Laura Ludwig und Kira Walken­horst: Sympathisch, natürlich, Vorbild für den Nachwuchs

Als der letzte Ball im Aus war, kannte der Jubel keine Grenzen. Laura Ludwig (30) und Kira Walkenhorst (25) hatten Mitte August als erstes europäisches Frauenteam überhaupt eine olympische Medaille im Beachvolleyball gewonnen. Und dann gleich Gold bei den Olympischen Spielen. „Je mehr Druck wir hatten, umso besser haben wir gespielt“, strahlte Walkenhorst nach dem Finale gegenüber dem ZDF, das die Partie live übertragen hatte.

Was für ein Jahr für Ludwig/Walkenhorst: Europameisterinnen sind sie geworden, Deutsche Meisterinnen, Weltranglisten-Erste, und dann sicherten sie sich auch noch den Titel beim World Tour Final in Toronto. Doch über allem thront der Olympiasieg am berühmtesten Strand der Welt. Mit 21:19 und 21:14 haben sie gegen die Brasilianerinnen Agatha Bednarczuk und Barbara Seixas Gold gewonnen, und ganz Deutschland mit ihrer Art, Beachvolleyball zu spielen, fasziniert und in ihren Bann gezogen. Sie zauberten eine perfekte Symbiose in den Sand – Laura Ludwig, seit Jahren eine der spektakulärsten Abwehrspielerinnen der Welt, brilliert mit ihrer taktischen Überlegenheit, die lange Kira Walkenhorst (1,84 m) hat nahezu jeden Block perfekt gesetzt.

Im Hexenkessel der Beachvolleyball-Arena, gegen nahezu 15.000 fanatische und lautstarke Brasilianer, behielten die beiden Hamburgerinnen kühlen Kopf – und bereits Mitte des ersten Satzes wurde die Kulisse leiser. Der Erfolg von Ludwig/Walkenhorst war kein Zufall. Dahinter steckt drei Jahre lange, akribische Arbeit in der Beachhalle in Hamburg-Dulsberg. Zusammen mit ihrem Trainer Jürgen Wagner, der schon das Duo Brink/Reckermann in London zu Gold geführt hatte, haben sie mit dem Spielanalyse-Programm „Beach Viewer“ jeden Ballwechsel aufgezeichnet, aus dem sich dann ein Muster für den Matchplan des Gegners erkennen ließ. „Es ist diese Kombination aus strategisch geplantem Erfolg und Ehrgeiz und dem gleichzeitigen sympathischen Auftreten, was die beiden so besonders macht“, sagt Manager Andreas Scheuerpflug.
Die „Beacherinnen“ genießen in der Öffentlichkeit den besten Ruf und kommen sympathisch rüber. Kein Wunder, dass sogar Uwe Seeler Ende August in der Hamburger Fischauktionshalle beim Sport-Bild-Award die Nähe der beiden „Strahlefrauen“ suchte. Hamburgs Fußballikone genoss sichtlich den Moment, als er beim Fotoshooting die beiden Beachvolleyball-Olympiasiegerinnen im Arm halten durfte.

Im Glanze des überragenden Erfolges von Rio gerät fast in Vergessenheit, dass Kira Walkenhorst 2014 eine lange Zwangspause einlegen musste – Pfeiffersches Drüsenfieber. Kurz vor ihrem Comeback zog sie sich dann 2015 noch eine Knieverletzung zu und musste eine Operation über sich ergehen lassen. Von allen Seiten erfuhr das Duo damals jedoch Aufmunterung.

Letzte Änderung amMontag, 02 Januar 2017 09:14