Der Wellenreiter

Das schwierigste Jahr des „Wunderkinds“ Philipp Köster

Es war bereits sein vierter Titel als Weltmeister. Und das mit gerade einmal 23 Jahren. Aber es war auch mit Sicherheit sein Schönster. Weil es auch sein Schwierigster und der am wenigsten Erwartete war. Nach einer schweren Knieverletzung und einem monatenagen Kampf mit und gegen den eigenen Körper, nach OP und Krankenhaus-Aufenthalt in Hamburg, nach Quälen und Qualen in der Reha, nach vorsichtigem Wiedereinstieg und letztendlich wieder „Wettkampf volle Pulle“ stand ausgerechnet beim „Heim-Event“, dem Wettkampf vor Sylt, fest: Der Weltmeister im Windsurfen heißt auch in diesem Jahr wieder Philipp Köster.

Bei einem Trainingsunfall an der Westküste Australiens hatte sich das einstige „Wunderkind des deutschen Surfsports“ schwer verletzt. Die zunächst niederschmetternd Diagnose: Kreuzbandriss, die so ziemlich schlimmste und folgenschwerste Verletzung, die einem Hochleistungs-Sportler widerfahren kann. Zehn Monate war Köster, der sich nach seinem Aufenthalt in der Hamburger Asklepios-Klinik mit täglich sechs bis acht Stunden Aufbautraining und Fitness-Training auf Teneriffa wieder an die Weltspitze heran kämpfe, außer Gefecht gesetzt.

Während die Konkurrenz sich auf den Wellen und Wogen des Surf-Weltcups austobte, Punkte, Prämien und Pokal einheimste, kämpfte Philipp Köster sich wieder verbissen heran. Zweifel an der erfolgreichen Rückkehr wollte er erst gar nicht aufkommen lassen: „In dieser schwierigen Zeit war ich zwar des Öfteren mental und körperlich sehr erschöpft. Aber, wenn ich mal wieder einen ganz schlechten Tag hatte, dann habe ich mir mein selbst gestecktes Ziel wieder vor Augen geführt“, blickte er nach seinem schwierigsten Jahr als Athlet zurück.

Philipp Köster kam wieder. Zwar langsam, aber beständig und mit Macht. „Ein halbes Jahr nach meiner Verletzung konnte ich mit einer langen Schiene wieder schwierige Teile meines Wettkampf-Programms absolvieren. Das war ein richtiges Glücksgefühl wieder auf dem Meer zu sein.“ Danach ging es wieder aufwärts. Im Kopf und auf den Beinen. Mittlerweile ist der weltbeste Wellenreiter wieder er selbst, hat sich neue, alte Ziele gesetzt. Marokko, Portugal, Australien, Maui lauten die Trainingsziele in den Wintermonaten.

Namen, die bei anderen Menschen Begehrlichkeiten wecken, Urlaubsziele assoziieren. Für Philipp Köster aber heißt das: „Natürlich möchte ich meinen Titel verteidigen. Ich habe viele neue Sprung-Kombinationen im Kopf die ich umsetzten möchte.“

Bild: HOCH ZWEI /Joern Pollex

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Gesa Felicitas Krause

Mehr als nur die „Königin der Herzen“

Es sollte ihr Lauf, ihr Tag, ihr Abend werden bei diesen Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London: Im Finale über die technisch so anspruchsvolle 3000-m-Hindernis-Strecke wollte sich die für den Verein „Silvesterlauf Trier“ startende Hessin Gesa Felicitas Krause für den immensen Trainings-Aufwand, für den Reise- und Psychostress der vergangenen Monate belohnen. Als amtierende Europameisterin über die mit Hürden und einem Wassergraben gespickte Distanz von 3000 Metern galt sie als die schärfste Widersacherin der favorisierten afrikanischen „Gazellen“ in diesem Feld der erlesenen Spezialistinnen.

Gesa Krause, der gerade einmal 50 Kilo leichte „Lauffloh“ schrieb dann auch wirklich so etwas wie Leichtathletik-Geschichte in diesem Rennen. Jedoch auf eine Art und Weise, die sie sich ganz anders vorgestellt hatte. Das Schicksal in Gestalt der Kenianerin Beatrice Chepkoech nahm seinen Lauf. Die Afrikanerin, die sich zuvor sogar – und das in einem Bahn-Rennen – zwischen den Hürden „verirrt“ hatte, lief der in diesem Moment ebenso ahnungs- wie schuldlosen Krause in die „Hacken“, brachte diese aus dem Tritt. Andere Läuferinnen folgten, die Hessin bekam sogar noch einen Schlag an den Kopf. Sie wurde ein Opfer des rasend schnellen Pulks.

Ihr Rennen, aber das wurde ihr eigentlich erst später bewusst, war just in diesem Moment gelaufen. Der Medaillentraum war auf grausame Art geplatzt. Doch wie in Trance lief die deutsche Europameisterin weiter, kämpft sich wieder heran und wurde am Ende noch Neunte. Eine Platzierung, die bei weitem nicht ihrem Können und ihren Wunschvorstellungen entsprach.

Doch danach tat die Hindernis-Spezialistin etwas, was ihr Hochachtung und Respekt von allen Seiten entgegen brachte. Man hörte von ihr in den diversen Interviews keine Schuldzuweisungen an die Konkurrentin, die den Wassergraben regelrecht „verpennt“ hatte und Krause danach „über den Haufen“ rannte. Die Deutsche ergriff sogar auf sehr emotionale Art und Weise Partei für die Kenianerin und sagte bei all ihrer großen persönlichen Enttäuschung: „Das ist doch für sie auch ganz anders gelaufen, als sie es sich vorgestellt hat.“

Mit ihrer Reaktion unmittelbar nach dem für sie völlig „verkorksten“ Lauf bot Gesa Felicitas Krause ein beeindruckendes Beispiel für fair play.“ Für Größe in der (unverschuldeten) Niederlage. „So ist eben der Sport. Es kann jede uns treffen. Diesmal hat es eben mich getroffen.“ Ein wahrhaft preiswürdiges Verhalten. Auch am 17. Dezember in Baden-Baden.

Bild: picture-alliance

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Deutschlands neue Handballmacht

Die „Löwen“ von Rhein und Neckar

Die wenigsten hatten es ihnen zugetraut, doch allen Unkenrufen zum Trotz: Trotz des personellen Umbruches sicherten sich Rhein-Neckar-Löwen in diesem Jahr zum zweiten Male den Titel des Deutschen Handballmeisters. Die Mannheimer sind endgültig aus dem Schatten des in den vergangenen Jahren schier übermächtigen THW Kiel heraus getreten und unangefochten die Nr. 1 im deutschen Handball. Vor den hoch gehandelten Konkurrenten wie der SG Flensburg-Handewitt, den „Füchsen“ aus Berlin oder den Geheimfavoriten aus Magdeburg und Melsungen.

Die SAP-Arena in Mannheim ist inzwischen zum neuen deutschen Handball-Tempel geworden. Mehr als 10.000 Fans feiern und feuern das Team um den überragenden Schweizer Spielmacher Andy Schmid an, der bisher allen Verlockungen der Konkurrenz aus Barcelona oder Paris widerstand: „Ich fühle mich wohl hier. Ich weiß, was ich hier habe“, setzt der „spiritus rector“ der Truppe von Trainer Nicolaj Jacobsen ganz klare persönliche Prioritäten.

Bei den Handballern aus dem Badischen läuft nichts ohne die „Strippenzieher“-Qualitäten von Oliver Roggisch. Der sportliche Leiter, Weltmeister 2007, steht wie schon im Vorjahr vor einer schwierigen Aufgabe. Verließ damals mit Kapitän Uwe Gensheimer der wohl weltbeste Linksaußen und das emotionale Herz der Mannschaft die Rhein-Neckar-Region in Richtung Paris, so folgt ihm als großer Verlust in diesem Jahr der schwedische Ausnahmekönner Kim Ekdahl Du Rietz. Der Rückraumspieler beendet mit nur 27 Jahren seine Karriere.

Roggisch, einst Abwehrchef des Weltmeisterteams von Handball-Ikone Heiner Brand, fordert denn auch, dass „wir uns breiter aufstellen müssen, angesichts der körperlichen und mentalen Belastungen, die wir derzeit haben.“ Permanenter Reisstress, Top-Gegner in Bundesliga, Pokal und Champions League, dazu die internationalen Großereignisse des mit Nationalspielern gespickten „Löwen“-Kaders. Es wird mit Sicherheit nicht weniger schwierig sein, den Platz auf dem Thron des deutschen Handballs gegen die nachdrängende Konkurrenz zu verteidigen als nach dem ersten Titelgewinn im vergangenen Jahr.

Bild: picture-alliance

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D-Achter mit goldener Bugspitze

Die „Silber-Ära“ des Deutschland-Achter ist beendet. Das DRV-Flaggschiff sicherte sich in Sarasota/Florida den WM-Titel. Und zwar so souverän wie während der gesamten Saison ohne Niederlage. Der Start-Ziel-Erfolg vor den USA und Italien geriet nie in Gefahr, vor allem der Zwischenspurt beeindruckte einmal mehr die Ruder-Welt. Das neuformierte Team, zusammengestellt aus Routiniers wie Richard Schmidt und Youngster vom Schlag eines Torben Johannesen (22), siegte nach 2000 Meter mit knapp einer Bootslänge Vorsprung. Und schob sich damit auch in die Mit-Favoriten-Rolle für die Wahl „Mannschaft des Jahres“. 2012, nach dem Olympiasieg von London, lag die Crew um Steuermann Martin Sauer beim Votum der deutschen Sportjournalisten zuletzt mit der Bug-Spitze vorne. Mit einheitlich grüner Krawatte sorgten die langen Kerls im Kurhaus von Baden-Baden damals zu den Farbtupfern der Gala. Zu vorgerückter Stunde nutzen die Cracks den Binder dann als Kopfschmuck. Auch Feiern können die Ruderer.

In den letzten zweieinhalb Monaten blieb kaum eine Minute Zeit für Ablenkungen. Unter Interims-Coach Uwe Bender bereiteten sich die Sportler konsequent auf den Tag X vor. Gewannen sämtliche Rennen, bezwang mehrere Male Angstgegner Großbritannien, bei der WM dann überraschend schon im Halbfinale ausgeschieden. Was optisch spielerisch aussah, aber war eine Karrer-Arbeit mit allerletztem Energieeinsatz. Als „Rennen unseres Lebens“ skizzierte Johannesen die Marter auf der im vergangenen Jahr neu angelegten Regatta-Anlage direkt am Highway 41. Schmidt meinte, sie hätten das Allerletzte aus ihren Körpern herausholen müssen. 

Gegen wen könnte der Deutschland-Achter bei der Sportler-Wahl „ins Wasser gelassen“ werden? Im nordischen Winter hatten Biathleten und Kombinierer Gold gescheffelt. Im Sommer setzte das Hamburger Beach-Duo Laura Ludwig und Kira Walkenhorst seine eindrucksvolle Siegesserie im Volleyball-Sand fort. Es könnte eng zugehen auf der Bühne des Bénazetsaals am 17. Dezember… Das ZDF überträgt die Gala am gleichen Abend.

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