nicht olympisch“ zu sein, ist kein Makel

  • Publiziert in Sdj News

Die Olympischen Spiele der nicht olympischen Sportarten. Sind das, etwas vereinfachend ausgedrückt, die World Games, die nach herausragenden sportlichen Leistungen in ganz außergewöhnlichen und spektakulären Disziplinen im polnischen Breslau zu Ende gegangen sind? Fest steht: Das, was die Athletinnen und Athleten in diesen zehn Tagen an Können, Ausdauer, Schnellkraft, Technik, Wagemut, und Artistik gezeigt haben, ist aller Ehren wert. Und wer sich die detaillierten und umfangreichen Übertragungen im Spartensender Sport1 angeschaut hat, der wird seine helle Freude an Wettkämpfen in Disziplinen gehabt haben, von deren Existenz er zuvor nicht einmal etwas gehört hatte.


Die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten nicht nur mit tollen Leistungen, sondern auch mit Medaillengewinnen auf sich aufmerksam. Hinter Russland (62) und Frankreich (43) nimmt die deutsche Vertretung mit 42 mal Gold, (im Bild Squashsieger Simon Rösner) Silber oder Bronze einen Spitzenrang in der Nationenwertung ein. Eine „bessere Förderung der nichtolympischen World-Games-Sportarten“ versprach denn auch Dirk Schimmelpfennig, der Vorstand Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Er war gleichzeitig auch der Delegationsleiter der 136 deutschen Sportlerinnen und Sportler in Breslau.


Den Erfolg einer solchen internationalen Top-Veranstaltung aber nur an der Summe des errungenen Edelmetalls zu messen, wäre falsch. Es hieße, denjenigen nicht gerecht zu werden, die sich in ihren Disziplinen genauso schinden wie Leichtathleten, Kanuten, Schwimmer, oder Fechter, um nur einige stellvertretend zu nennen. Die Begeisterung, die man als Außenstehender am Bildschirm erleben durfte, hat erneut die integrative Kraft des Sportes demonstriert. Polo-Kanuten, Flossenschwimmer, Standard-Tänzer oder Speed Skater, ansonsten mit null Aufmerksamkeit in den Medien bedacht, haben sich nicht minder enthusiastisch gefreut wie ein Usain Bolt oder die brasilianischen Olympia-Fußballer.


Dem Sportler ist es – zumindest während des Wettkampfes – egal, ob das, was er möglichst perfekt beherrschen möchte, von einigen Funktionären nun als olympisch oder nicht olympisch eingestuft wird. Sicher würde die Zugehörigkeit zur sogenannten „olympischen Familie“ vieles im Umfeld erleichtern. An der Freude und am Reiz der sportlichen Auseinandersetzung, am Kennenlernen neuer Menschen und Kulturen und sogar am Entstehen neuer Freundschaften ändert das jedoch nichts.


Zu den Besten in einer Sportart zu gehören, die als „nicht olympisch“ eingestuft wird, – das hat Breslau gezeigt – ist kein Makel.

Bild: © Simon Rösner

 

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Der Jörgl ist ein Achtziger

Zünftig wurde gefeiert im Skimuseum von Hinterzarten. Aber die Hauptperson wollte – wie immer – möglichst wenig Aufsehen machen. Georg Thoma, am 20. August 80 Jahre geworden, aber musste sogar nochmals vor die TV-Kameras. Und die Reden über ihn unterstrichen, wie beliebt und populär der Schwarzwälder bis heute ist. 1960 war er in Squaw Valley/USA völlig überraschend Olympiasieger in der Nordischen Kombination geworden. Und zum Jahresende wählten ihn die deutschen Medienvertreter zum „Sportler des Jahres“. Die nächste Sensation, denn der ehemalige Postbote sammelte mehr Stimmen als Gold-Junge und 100-m-Weltrekordler (10,0 Sekunden) Armin Hary.
Fast peinlich schienen dem Jörgl die vielen Ehrungen und Aufmerksamkeiten. Zumindest bei der Auszeichnung im nahen Baden-Baden aber fühlte er sich wohl. Zum ersten Mal überhaupt hatten die Veranstalter die Kurstadt als Location gewählt. Und auch in den folgenden Jahren gehörte die Ski-Legende zu den Ehrengästen der Gala. „Ich fühle mich gut, wie 60 oder 70“, entgegnete Thoma den vielen Gratulanten an seinem Ehrentag. Er sei gesund und guter Dinge. Und dann las er am Mikrofon die Geburtsgrüße der Kanzlerin Angela Merkel vor. Ehre, wem Ehre gebührt.

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Rauf auf die WM-Matte

Kann ein Ringer bei der Wahl „Sportler des Jahres“ seine Mit-Konkurrenten schultern…? Frank Stäbler lächelt: „Wenn ich wieder Weltmeister werde…“, sieht er durchaus Chancen für eine Top-Ten-Platzierung. Trotz eines gewissen Popularitäts-Mankos gegenüber Wintersportlern, Tenniscracks oder Leichtathleten. Also rauf die Matte. Nächste Woche beginnt das nächste Kapitel in der außergewöhnlichen Karriere des 28-jährigen Schwaben aus dem Flecken Musberg bei Stuttgart. 2015 hatte er sich in Las Vegas/USA den WM-Titel gesichert, nach einer irren Abmagerungs-Tortur, als er sich in die 66-kg-Klasse runterhungerte. „Nicht gesund“, wusste Fränky damals wie heute – doch jetzt sind die Vorzeichen günstiger. Er startet in der 71-kg-Kategorie, muss diesmal nur rund 5 kg abspecken. Allerdings seien „70 Prozent“ seiner Rivalen von damals auch „aufgestiegen“. Deshalb ist der Kreis der Titelanwärter enorm groß. „Aber ich konnte schon einmal die Ringerwelt erschüttern“, sagt er sich.


Dabei liegt viel Ungemach hinter dem Mattenfuchs. Beim letzten harten Training vor den Spielen 2016 in Rio verletzte er sich – und kam bei Olympia nur bis in Runde 2. Jetzt erwischte es ihn im Sommer – vier Tage nach der Hochzeit. Aber Frank Stäbler kämpfte sich wieder zurück, bezwang beim Grand Prix in Polen die Weltklasse. Es sei auch tatsächlich ein anderes Gefühl, als Ehemann zu fighten, gibt er Einblicke in sein Innerstes. Er habe die beste Frau der Welt geheiratet – und das verändere einen Menschen. Ja, Fränky – und alle werden dich zur Weltmeisterschaft nach Paris begleitet. Von Stuttgart geht es via TGV an die Seine. Der halbe Verein, die Viertels-Ortschaft: eine echte Stäbler-Exkursion.


Und alle werden bibbern, dass der Körper diesmal den Belastungen standhält. Das ist im Ringen, auch durch neuerliche „kontraproduktive Regeländerungen, mit denen man erst klarkommen muss“ (so Stäbler) – die Bodenlage fällt weg – eine Crux. Obwohl der Weltmeister einwirft, im Fußball sei die Verletzungshäufigkeit höher. „Aber ich verbrauche an einem Tag drei Rollen Tape-Band“, konzediert er. Vieles wird eingepackt, dh. stabilisiert, vor allem das häufig malträtierte Knie.


Aber Bange machen gilt nicht. Schon gar nicht in der Ringer-Hochburg auf den Fildern. Stäbler will bis Tokio 2020 in Aktion bleiben. Weil für ihn blaue Flecken Kriegsbemalung sind. Und er sich in einer „privilegierten“ Situation befindet. Als einzige deutscher Ringer kann er dank Werbeverträgen „auf diesem Level“ von seinem Sport leben. Viel sei in Sachen Förderkonzepten versprochen worden, aber wirklich Konkretes war nicht dabei. Dafür stieg die Bundeswehr als Partner ein. Heißt im Falle eines Erfolges in der französischen Hauptstadt: „Danach eine Woche Flitterwochen und dann zum sechswöchigen Grundwehrdienst nach Hannover.“ Vom möglichen WM-Podest und der Love-Tour also nonstop „auf Stube“.

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Johannes, der kann es: Der Mann mit dem goldenen Armzug

Na bitte, es geht doch: Nachdem die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathletinnen sich lange geziert hatten, bei der Medaillenvergabe der Weltmeisterschaften in London nachhaltig in Erscheinung zu treten und das Feld auf dem Siegerpodest einzig und allein Siebenkämpferin Caroline Schäfer (Silber) überlassen hatten, stimmte das Schluss-Wochenende doch noch etwas versöhnlich. Einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die Bilanz der beiden letzten Tage aus deutscher Sicht am Schauplatz der Olympischen Spiele des Jahres 2012.

Die erste (und einzige) Goldmedaille für das Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) holte Johannes Vetter aus Offenburg. Der 24jährige schleuderte den Speer weiter alles alle anderen Konkurrenten und siegte vor den Tschechen Jakub Vadljech und Peter Frydrych. Der beständige 90-m-Werfer war als einer der Favoriten in den Wettkampf gegangen. Als sein Titelgewinn schließlich schon vor dem letzten eigenen Versuch feststand, packten den blonden Hünen mit dem gewaltigen Armzug doch die Gefühle und er musste sich verstohlen ein paar Tropfen aus den Augenwinkeln wischen.

Gleich im glänzenden Doppelpack beendeten Deutschlands beste „Könige der Leichtathletik“ ihren zweitägigen Wettkampf. Die beiden Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek sicherten sich hinter dem neuen Weltmeister, dem Franzosen Kevin Mayer, Silber und Bronze. Als blitzsauberes Strahlemädchen verließ auch Hürdensprinterin Pamela („alle nennen mich nur Pam!“) Dutkiewicz den Schauplatz des Geschehens. Ihre Bronzemedaille hinter Weltmeisterin Sally Pearson aus Australien und Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson kommentierte sie im ZDF-Interview nur mit „Ich kann das gar nicht glauben.“

Die „Mainzelmännchen“ werden auch in diesem Jahr wieder der Medienpartner der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) bei der Wahl zu den „Sportlerinnen, Sportlern und Mannschaften des Jahres“ sein und die seit vielen Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit fortführen. Und ein kleines bisschen haben sich einige Damen und Herren aus der olympischen Kernsportart, der Leichtathletik, trotz des insgesamt etwas enttäuschenden Abschneidens ja nun doch noch für diesen festlichen Event im Dezember 2017 empfohlen.

Bild: picture alliance

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