Angelique Kerber: „Die Angie soll die Angie bleiben“

Manchmal sind es die kleinen, die unscheinbaren Momente, die über große Karrieren und große Momente im Leben einer Sportlerin entscheiden. Als die Tennis-Spielerin Angelique Kerber im Januar in der ersten Runde der Australian Open gegen die Japanerin Misako Doi vor dem Turnier-Aus stand, deutete nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass die 28-Jährige vor dem erfolgreichsten Jahr ihrer Karriere stehen könnte. Am anderen Ende der Welt schien für 2016 alles zu Ende zu sein, bevor es überhaupt begonnen hatte.


Doch letztendlich überstand die Kielerin mit polnischen Wurzeln nicht nur diese Hürde, sie startete, nachdem sie den Matchball der Japanerin abgewehrt und die Partie für sich entschieden hatte, zu einem unvergleichlichen Parforce-Ritt über die Centre Courts dieser Welt. Ein einziger Dauerlauf zwischen Serve and Volley, der mit dem Sieg in Melbourne einen unvergesslichen Wert für sie hat: „Dieser Pokal, dieser Moment, als ich nach dem Matchball am Boden lag, das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Denn da hat alles begonnen. Das war der Moment in meiner Karriere.“

Am Ende dieses Jahres stehen für sie zwei Grand-Slam-Titel (Australien und USA), eine weitere Finalteilnahme (Wimbledon), Silber bei den Olympischen Spielen, die Nummer 1 in der Weltrangliste und jetzt zum Ende eines grandiosen Jahres auch noch der Titel als Deutschlands „Sportlerin des Jahres.“ Seit der unumstrittenen deutschen Tennis-Königin Stefanie Graf ist keine deutsche Filzball-Akrobatin mehr auch nur annährend in diese Bereiche vorgedrungen wie die Linkshänderin.

Vor allem aber ist sie aus dem Schatten einer in den vergangenen Jahren schier übermächtigen Gegnerin, Serena Williams, herausgetreten. In Melbourne verwies sie die aufschlagstarke US-Athletin auf Rang zwei, in Wimbledon unterlag sie, auf Augenhöhe mit ihr agierend. Während Williams sich mit nur acht Turnier-Teilnahmen den maximalen Erfolg sichern wollte, war Kerber kein Weg zu weit und keine Veranstaltung zu mühevoll, um sich nicht doch durchzubeißen auf dem Weg zu ihrem selbst ernannten Ziel: „Die Nummer eins der Welt werden.“

Nach diesem schier unglaublichen Jahr warten auf die gebürtige Bremerin 2017 neue Herausforderungen und Aufgaben: „Ich möchte so lange wie möglich meine Position als Nummer eins verteidigen“, gibt sie als vorrangiges Ziel aus. Als Folge ihres plötzlichen Ruhmes gilt es auch, die Balance zwischen harter, professioneller Vorbereitung auf die anstehende Saison und der öffentlichen Aufmerksamkeit zu finden. Dass das nicht leicht ist, hat sie in den vergangenen Wochen und Monaten bereits am eigenen Leib erfahren. Dass das aber auch in Zukunft so bleiben wird, dafür hat sie Vorsorge getroffen und ihr eigenes Motto ausgegeben: „Die Angie wird die Angie bleiben.“

Letzte Änderung amSonntag, 18 Dezember 2016 22:56