Fabian Hambüchen: Das Beste kam zum Schluss

Es gibt in diesen Tagen, in denen das Jahr auf Abschiedstour ist, kaum einen Fernsehsender, der sich nicht gerne mit Fabian Hambüchen schmückt, wenn er auf die Höhepunkte von 2016 zurückblickt. Dieses Mammutprogramm der vergangenen Wochen hat die Turnikone ebenso erfolgreich bewältigt wie seine beispiellose Karriere. 26 Medaillen gewann Fabian Hambüchen bei internationalen Wettbewerben, darunter Silber und Bronze bei Olympischen Spielen. Schon vor seinem Auftritt in Rio de Janeiro war der Mann aus Wetzlar der erfolgreichste deutsche Turner der Geschichte. Was also sollte da noch kommen an diesem 16. August in der Turnhalle von Rio beim Reckfinale? Die Krönung eines Lebenstraums?

Topfit war er, die Schulterverletzung vom März hatte ihn nicht mehr geplagt. Hambüchens Kür war tadellos. Der Abgang auch. Doch dann riss er gefühlt eine halbe Sekunde zu früh die Jubelarme hoch und geriet ein wenig aus dem Gleichgewicht. Aber der kleine Ausfallschritt war am Ende kein Fehltritt: 15,766 Punkte. Niemand holte ihn mehr ein, auch der Niederländer Epke Zonderland nicht, der vom Gerät fiel. Es war tatsächlich Gold.
Was aber macht diesen Olympiasieg und den Menschen Fabian Hambüchen so besonders? Vor allem der Umstand, dass er trotz Rückschlägen nicht aufgegeben hat, dass er bereit war, immer wieder ganz von vorne anzufangen. „Die Liebe zum Turnen hat ihn immer angetrieben, und er hat sich diesen Traum von Gold mehr als verdient“, sagt Hambüchens Manager Klaus Kärcher. „Und abgesehen von einem Achillessehnenabriss und der Schulterverletzung ist er relativ gesund durch sein Sportlerleben gekommen.“

In der Regel gewinnt ein Athlet Gold, beim nächsten Auftritt reicht es dann meist nicht mehr für den Olympiasieg. Das 29-jährige Kraftpaket hat die Reihenfolge umgedreht, einen perfekten Spannungsbogen für sich und seine Fans entworfen. Zweimal war er bei Olympia als ganz großer Favorit angereist, gewann Bronze und dann Silber am Reck. Vor allem der dritte Platz in Peking 2008 war für ihn eine Riesenenttäuschung und dieses mentale Päckchen hat er bis Brasilien mit sich herumgetragen. In Rio hatte niemand was von ihm erwartet, weil der Start wegen einer Schulterverletzung lange in den Sternen stand. Das Beste kam bei ihm dann zum Schluss.

Hambüchen war und ist aber auch immer ein mündiger Athlet gewesen, einer der auch Missstände im Sport anspricht. Doch jetzt sagt er, zumindest der internationalen Bühne, adieu. „Ich habe alle Titel gewonnen, und mein Körper zeigt mir, dass es Zeit ist aufzuhören“, sagt er. Wenn Hambüchen derzeit morgens aufwacht, genießt er das Gefühl, nicht mehr jeden Tag in die Turnhalle zu müssen. „Ich habe mehrere Optionen und freue mich auf alles, was kommt.“ Er wird eine große Lücke im deutschen Sport hinterlassen.

Letzte Änderung amFreitag, 03 November 2017 13:36